Sandra Borch
Sandra Konstance Nygård Borch (* 23. April 1988 in Lavangen) ist eine norwegische Politikerin der Senterpartiet (Sp). Sie fungierte von Oktober 2021 bis August 2023 als Landwirtschafts- und Ernährungsministerin und anschließend bis Januar 2024 als Ministerin für Forschung und Hochschulbildung. Von 2017 bis 2025 war sie Abgeordnete im Storting.
Leben
Borch stammt aus der Kommune Lavangen und hat samische Vorfahren.[1] Sie hat Achondroplasie, eine Form des genetisch bedingten Kleinwuches.[2]
Von 2004 bis 2007 besuchte sie die weiterführende Schule in Sjøvegan. Nach ihrer Schulzeit studierte sie Rechtswissenschaften an der Universität Tromsø. Das Studium schloss sie im 2014 mit einem Masterabschluss ab.[3] Der Abschluss wurde ihr im Jahr 2024 von der Universität aberkannt, nachdem ein Plagiat festgestellt worden war.[4] Von 2015 bis 2017 arbeitete sie bei der Arbeitsnehmerorganisation Parat.[3] Im Jahr 2019 nahm sie an der bei TV 2 ausgestrahlten Tanzshow Skal vi danse teil.[5]
Im Januar 2026 wurde öffentlich, dass sie im Herbst 2025 bei zwei Polizeikontrollen wegen Fahrens mit 0,64 und 1,56 Promille Alkohol im Blut aufgefallen sei. Kurz zuvor hatte sie ein Alkoholproblem eingeräumt.[6]
Parteikarriere
Borch begann sich in ihrer Jugend in der Parteijugend der Senterpartiet, der Senterungdommen, zu engagieren. Von 2007 bis 2009 stand sie der Parteijugend im Fylke Troms vor. Ab 2009 war sie Mitglied im landesweiten Vorstand der Organisation und von 2010 bis 2011 fungierte sie als deren stellvertretende Vorsitzende. Im Jahr 2011 wurde Borch zur Vorsitzenden der Parteijugend gewählt. Sie stand der Senterungdommen bis 2013 vor.[3]
Während ihrer Amtszeit kam es im Jahr 2012 zu einer öffentlichen Auseinandersetzung mit der damaligen Senterpartiet-Vorsitzenden Liv Signe Navarsete. Borch hatte zuvor erklärt, dass Ola Borten Moe ein geeigneter Nachfolger für Narvarsete sei. Navarsete äußerte sich daraufhin öffentlich wütend über Borch.[7] Später bat Navarsete für ihr Vorgehen und ihre Äußerungen um Entschuldigung.[8]
Borch galt mehrfach als mögliche Kandidatin für den stellvertretenden Parteivorsitz der Senterpartiet.[9][10]
Öffentliche Ämter
Lokalpolitik
In den Jahren 2007 bis 2011 saß Borch im Kommunalparlament ihrer Heimatkommune Lavangen. Bei der Fylkestingswahl 2011 zog Borch ins Fylkesting von Troms ein. Sie gehörte dem Fylkesting bis 2019 an.[3] Bei der Sametingswahl 2013 trat sie für ihre Partei im samischen Wahlkreis Gáisi an.[1] Im Jahr 2015 wurde sie bei den Kommunalwahlen in das Kommunalparlament von Tromsø gewählt.[3]
Stortingsabgeordnete
Borch zog bei der Parlamentswahl 2017 erstmals in das norwegische Nationalparlament Storting ein. Sie vertrat dort den Wahlkreis Troms und wurde Mitglied im Energie- und Umweltausschuss.[11]
Bei der Wahl 2021 gelang ihr der erneute Einzug. Aufgrund ihrer Regierungsmitgliedschaft musste sie jedoch ihr Mandat von Oktober 2021 bis Januar 2024 ruhen lassen. Nach ihrer Rückkehr in das Storting wurde sie Mitglied im Justizausschuss.[11] Bei der Stortingswahl 2025 verpasste Borch den Wiedereinzug. Entsprechend schied sie im Herbst 2025 aus dem Storting aus.[12]
Ministerin
Am 14. Oktober 2021 wurde sie zur Landwirtschafts- und Ernährungsministerin in der neu gebildeten Regierung Støre ernannt.[13] Nachdem ihr Parteikollege Ola Borten Moe im Juli 2023 seinen Rücktritt erklärt hatte, übernahm Borch am 4. August 2023 das Amt der Forschungs- und Hochschulbildungsministerin. Ihr Nachfolger im Landwirtschafts- und Ernährungsministerium wurde Geir Pollestad.[14]
Am 19. Januar 2024 wurde bekannt, dass ihre Masterarbeit aus dem Jahr 2014 Textpassagen aus anderen Arbeiten enthielt, ohne dass die Quellen entsprechend genannt worden waren. Sie erklärte daraufhin am selben Tag ihren Rücktritt als Ministerin für Forschung und Hochschulbildung.[15] Am 23. Januar 2024 wurde mit Oddmund Løkensgard Hoel ihr Nachfolger ernannt.[16]
Weblinks
- Sandra Borch beim Storting (norwegisch, englisch)
- Sandra Borch auf der Website der Regierung (norwegisch, englisch)
- Sandra Borch im Store norske leksikon (norwegisch)
- Sandra Borch bei IMDb
Einzelnachweise
- ↑ a b Katarina Goldfain Johnsen: Sp-Sandra har meldt seg inn i samemantallet. In: Nordlys. 20. April 2013, abgerufen am 17. August 2020 (norwegisch).
