Santa Maria in Broglio

Santa Maria in Broglio, auch Santa Maria in Brolo oder dell’Ascension genannt, war eine Kirche im venezianischen Sestiere San Marco. Der Namensteil „Brolo“ rührt von der venezianischen Bezeichnung für Garten oder Obstgarten her, meint jedoch den einst grünen Platz, der heute als Markusplatz bekannt ist, und der sich weiter Richtung San Moisè westwärts erstreckte. Das 1824 abgerissene Gebäude stand an der Stelle des heutigen Hotels Luna in der Nähe der Vaporettostation Vallaresso, westlich des Museo Correr. Die Kirche reicht bis in das frühe 12. Jahrhundert zurück, als sie eines der Hospize des Templerordens war.

Geschichte

1118 besaß der Templerorden in Venedig zwei Kirchen, nämlich San Giovanni Battista del Tempio und Sancta Maria de capite Brolii. Letzterer war ein Hospiz für Pilger auf dem Weg ins Heilige Land angegliedert.[1] Nachdem Papst Clemens V. 1311 den Orden aufgelöst hatte, ging der Baukomplex an die Malteserritter über, die – überschuldet – 1322 die päpstliche Erlaubnis erhielten, Gebäude zu verkaufen. So gelangte der Komplex 1324 an die Prokuratoren von San Marco. Diese verpachteten ihn an einen gewissen Fra Molano oder Milano unter der Bedingung, dass er ihn nicht zur Unterbringung von armen Minderbrüdern (mendicanti) nutzte, sondern für Besuche von Botschaftern zur Verfügung hielt und zudem zwei Priester unterhielt. Ende 1400 wurde das Bauwerk an eine Osteria vergeben; die Kirche erhielt durch die Prokuratoren einen „rettore“.

Ende des 15. Jahrhunderts wurde das Kloster an die Osteria della Luna verpachtet. Die Restaurierung der Kirche wurde zwar 1516 von der Confraternità del Spirito Santo, der Bruderschaft des Heiligen Geistes, begonnen, die seit 1233 in der Kirche angesiedelt war. Die mit der Übernahme durch die Bruderschaft in die Kirche aufgenommene Confraternità dei Ciechi, die Bruderschaft der Blinden, begann 1591 ihrerseits mit einem Umbau. Wie Beschlüsse der Jahre 1592 und 1595 erweisen, kam es dabei zu Auseinandersetzungen zwischen den beiden Bruderschaften, so dass ‚die Blinden‘ nach San Vitale auswichen. Wie eine laut Emmanuele Antonio Cicogna noch bis 1824 sichtbare Inschrift erwies, wurden diese Arbeiten 1597 abgeschlossen.

Die Kirche, die nach dem Fest der Himmelfahrt (Ascensione) umbenannt wurde, sollte mit Dekret Napoleons am 28. Oktober 1810 geschlossen werden. Sie wurde als Lagerhaus genutzt, bis sie 1824 abgerissen wurde, um Platz für eine Erweiterung des Hotels La Luna zu schaffen. Dieses benachbarte Hotel bestand selbst seit 1400.

In seinem Werk Il ritratto di Venezia von 1684 berichtet Marcantonio Giustiniano von drei schönen Altären und zwei kleineren an den Seiten der Hauptkapelle. Auch nennt er ein Werk von Pietro Mera, das den zum Himmel aufsteigenden Christus darstellte. Außerdem bewahrte die Kirche die Reliquien des heiligen „Bonifacio Martire“ auf.[2]

Quellen

Literatur

Commons: Santa Maria in Brolo – Sammlung von Bildern

Anmerkungen

  1. Dies und das Folgende nach Emmanuele Antonio Cicogna: Delle Inscrizioni Veneziane, Bd. 1, Giuseppe Orlandelli, Venedig 1824, S. 217 f.
  2. Marcantonio Giustiniano: Il ritratto di Venezia diviso in dve parti. Nella prima, si descriuono breuemente tutte le Chiese della Città, con le memorie più illustri, Depositi, Epitaffij, Inscrizioni, Scolture, e pitture più conspicue, con le dichiarazioni, et autori di essi. Nella seconda si dà breue Relazone del Gouerno della Republica, delli Magistrati, delle Fabriche publiche, e più riguardevoli ecc., Venedig 1684, S. 23 f.

Koordinaten: 45° 25′ 59,3″ N, 12° 20′ 14″ O