Sankt-Olav-Kirche (Nowgorod)

Die Sankt-Olav-Kirche (lateinisch ecclesia Sancti Olavi, russisch Церковь святого Олафа) war eine Kirche skandinavischer Kaufleute in Nowgorod vom 11. bis 14. Jahrhundert. Sie war dem heiligen Olav von Norwegen geweiht.

Geschichte

Im Jahr 1027 floh König Olav II. von Norwegen nach Nowgorod zu Ingegerd von Schweden und Jaroslaw dem Weisen. Drei Jahre darauf, 1030, kehrte er nach Norwegen zurück und wurde dort ermordet. Bald nach seinem Tod setzte seine Heiligenverehrung ein.

In Nowgorod existierte der Gotische Hof, eine Handelsniederlassung skandinavischer Kaufleute. Bereits vor 1090 wurde dort eine Kirche aus Holz errichtet. Es ist nicht sicher, ob sie von Anfang an Olavkirche hieß.

Um 1100 wurde sie erstmals auf einem Runenstein in Sjusta in Schweden erwähnt. Er war einem Mann gewidmet, der in ihr gestorben (?) war.[1][2]

Für den Zeitraum von 1150 bis 1175 erwähnte Erzbischof Eysteinn von Trondheim in den Acta Sancti Olavi regis et martyri einen Priester Stefan an der Sankt-Olav-Kirche in „Holmegarder“.[3] Der Erzbischof berichtete auch von einem Wunder Olavs in Nowgorod.

Im Jahr 1230 wurde in einem Vertrag zwischen deutschen Kaufleuten und Nowgorod der „gotische Hof mit der Kirche und dem Friedhof des Heiligen Olav“ („curia gotensium cum ecclesia et cimiterium Sancti Olavi“) erwähnt.[4] Im 13. Jahrhundert erwähnte die Erste Nowgoroder Chronik die „warägische Kirche im Händlerviertel“[5] und berichtete über deren Zerstörung durch Brände in den Jahren 1152, 1187, 1217 und 1311.[6]

Weitere Erwähnungen sind nicht überliefert.

Im Herbst 2007 wurde über ein Stück mit dem Abbild Olavs des Heiligen aus dem 15. Jahrhundert bei archäologischen Untersuchungen in der Nikolaikathedrale in Nowgorod als archäologischer Fund berichtet.[7]

Eine Olavkirche gab es auch in Ladoga.[8]

Literatur

  • Omeljan Pritsak: The origin of Rus. Cambridge, Mass., Distributed by Harvard University Press for the Harvard Ukrainian Research Institute, 1981, ISBN 0-674-64465-4, S. 370ff.
  • Мельникова Е. А.: Культ святого Олафа в Новгороде и Константинополе (Kult des heiligen Olaf in Nowgorod und Konstantinopel). In: Византийский временник, Moskau 1996.
  • Рыбина Н. А.: Готский раскоп (Ausgrabungen im Gotischen Hof). In: Археол. изучение Новгорода, Moskau 1978, S. 79–85.

Anmerkungen

  1. Sven B. Jansson: Runstenar, Stockholm 1980, ISBN 91-7156-015-7, S. 23.
  2. Omeljan Pritsak: The origin of Rus. Cambridge, Mass., Distributed by Harvard University Press for the Harvard Ukrainian Research Institute, 1981, ISBN 0-674-64465-4, S. 370ff, hier S. 370.
  3. Omeljan Pritsak: The origin of Rus. Cambridge, Mass., Distributed by Harvard University Press for the Harvard Ukrainian Research Institute, 1981, ISBN 0-674-64465-4, S. 370ff, hier S. 370–371.
  4. Omeljan Pritsak: The origin of Rus. Cambridge, Mass., Distributed by Harvard University Press for the Harvard Ukrainian Research Institute, 1981, ISBN 0-674-64465-4, S. 370ff, hier S. 371.
  5. ("варяжская [церковь] на Търговищи")
  6. Omeljan Pritsak: The origin of Rus. Cambridge, Mass., Distributed by Harvard University Press for the Harvard Ukrainian Research Institute, 1981, ISBN 0-674-64465-4, S. 370ff, hier S. 371; für 1217 wurde sie als „warägische Betstätte“ ("варяжская божница") bezeichnet.
  7. "В Новгороде нашли пломбу XV века с изображением святого Олафа", in: "Вокруг Света" 26. September 2007.
  8. Задворный В., Юдин А.: История Католической Церкви в России (Geschichte der katholischen Kirche in Russland), Moskau 1995, S. 73.

Koordinaten: 58° 31′ 0″ N, 31° 17′ 0″ O