Sankt-Gangolph-Kirche (Ostingersleben)

Die Sankt-Gangolph-Kirche ist die evangelische Kirche des zur Gemeinde Ingersleben gehörenden Dorfes Ostingersleben in Sachsen-Anhalt.

Architektur

Die aus Bruchstein errichtete Kirche entstand im Jahr 1790, wobei Reste eines romanischen Vorgängerbaus einbezogen wurden. Der rechteckige Kirchensaal verfügt über hohe Segmentbogenfenster. Westlich des Kirchenschiffs befindet sich ein quer zum Schiff stehender Kirchturm auf rechteckigem Grundriss aus der Zeit der Gotik. An der Ostseite des Kirchenschiffs wurde 1894 eine halbrunde Apsis angebaut. Instandsetzungen erfolgten 1957 und 1988.

Innengestaltung

Das Kircheninnere wird von einer auf einer Voute ruhenden flachen Decke überspannt. Der Bogen zur Apsis ist im Stil des Neuklassizismus gestaltet. Im Westteil des Schiffs befindet sich eine kurze Hufeisenempore. Die Kanzel stammt aus dem Barock. In der Kirche befindet sich ein auf das Jahr 1865 datierter achteckiger Taufstein. Der in Form eines Kelches gestaltete Stein ist im Stil der Neogotik gearbeitet. Bemerkenswert sind zwei farbige Glasfenster, die die Taufe und Verklärung Christi darstellen. Die um 1893/94 von Heinrich Oidtmann aus Linnich geschaffenen Fenster zeigen als Stifterwappen das Wappen des Albrecht von Alvensleben und Martha geborene von Schönborn. Auch die Ausmalung der Kirche entstand 1893/94. Ältestes Ausstattungsstück dürfte ein reich verzierter Kelch sein, der aus der Zeit um 1500 stammt. Eine Glocke stammt aus dem Jahr 1513. Die zweite Glocke, datiert 1925, hing einst in der Sankt-Johannis-Kirche in Bad Salzelmen.

Die Ausstattung des 19. Jahrhunderts wurde bei der Renovierung des Jahres 1957 deutlich reduziert.

Die Kirche ist von einer niedrigen Bruchsteinmauer umgeben. Südwestlich davon befindet sich ein monumentales Kriegerdenkmal.

Orgel

Die Orgel wurde 1848 von der Firma August Troch in Neuhaldensleben als einmanualiges Instrument mit mechanischer Traktur erbaut und zählt zu den frühen Werken des Orgelbauers. Für ihren Einbau wurde in der Kirchendecke eigens eine Tonne geschaffen.

Das ursprüngliche Prospekt ist nicht erhalten. Vermutlich wurde es während des Ersten Weltkriegs zusammen mit weiteren Metallregistern für Rüstungszwecke ausgebaut. Die Orgel verfügt derzeit über sieben Register – fünf im Manual, zwei im Pedal – sowie eine Pedalkoppel. Im Zuge eines späteren Umbaus wurde die Mixtur in eine Quinte 1 1/3' und einen Nassat 2 2/3' aufgeteilt.

Zu den ursprünglich vorhandenen Registern gehörten wahrscheinlich ein Prinzipal 8' (Prospekt), Bordun 16', Gambe 8', Posaune 16' und Trompete 8'. Das originale Prospekt verfügte über fünf Rundbogenöffnungen zwischen Pilastern sowie über ein gerades Abschlussgesims mit Zungenblattfries.

In der Orgel befindet sich eine handschriftliche Inschrift.

»Opfer der Liebe und Gottesfurcht

Von der Gemeine Ostingersleben, selbst von den Ärmsten; erbaut für den billigen Preis von 600 (Reichstaler) Preuß(ischer) Cour(ant) vom Orgelbauer Herrn Troch zu Neuhaldensleben in dem unruhigen Jahre 1848; bewirkt durch das besondere Verdienst des damaligen Schulzen H. Homann und des zeitigen Cantors K. Müller, und bewerkt kurz vor des Letzteren Abzug nach Uhrsleben vor Neujahr 1852.«

Disposition
Manual Pedal Andere
Gedackt 8' Subbaß 16' Pedalkoppel
Prinzipal 4' Oktavbass 8'
Prinzipal 2'
Nassat 223'
Quinte 113'

Literatur

  • Folkhard Cremer, Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen-Anhalt I, Regierungsbezirk Magdeburg, Deutscher Kunstverlag München Berlin 2002, ISBN 3-422-03069-7, Seite 691
  • Mathias Köhler, Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt, Band 10.1, Ohrekreis (I), Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Michael Imhof Verlag Petersberg 2005, ISBN 3-86568-011-9, Seite 187 f.
  • Marie-Luise Harkens, Die Kunstdenkmäler des Kreises Haldensleben, VEB E.A. Seemann Verlag Leipzig 1961, Seite 497.
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Koordinaten: 52° 12′ 34,9″ N, 11° 10′ 19,2″ O