Sassan

Sassan (auch Sasan; mittelpersisch đ­źđ­ đ­źđ­ đ­­ Sāsān [Inschriftliche Pahlavi],[1] neupersisch ŰłŰ§ŰłŰ§Ù†, DMG Sāsān) galt in der SpĂ€tantike als eponymer Stammvater der neupersischen Dynastie der Sassaniden, der um 200 n. Chr. gelebt haben soll.

Über die historische Persönlichkeit Sassan ist kaum etwas gesichert. Es gibt mehrere, teils widersprĂŒchliche ErzĂ€hlungen. Einer ErzĂ€hlung Tabaris zufolge, die erst Jahrhunderte nach dem Untergang der Sassaniden niedergeschrieben wurde, allerdings wohl auf sassanidischen Quellen beruht, war Sassan der Vater Papaks (auch Pabag oder Babak), des Vaters Ardaschirs I., und Vorsteher (Oberpriester) des Feuertempels der Anahita in Istachr bei Persepolis.[2] Dem Karnamag-i Ardaschir-i Pabagan (Das Tatenbuch Ardaschirs) zufolge, ein spĂ€teres mittelpersisches Werk, war Sassan hingegen der Schwiegervater Papaks. Nach einer anderen Version war Sassan ein Hirte. Papak erzĂ€hlte man, dass der Sohn Sassans eines Tages ein mĂ€chtiger Herrscher werden wĂŒrde, und so gab er ihm seine Tochter zur Frau.

Problematisch ist die Rekonstruktion der frĂŒhen Sassaniden schon deshalb, weil sie selbst ĂŒber die verwandtschaftliche Beziehung zwischen Sassan und Papak schweigen: In der bekannten Inschrift von Naqsch-e Rostam aus der Zeit Schapurs I., des Sohnes Ardaschirs, werden die Vorfahren der Sassaniden aufgezĂ€hlt, wobei als Vater Ardaschirs Papak genannt wird, aber nicht weiter auf die verwandtschaftliche Verbindung zum ebenfalls dort genannten Sassan eingegangen wird. Sassan wird dort zwar als ein Großer bezeichnet (xwadāy), also als Adelsangehöriger, Papak hingegen als ƥāh (König).[3]

Fest steht nur, dass die Sassaniden als ihren Stammvater nicht Papak, sondern Sassan ansahen. Es ist aber möglich, dass Sassan nur eine legendenhafte Person gewesen ist, auf die sich die Sassaniden beriefen,[4] Ă€hnlich wie die AchĂ€meniden sich auf Achaimenes zurĂŒckfĂŒhrten.[5]

Heute ist Sassan im orientalischen Sprachraum ein gebrÀuchlicher Vorname.

Literatur

Anmerkungen

  1. ↑ Res Gestae Divi Saporis, Linie 25 ff.
  2. ↑ Tabari I 814. Vgl. auch Michael Alram: Die Kunst im Sasanidenstaat. In: Wilfried Seipel (Hrsg.): 7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran. Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S. 263–295, hier: S. 263.
  3. ↑ Touraj Daryaee: ArdaxĆĄÄ«r and the Sasanians’ Rise to Power. In: Anabasis. Studia Classica et Orientalia 1, 2010, S. 236–255, hier S. 243.
  4. ↑ Vgl. Touraj Daryaee: ArdaxĆĄÄ«r and the Sasanians’ Rise to Power. In: Anabasis. Studia Classica et Orientalia. 1, 2010, S. 236–255, hier S. 245: „We may never know who Sāsān was but his dual function of priest-king of Persepolis-Istakhr is a nice topos.“
  5. ↑ Vgl. auch áčŹabarÄ«. The Sāsānids, the Byzantines, the Lakhmids, and Yemen. Übersetzt und kommentiert von Clifford Edmund Bosworth. Albany/NY 1999, S. 3, Anmerkung 5.