Sandra Trehub

Sandra Trehub (Hebräisch שיינה איטה בת נח תקאב ושושנ, Shayna Ita Bat Noach Tacaav Ve Shoshana; * 21. Mai 1938 in Montreal; † 20. Januar 2023 in Toronto) war eine kanadische Psychologin und emeritierte Professorin der University of Toronto in Mississauga.[1][2]

Leben

Sie wurde als mittleres Kind von Norman Jack Trehub und Rose Horowitz geboren. Sie wuchs in Outremont auf und besuchte die Guy Drummond Elementary School und die Strathcona Academy High School. Sie schloss die High School als Jahrgangsbeste der Provinz Quebec ab und wurde mit der Goldmedaille des Vizegouverneurs ausgezeichnet. Anschließend begann sie mit 19 Jahren das Studium an der McGill University und schloss dieses mit einem Bachelor in Wirtschaftswissenschaften ab. Nach Verheiratung und einer Babypause kehrte sie an die McGill University zurück, um einen Master in Psychologie zu erwerben und 1973 zu promovieren (Ph.D.). Danach folgte eine lange Karriere als Professorin für experimentelle Psychologie an der University of Toronto. 2003 musste sie in dem letzten Jahr, in dem in Ontario eine obligatorische Pensionierung gesetzlich verankert war, in den Ruhestand gehen. Sie blieb als Emerita aber weiterhin produktiv, publizierte und nahm an Konferenzen teil. Sie engagierte sich in ihren späteren Jahren stark für die musikalische Früherziehung von Kindern, insbesondere bei St. James Town Community Arts in Toronto. Seit 2008 war sie „Invited Professor“ des International Laboratory for Brain, Music and Sound Research (BRAMS), einem kanadischen Forschungszentrum in Montreal, das Forschung im Bereich der Musikkognition mit neurowissenschaftlichen Schwerpunkt betreibt.

Werk

Ihre Forschungsschwerpunkte betrafen das Hörvermögen von Säuglingen und Kleinkindern, die auditive Wahrnehmung und Mustererkennung im Säuglings- und Kleinkindalter, insbesondere das Unterscheiden und Erinnern von Klangmustern, Melodien und Wiegenliedern, die Musikwahrnehmung (Melodik, Metrik, Rhythmik) und auch die Sprachwahrnehmung. Ihre experimentellen Studien belegten, dass Säuglinge über grundlegende Fähigkeiten verfügen, die die Basis für das Erinnern und emotionale Reagieren auf Musik bilden. Dazu gehört die Fähigkeit, auditive Sequenzen anhand von Tonhöhe, Tonhöhenänderungen und Rhythmus wahrzunehmen und zu kategorisieren. Ihre Forschung zeigte auch, dass das Vorsingen gegenüber Säuglingen ein universelles Verhalten ist, das den Spracherwerb und die Bindung zu den Bezugspersonen fördert. Ihr Interesse an verschiedenen menschlichen Musikkulturen führte sie auch zur Beobachtung interkultureller Unterschiede in der Kindererziehung und im musikalischen Verhalten.

Ehrungen/Positionen

Privates

In frühen Jahren heiratete sie Norman Cohen, ihren ersten Gatten. Mit diesem bekam sie drei Kinder (zwei Töchter, ein Sohn). Mit den drei kleinen Kindern zu Hause kehrte sie an die McGill University zurück, um einen Master in Psychologie und schließlich einen Doktortitel zu erwerben. Später lernte sie Ron Matthews kennen (gestorben 2007), der die große Liebe ihres Lebens war und der mit seinen drei Kindern in ihr Leben trat. Sie unterstütze ihn beim Aufbau seines Architekturbüros. Sie war sehr abenteuerlustig und sie bereiste mit ihrem Ehemann viele entlegene Gebiete der Welt. Sie nutzte ihre privilegierte Stellung, um so vielen Menschen wie möglich zu helfen: Ende der 1970er-Jahre übernahm sie und ihr Gatte die Patenschaft für eine vietnamesische Flüchtlingsfamilie, später unterstützte sie allein eine jesidische Flüchtlingsfamilie. 2018 trat sie dem Vorstand von St. Jamestown Community Arts bei, einer Organisation, die Kindern aus sozial benachteiligten Stadtteilen Torontos kostenlosen Musikunterricht und ein Sommerkunstcamp anbietet.

Publikationen (Auswahl)

Monografien
  • Mit Bruce A. Schneider: Auditory Development in Infancy. Springer, New York 1985, ISBN 978-1-4757-9342-0.
  • Mit Fergus I. M. Craik: Aging and Cognitive Processes. Springer, New York 1982, ISBN 978-1-4684-4180-2.
  • Music and Infants. Psychology Press, New York 2017, ISBN 978-1-8416-9005-6.
Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge
  • Mit Michael W. Weiss: Detection of pitch errors in well-known songs. In: Psychology of Music, 2022. 51 (1).
  • Challenging infant-directed singing as a credible signal of maternal attention. In: Behavioral and Brain Sciences, 2021, 44.
  • Mit Michael W. Weiss; Megha Sharda; Miriam Lense; Krista L. Hyde: Enhanced Memory for Vocal Melodies in Autism Spectrum Disorder and Williams Syndrome. In: Autism Research, 2021, 14 (6), S. 1127–1133.
  • Mit Laura K. Cirelli; Zuzanna Jurewicz: Effects of Maternal Singing Style on Mother–Infant Arousal and Behavior. In: Journal of Cognitive Neuroscience, 2020, 32 (7), S. 1213–1220.
  • Divergent Perspectives on Musical Knowledge, Expertise, and Science. In: Evolutionary Studies in Imaginative Culture, 2020, 4 (2), S. 121–134.
  • Mit Laura K. Cirelli: Infants’ Perception of Auditory Patterns. In: Jeffrey J. Lockman; Catherine S. Tamis-LeMonda (Hrsg.): The Cambridge Handbook of Infant Development. Cambridge University Press, Cambridge 2020, ISBN 978-1108351959.
  • Mit Judith Becker; Iain Morley: Cross-cultural perspectives on music and musicality. In: Philosophical Transactions, 2015, B 370 (1664).
  • Revisiting the innate preference for consonance. In: Journal of Experimental Psychology: Human Perception and Performance, 2014, 40 (1), S. 40–49.
  • Mit Judy Plantinga; Jelena Brcic; Magda Nowicki: Cross-modal signatures in maternal speech and singing. In: Frontiers in Psychology, 2013, 4, S. 811ff.
  • Mit Michael W. Weiss; E. Glenn Schellenberg: Something in the Way She Sings: Enhanced Memory for Vocal Melodies. In: Psychological Science, 2012, 23 (10), S. 1074–1078.
  • Mit Erin Hannon: Metrical Categories in Infancy and Adulthood. In: Psychological Science, 2005, 16 (1), S. 48–55.

Einzelnachweise

  1. In Memoriam: Sandra Trehub, abgerufen am 15. November 2025.
  2. Sandra Trehub Matthews, abgerufen am 16. November 2025.
  3. Preisverleihung 2012 - Sandra E. Trehub auf Universität Giessen, abgerufen am 16. November 2025.