- ↑ Angelica Martinsen: - Ofte var det så vanskelig at jeg bare ville dø. In: Se og Hør. 6. Februar 2016, abgerufen am 17. Januar 2026 (norwegisch).
- ↑ a b c d e Vibeke Lauritsen, Knut Are Tvedt: Sandra Borch. In: Store norske leksikon. Abgerufen am 17. Januar 2025 (norwegisch).
- ↑ Eskild Johansen: Universitetet i Tromsø annullerer Sandra Borch sin masteroppgave. In: NRK. 14. März 2024, abgerufen am 14. März 2024 (norwegisch).
- ↑ Heidi Schei Lilleås, Jørgen Berge: Sandras ekstremdag: - Jeg står opp klokken 06 for å danse hver dag. In: Nettavisen. 4. Oktober 2019, abgerufen am 17. August 2020 (norwegisch).
- ↑ Oda Andrea Opheimsbakken: Nordlys: Sandra Borch tatt for promillekjøring. In: NRK. 16. Januar 2026, abgerufen am 17. Januar 2026 (norwegisch).
- ↑ Tim Peters, Alf Bjarne Johnsen, Gunn Kari Hegvik, Lars M. Glomnes: Illsint Navarsete skjelte ut egen ungdomsleder. In: Verdens Gang. 12. Oktober 2012, abgerufen am 17. August 2020 (norwegisch).
- ↑ Geir Bjarte Hjetland, Ann Kristin Liestøl, Amund Aune Nilsen: Navarsete med uforbeholden unnskyldning til Borch. In: NRK. 14. Oktober 2012, abgerufen am 17. August 2020 (norwegisch).
- ↑ Eskild Johansen: Flere fylkeslag stiller seg bak Borch som ny nestleder i Sp. In: NRK. 22. Juli 2023, abgerufen am 17. Januar 2026 (norwegisch).
- ↑ Lars Joakim Skarvøy, Ingvild Jensen: Kilder til TV 2: Sandra Borch trakk seg fra å bli nestleder. In: TV 2. 5. März 2025, abgerufen am 17. Januar 2026 (norwegisch).
- ↑ a b Biografi: Borch, Sandra. In: Stortinget. Abgerufen am 16. September 2021 (norwegisch).
- ↑ Malin Straumsnes: Sandra Borch (Sp) mister plassen på Stortinget. In: NRK. 8. September 2025, abgerufen am 28. September 2025 (norwegisch).
- ↑ Landbruks- og matminister Sandra Borch. In: regjeringen.no. 14. Oktober 2021, abgerufen am 14. Oktober 2021 (norwegisch).
- ↑ Ida Kristin Rønning: Borch blir ny forsknings- og høyere utdanningsminister – Pollestad blir landbruksminister. In: NRK. 4. August 2023, abgerufen am 4. August 2023 (norwegisch (Bokmål)).
- ↑ Trygve Grønning: Deler av Borchs masteroppgave identisk med tidligere studenters tekster. In: NRK. 19. Januar 2024, abgerufen am 19. Januar 2024 (norwegisch).
- ↑ Sandra Borch. In: regjeringen.no. Abgerufen am 17. Januar 2026 (norwegisch).