Saral Sarkar

Saral Sarkar (bengalisch সরল সরকার Saral Sarakār; * 10. Mai 1936 in Westbengalen, Indien) ist ein indisch-deutscher Publizist und politischer Aktivist. Er lebt und arbeitet seit 1982 in Köln.

Kindheit und Jugend

Sarkar wuchs in Kamrabad (Westbengalen) und Kalkutta (Kolkata) mit fünf Geschwistern auf. Unter anderem förderten ein politisch aufgeschlossenes Elternhaus, gute Schulbücher (die z. B. Kritik an Großgrundbesitz thematisierten) sowie ein 1945 in Kamrabad gegründeter Friedensverein „Shanti-Sansad“ (mit einer handgeschriebenen Zeitung) sowie sein Schwager früh sein Interesse an Politik. In Westbengalen gehörte es Anfang der 1950er-Jahre zum guten Ton, linksintellektuelle Bücher zu lesen.[1]

Ausbildung

1958 erlangte er einen Bachelor-Abschluss an der Calcutta University. Bis 1964 arbeitete er als Bankangestellter in Kalkutta und absolvierte in Abendkursen eine Ausbildung zum Deutschlehrer am Max Mueller Bhavan (Goethe-Institut) in Kalkutta und Pune. (In dieser Zeit lernte er seine Ehefrau, die Soziologin Maria Mies, kennen.) 1964 und 1966 weilte er als Stipendiat der Bundesregierung zu Studienaufenthalten in Deutschland.

Wirken

1966–1981 war Sarkar Lektor am Max Mueller Bhavan in Hyderabad. Auf Wunsch dortiger Studierender leitete in dieser Zeit ehrenamtlich politische Arbeitskreise. 1982 übersiedelte er nach Deutschland. Von 1982 bis 1987 war Sarkar Mitglied der Grünen, die er verließ, da die Partei ihr Gründungsprogramm zugunsten der Machtbeteiligung preisgegeben hatte. Bis 2005 engagierte er sich weiter in der Ökologie- und Friedensbewegung. 1997 gründete er mit Maria Mies und anderen das Komitee Widerstand gegen das MAI[2], das später in Netzwerk gegen Konzernherrschaft und neoliberale Politik umbenannt wurde. Letzteres wurde später ein Teil von Attac Deutschland. 2003 gründete Sarkar mit Bruno Kern die Initiative Ökosozialismus.

In seinen Werken kritisiert Sarkar die Wachstumsorientierung, die den unterschiedlichsten Wirtschaftstheorien zu eigen ist – z. B. (neo)klassischen Theorien, dem Marxismus, den keynesianischen und schumpeterianischen Wirtschaftstheorien.[3] Vor dem Hintergrund der Energie- und Rohstoffbegrenzung sowie der globalen Umweltzerstörung hält Sarkar einen Paradigmenwechsel für dringend notwendig – vom heute noch vorherrschenden Wachstumsparadigma zu einem, das er „Grenzen-des-Wachstums-Paradigma“ nennt.[4] Die gegenwärtige Wirtschaftskrise ist nach Sarkar nicht nur eine solche und auch nicht nur die Krise des Kapitalismus, sondern die des Industrialismus überhaupt.[5]

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • „Green-alternative Politics in West Germany“. Band I.: The New Social Movements, 1993, Band II.: The Greens, 1994; Tokyo, New Delhi. United Nations University Press.
  • „Eco-Socialism or Eco-Capitalism? – A Critical Analysis of Humanity's Fundamental Choices“, 1999, London, New Delhi. Zed Books u. Orient Longman.
  • „Die nachhaltige Gesellschaft – Eine kritische Analyse der Systemalternativen“, 2001, Zürich u. Saarbrücken. Rotpunktverlag u. Südwestdeutscher Verlag für Hochschulschriften (überarbeitete und erweiterte Übersetzung von Nr. 2).
  • „Ökosozialismus oder Barbarei“ (mit Bruno Kern), 2004, Mainz und Köln. Initiative Ökosozialismus.
  • „Die Krisen des Kapitalismus – Eine andere Studie der politischen Ökonomie“, 2009 u. 2010, Köln/Mainz und Neu-Ulm. Initiative Ökosozialismus u. AG-SPAK Bücher.
  • „Die aktuelle Weltwirtschaftskrise verstehen“, 2012, Mainz. Initiative Ökosozialismus.
  • „The Crises of Capitalism – A Different Study of Political Economy“, 2012, Berkeley, USA. Counterpoint (überarbeitete und erweiterte Übersetzung von Nr. 5).

Sarkar veröffentlichte außerdem in verschiedenen europäischen, nordamerikanischen, chinesischen und indischen Zeitungen und Zeitschriften zahlreiche Aufsätze und Artikel auf Englisch, Deutsch, Chinesisch und Spanisch.

Einzelnachweise

  1. Persönliche Mitteilungen, 6. Feb. 2013, Köln
  2. MIES, Maria u. WERLHOF Claudia von (1998): Lizenz zum Plündern. Das Multilaterale Abkommen über Investitionen MAI. Globalisierung der Konzernherrschaft – und was wir dagegen tun können. Hamburg
  3. SARKAR, Saral (2001): Die nachhaltige Gesellschaft – Eine kritische Analyse der Systemalternativen. Zürich u. Saarbrücken
  4. SARKAR, Saral (2012): Die aktuelle Weltwirtschaftskrise verstehen. Mainz, S. 12
  5. SARKAR, Saral (2012): Die aktuelle Weltwirtschaftskrise verstehen. Mainz, S. 30