San Maurizio (Venedig)
San Maurizio ist eine profanierte, nach legendenhafter Überlieferung aus dem 7. Jahrhundert stammende Kirche im Sestiere San Marco am gleichnamigen Campo in Venedig. Das heutige Gebäude stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert. Im Gebäude befindet sich das Museo della Musica. San Maurizio gilt als „das bedeutendste Beispiel eines von französischer sog. ‚Revolutionsarchitektur‘ beeinflußten Klassizismus in Venedig“ (Jan-Christoph Rößler).
Geschichte
Die Kirche soll im Jahr 699[1] unter dem Namen San Lazzaro entstanden sein. Sie wurde unter einem neuen Namen und bereits als Pfarrkirche wieder aufgebaut, nachdem sie 1105 durch einen Brand vollständig zerstört worden war. Völlig umgebaut wurde das neue Gebäude von 1495 abermals[2] und 1590 geweiht. Bei diesem Neubau wurde das Gebäude so gedreht, dass die Apsis nunmehr nach Osten wies und die Fassade auf den Campo. Unter den zahlreichen Scuole, die zur Pfarrei gehörten, ist die Scuola degli Albanesi hervorzuheben, deren Gebäude 1489 fertiggestellt wurde und das neben der Kirche steht.
Auf Befehl Napoleons wurde San Maurizio 1806 abgerissen und unmittelbar danach, nämlich ab 1807, nach dem Vorbild der Kirche San Geminiano wieder aufgebaut. Letztere, unmittelbar am Markusplatz gelegen, wurde gleichfalls abgerissen. Die genaue Zuordnung des ursprünglichen Entwurfs für den Neubau ist umstritten. Einen Anteil hatte jedenfalls der Amateurarchitekt Pietro Antonio Zaguri, der aber bald durch Giannantonio Selva in Zusammenarbeit mit Antonio Diedo ersetzt wurde. Diedo war für die nach Selvas Tod fertiggestellte Fassade verantwortlich. Die Kirche wurde 1817 als Filialkirche der Pfarrei Santo Stefano wiedereröffnet und 1818 erneut geweiht. Heute birgt sie ein Museum für barocke Musik.
Literatur
- Alvise Zorzi: Venezia scomparsa, Electa, 1972, S. 334.
- Maria Francesca Tiepolo (Hrsg.): Domenico prete di San Maurizio, notaio in Venezia (1309–1316), Venedig 1970.
- Giandomenico Romanelli: Venezia Ottocento, Venedig 1977, S. 67.
- Jan-Christoph Rößler: San Maurizio, Kirchen in Venedig
Weblinks
Anmerkungen
- ↑ So etwa Wilhelm Hausenstein: Das Werk des Vittore Carpaccio. Deutsche Verlags-Anstalt, Berlin/Leipzig 1925, S. 74.
- ↑ Jan-Christoph Rößler: San Maurizio. Kirchen in Venedig.
Koordinaten: 45° 25′ 59″ N, 12° 19′ 54″ O