San Gallo (Venedig)
San Gallo ist ein als Kirche bezeichnetes Bauwerk im venezianischen Sestiere San Marco, obwohl es sich um ein Oratorium oder um eine Kapelle handelt. Sie gehört zum Gebiet der Gemeinde San Moisè und befindet sich auf einer Insel namens Isola San Gallo, die bis heute rundum von Kanälen umgeben ist, wie etwa dem Rio di Ferati oder dem Rio di Orseolo. Diese Insel befindet sich nördlich des Nordwestendes des Markusplatzes, hinter dem Bacino Orseolo. Namensgeber des Bauwerks ist der hl. Gallus, der Gründer des Klosters St. Gallen. Das vom Markusplatz dorthin verlagerte Gebäude musste im 16. Jahrhundert dem Bau der Procuratie Nuove weichen. Heute wird das Oratorium häufig für Ausstellungszwecke genutzt, die Reliquien der drei Altäre wurden in die Reliquiensammlung des Patriarchats von Venedig überführt, die Gemälde ins Museum.
Geschichte
Das Gebäude entstand um 1581 als Oratorium des renovierten Orseolo-Hospizes, das von seinem vorhergehenden Standort, dem Markusplatz, hierher verlegt worden war, denn dort sollte Platz für die Procuratie Nuove geschaffen werden, deren Bau 1640 vorläufig abgeschlossen wurde. Das Oratorium wurde 1703 von den Brüdern des Hospizes vergrößert, nachdem die Prokuratoren von San Marco die entsprechende Genehmigung erteilt hatten, das Gebäude auf ein Grundstück im Besitz der Markuskirche auszudehnen. Allerdings durfte das Bauwerk nicht breiter als neun Schritte und nicht länger als zwanzig Schritte sein. Außerdem durfte die Funktion des Brunnens auf dem Campo nicht beeinträchtigt werden.
San Gallo befindet sich in einem Gebiet der Stadt, das um 1900 von einer Reihe massiver städtebaulicher Eingriffe betroffen war. Daher stand die kleine Kirche bald zwischen der Banca Nazionale del Lavoro und der Banco di Napoli (1914).
Beschreibung
Die Fassade wird fast vollständig vom Portal und den beiden Seitenfenstern eingenommen. Sie ist von einem dreieckigen Giebel bekrönt, der mit zwei Sockeln verbunden ist. Diese waren für Statuen vorgesehen, doch wurden nie welche aufgestellt. Unter dem Dreiecksgiebel befindet sich die Inschrift „Ad Maiorem / Dei Et Mariæ Angelorum / Gloriam / Anno Domini M.DCCIII“.
Im Innenraum befinden sich drei Altäre. Der Hauptaltar trägt das Gemälde Il Redentore fra san Gallo e san Marco, das Jacopo Tintoretto aber auch Bonifazio Veronese zugeschrieben wird. Der linke, jener der hl. Veneranda gewidmete Altar, trägt ein Elfenbeinkreuz des 18. Jahrhunderts sowie ein Gemälde der Namenspatronin. Der rechte Altar ist zu Ehren der Madonna del Buonconsiglio geweiht, ihn schmückt ein kleines Bild, das von einem reich verzierten Rahmen gehalten wird.[1]
Literatur
- Marcello Brusegan: Le chiese di Venezia, Newton Compton, Rom 2007, S. 179 f.
Weblinks
- Chiesa di San Gallo, Beni ecclesiastici in WEB
Anmerkungen
- ↑ Ronald Shaw-Kennedy: Venice Rediscovered, Associated University Presse, Philadelphia / New York / London 1978, S. 67.
Koordinaten: 45° 26′ 4,4″ N, 12° 20′ 12,7″ O