Sanglier
Sanglier ist ein aussterbender, eng mit der Käserei verbundener Holzbearbeitungsberuf in Frankreich.
Der Sanglier stellt aus Holz „Riemen“ (französisch „sangles“) her, mit denen bestimmte Käsesorten, insbesondere in der Region Franche-Comté der „Mont d’Or“ oder der „Édel von Cléron“, sowie in der Schweiz der „Vacherin Mont-d’Or“, schon zur Ausreifung umgeben werden, damit der Käse einen gewissen Holzgeschmack annimmt.[1]
Mit Hilfe eines besonders geformten Löffels, des Schälers, löst der Sanglier von frisch gefällten Fichten die dünnen Riemen ab. Dabei handelt es sich um den Bast, eine Art zweiter Haut zwischen der Rinde und dem Holz. Eine Fichte von ca. 40 Metern Höhe liefert etwa 500 Meter Riemen. Die Riemenbreite wird vom Sanglier bereits an Ort und Stelle bestimmt.
Die Riemen werden in Fässern transportiert, zunächst gerollt und 20 Tage im Sommer sowie drei Monate im Winter getrocknet. Dann werden sie auf die erforderliche Länge zugeschnitten und um die zumeist runde Unterseite der Käseschachteln gerollt und befestigt. Die kunstvollsten Exemplare dieser Schachteln sind im Musée de la Boissellerie von Bois d’Amont zu besichtigen.
Der Beruf des Sangliers ist in Frankreich nahezu ausgestorben. Die Riemen werden mehr und mehr aus anderen Ländern, z. B. Polen, bezogen.[2]
Literatur
- Denis Sommer (Redaktionsleitung): Wildschweine, die unter die Rinde kriechen. In: Franche-Comté, die Zeitschrift des regionalen Fremdenverkehrsamts, Besançon 2006, S. 57–59.
Trivia
Sanglier ist auch das französische Wort für Wildschwein.
Weblinks
- Webseite mit Video (fr)
- Webseite des Interessenverbandes (fr)
- Webseite des Musée de la Boissellerie (fr)
Einzelnachweise
- ↑ Jean-Louis Clade: Jura sans frontières. Éditions Mondo, Vevey 2008, ISBN 978-2-8320-0547-7, S. 54.
- ↑ Margaux Tertre: Artisan sanglier, un rude métier. France Info, 10. September 2018, abgerufen am 12. März 2022 (französisch).