San Felice (Venedig)

San Felice, venezianisch San Felise, ist eine Pfarrkirche in der Altstadt von Venedig am gleichnamigen Campo im Sestiere Cannaregio. Der Zentralbau mit einer Zierkuppel über der Vierung liegt wenig nördlich des Canal Grande an der Strada Nova. Die Kirche in Form eines griechischen Kreuzes birgt die Reliquien des heiligen Felix von Nola.

Geschichte

Es heißt, die Kirche sei 960 von der Familie Gallina gegründet und dem Heiligen Felix von Nola geweiht worden. Der erste Quellenbeleg stammt jedoch erst aus dem Jahr 1133, dann wieder 1177. Nach der Restaurierung wurde San Felice in Gegenwart des Bischofs von Caorle Fra’ Martino, sowie des Bischofs von Jesolo, Leonardo, am 21. Juli 1267 erneut geweiht. Auf dem Plan Venedigs, den Jacopo de’ Barbari um 1500 anfertigte, blickt die Hauptfassade noch Richtung Südosten auf den Rio di San Felice.

Es bestand bereits Einsturzgefahr, als das Bauwerk 1531 mit zwei Fassaden abgerissen und neu gebaut wurde. Die materiellen Grundlagen stellte das Testament des Pfarrers Giovanni da Monte bereit. Die neue Gestaltung erinnert an Mauro Codussis San Giovanni Grisostomo, daher wird angenommen, der Entwurf stamme von einem seiner Schüler. Ein weiteres Testament, diesmal dasjenige des nobilomo Francesco Soranzo von 1552, gestattete den Fortgang der Arbeiten. Auch die Errichtung des 1156 fertiggestellten Altars der Schola del SS Sacramento wurde daraus finanziert. Die Kirche wurde am 4. Oktober 1624 in Gegenwart des Patriarchen von Venedig Giovanni Tiepolo zum dritten Mal geweiht.

Unter Napoleon zunächst geschlossen, wurde sie 1810 als Pfarrkirche wiedereröffnet. Die radikale Umgestaltung des Innenraums in diesem Jahr führte dazu, dass die Altäre aus dem 16. Jahrhundert ersetzt wurden. Der Platz vor der Kirche wurde durch die Einrichtung einer breiten Straße, der Strada Nova im Jahr 1836 bedeutend erweitert. Davor hatte diese Seite auf eine schmale Gasse geblickt.

Fassade

Den unteren Teil der Fassade gliedern Halbpfeiler und Pilaster mit schlichten Kapitellen, die einfache Voluten tragen. Der zum Kanal weisende Haupteingang wird hingegen von korinthischen Halbsäulen flankiert. Sie werden auf das Jahr 1535 datiert.

Ausstattung

Der Innenraum ist neoklassisch gestaltet, birgt jedoch eine Reihe älterer Kunstwerke. Die sieben Altäre sind in gleicher Weise gestaltet, vier von ihnen tragen Gemälde des 19. Jahrhunderts. In der Kapelle links vom Chor befinden sich die Gebeine des heiligen Tryphon. Er ist der Mitpatron der Scuola di San Giorgio degli Schiavoni und wird von der orthodoxen Kirche verehrt. Über der Sakristeitür befindet sich außerdem eine Gedenktafel für Papst Clemens XIII., der am 29. März 1693 auf den Namen Carlo Rezzonico getauft wurde. Der im 19. Jahrhundert ersetzte Hochaltar war von dem Dragoman Michele Membrè in Auftrag gegeben worden.

In der Eckkapelle rechts von der Apsis befindet sich ein frühes Werk von Tintoretto, San Demetrio und Zuan Pietro Chigi.[1] Unter den Gemälden aus dem frühen 19. Jahrhundert befindet sich ein Gemälde von Lattanzio Querena, das den Heiligen Josef mit dem Christuskind und Heiligen zeigt, dabei trägt hier Josef das Kind auf seinem Schoß. Die dargestellten Heiligen sind (von links) Antonius von Padua mit Lorenzo Giustiniani und Vinzenz Ferrer im Hintergrund. