San Giuliano (Isola Polvese)

Die kleine Kirche San Giuliano steht auf der Isola Polvese im Trasimenischen See in Umbrien in Italien. Sie stammt aus dem 11. Jahrhundert und steht an der Westseite des Castello di Polvese unmittelbar hinter dem Bergfried. Geweiht ist sie zu Ehren Julianus Hospitators, des Schutzheiligen der Reisenden und Bootsleute.[1]

Geschichte

San Giuliano ist die einzige Kirche der Insel, die noch erhalten ist. Verschwunden sind die Kirchen aus dem 12. Jahrhundert Santo Stefano, San Pietro, Sant'Angelo, San Leonardo und Santa Maria della Cerqua aus dem 15. Jahrhundert. Von der Kirche des Klosters San Secondo sind noch Mauerreste erhalten. Die große Anzahl an Kirchen auf einer kleinen Insel zeigt deren damalige Bedeutung für Wirtschaft und Bevölkerung.

Dass die Insel bereits in etruskischer und römischer Zeit bewohnt war, wird durch die Entdeckung archäologischer Überreste bestätigt, darunter ein Abschnitt eines römischen Opus reticulatum in der Stützmauer des Platzes vor der Kirche San Giuliano. Schriftlich belegt ist die Kirche San Giuliano in den Annales Camaldulensis aus den Jahren 1007 bis 1011; sie unterstand damals dem Kloster Montecorona. Dies wurde durch ein Privileg von Papst Johannes XIX. an Abt Gerando im Jahr 1028 sowie spätere Dokumente bestätigt.[2] Die Kirche San Giuliano wurde als Pieve erwähnt. Der Begriff „Pieve“ bezeichnete eine Kirche mit besonderen Rechten, beispielsweise dem Recht zur Taufe und Bestattung. Nur eine Pieve besaß ein Taufbecken und einen Friedhof.

Der Bau

Die Kirche San Giuliano ist ein einschiffiges Gebäude mit einem rechteckigen Grundriss von etwa 10 auf 8 Meter und einem Glockengiebel. Das heutige Aussehen der Kirche ist das Ergebnis einer Restaurierung unbekannten Datums, möglicherweise aus dem letzten Jahrhundert oder zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Fresken der umbrischen Schule aus dem 15. Jahrhundert zeigen an den Wänden der Apsis Bilder von Heiligen wie Julianus, Blasius von Sebaste, Bernhardin von Siena und Sebastian sowie anderen nicht näher identifizierten Heiligen.[3]

Jüngste archäologische Ausgrabungen entlang der Außenmauer legten ein Grundmauerwerk aus einer viel früheren Zeit als der Oberbau frei, das möglicherweise auf das 11. Jahrhundert zurückgeht. Das Opus reticulatum an der Stützmauer gehörte möglicherweise zu einer römischen Villa.[4]

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Einzelnachweise

  1. La città del Trasimeno
  2. polvese.it
  3. iluoghidelsilenzio.it
  4. Infotafel vor Ort

Koordinaten: 43° 6′ 51,9″ N, 12° 8′ 18,5″ O