Sant’Antonio Abate (Venedig)
Sant’Antonio Abate, auch Sant’Antonio di Castello genannt, war eine Kirche im venezianischen Sestiere Castello, die von 1346 bis 1810 bestand.
Geschichte
1334 erhielten Marco Catapan und Cristoforo Istrego den Auftrag, einen weit im Osten von Castello gelegenen, sumpfigen Ort nutzbar zu machen.[1] Letzterer überließ das von ihm errichtete hölzerne Gebäude 1346 einem „Goto degli Abbati Fiorentino“, wie Flaminio Corner vermerkt. So erhielt dieser Fra Giotto degli Abbati, Prior der Regularkanoniker des Antoniter-Ordens, Gelegenheit, eine Kirche und ein Kloster zu gründen. Dazu erhielt er die Erlaubnis des Bischofs von Castello. Dabei erhielt das Vorhaben Unterstützung durch den Prokurator von San Marco Niccolò Lion und von der Familie Pisana. Folgt man Vasari, so war Giacomo Lanfrani der Erbauer der Kirche, die in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstand. Sieht man von wenigen Gestaltungselementen der Renaissance ab, so war das Gebäude überwiegend gotisch.
Aus unbekannten Gründen erhielt die Einrichtung 1388 eine staatliche Aufsicht. Nach altem Brauch durfte der Abt Schweine durch die Stadt treiben, so die Legende, doch wurde dies 1409 streng untersagt.
1471 wurden Kloster und Kirche auf Beschluss des Senats den Regularkanonikern von San Salvador unterstellt, die, so Corner, einen besseren Ruf hatten. Bei der Gelegenheit wurde das stark vernachlässigte Gebäude mit neuen Altären und Kapellen ausgestattet. Corner berichtet auch von der Darstellung des Innenraums der Kirche, die „Vettor Carpazio“ schuf. Wie eine Karte von Sebastian Münster, die 1550 entstand, zeigt, markierte die Kirche zu dieser Zeit den südöstlichsten Punkt der Stadt und war damit gleichsam deren Auftakt. Die rund 100 Jahre jüngere Stadtansicht Venedigs zeigt einige weitere Details dieser Landmarke Venedigs.
Am 10. Juni 1511, als Francescantonio Ottoboni Abt war, wurde von Vicenza die Pest eingeschleppt, woraufhin das Kloster abgeriegelt wurde. Ottoboni sah in einer Vision Petrus, der die Bewohner von der Epidemie befreite, nachdem eine Prozession von Heiligen ihre Kreuze vor ihn getragen hatte. Bei der Gelegenheit erwähnt Corner neben einer Handreliquie des Patrons Antonio eine Reihe weiterer Reliquien von Heiligen. Doch weniger die Innenausstattung rückte das Bauwerk in den Blickpunkt der staatlichen Institutionen, als viel mehr die Tatsache, dass die Schiffe, die die großen Repräsentationsgebäude und den Canal Grande von der Adria kommend ansteuerten, fuhren zwangsläufig an dieser zunehmend zur Schauseite der Stadt ausgebauten Uferabschnitt entlang.
Um das Gebäude den Bedürfnissen staatlicher Repräsentation stärker anzupassen, wurde es für das Begräbnis des Sohnes des Dogen Antonio Grimani, Marco Grimani, stark umgebaut. Den Auftrag dazu erhielt Jacopo Sansovino, nach dessen Tod Tullio Lombardo die Arbeiten vollendete. Schon 1544 waren Probleme aufgetreten, die dazu führten, dass Sansovino sich auf San Francesco della Vigna betätigte. 1548 beauftragen Vicenzo und Vettore Grimani Francesco Quattrini damit, die letzten Arbeiten unter der Oberaufsicht Sansovinos abzuschließen. Das Frontispiz der Fassade, die von Francesco Quattrini aus istrischem Stein gehauen wurde, trägt eine Inschrift sowie vier Säulen und das Wappen der Familie Grimani.
Die Kirche wurde zur Grablege einer Reihe bedeutender Persönlichkeiten, wie etwa 1523 des besagten Dogen Antonio Grimani, dessen Grabmal 1807 zerstört wurde, oder 1545 das des Dogen Pietro Lando, dann des Admirals Nicolò Cappello, aber auch des Diplomaten Pietro Pasqualigo oder des Capitano generale Vettor Pisani, dessen Grabmal gerettet wurde – im Gegensatz zu den meisten anderen. Es befindet sich heute in der Kirche San Zanipolo.
Neben den von Carpaccio gemalten Seitenkapellen der Cappello, Pasqualigo und Ottobon besaßen weitere Familien entsprechende Stätten, wie die Querini, die Lando, die Maddona. Dort befanden sich Werke von Marco Vecellio, Pietro Malombra oder Pietro Mera.
Der Niedergang der Kirche setzte im 17. Jahrhundert ein, nachdem viele Kunstwerke, vor allem aber die Bibliothek einem Feuer zum Opfer gefallen waren. Am 7. September 1768 wurden die Regularkanoniker von San Salvador aufgehoben, das nunmehr leere Kloster geschlossen; danach amtierte nur noch ein Kaplan bis 1806 in der Kirche. Das Klostergebäude wurde 1781 als Hospital umgenutzt.
Kirche und Kloster S. Antonio wurden unter Napoleon 1807 abgerissen, um einer ausgedehnten Gartenanlage Platz zu machen. Auch der Campanile wurde abgebrochen.[3] Der Abriss wurde vom Vizekönig Eugène de Beauharnais verfügt, die Arbeiten führte der Architekt Gian Antonio Selva aus. Die Familie Correr setzte sich für das Lando-Grabmal ein, verkaufte ihre Rechte schließlich im Februar 1809 für 3.950 Lire unter der Bedingung, dass die Statue aus der Kapelle zwar entfernt, jedoch im Garten unter einem dorischen Bogen aus istrischem Stein aufgestellt wurde, der bis heute im Park zu sehen ist.
Literatur
- Erin Cusac, Katharine Heg, Valencia Whitehurst, Alberto Rios de la Rosa: Sant'Antonio di Castello. Art and Architecture of Early Modern Venice: Research and Reconstruction 2, 2010. (online, PDF)
- Andrea Moschetti: Il parziale ricupero di un capolavoro di Guido Mazzoni, in: L’Arte X (1907) 1–12.
- Emmanuele Antonio Cicogna: Delle Inscrizioni Veneziane, Bd. 1, Giuseppe Orlandelli editore, Venedig 1824, S. 155–194 (45 Inschriften). (digitalisiert beim Münchener Digitalisierungszentrum)
- Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 67–70. (Digitalisat, S. 67.)
Weblinks
Anmerkungen
- ↑ Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 67 f.
- ↑ Andrea Moschetti: Il parziale ricupero di un capolavoro di Guido Mazzoni, in: L’Arte X (1907) 1–12.
- ↑ Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, S. 18.
Koordinaten: 45° 25′ 43,7″ N, 12° 21′ 26,4″ O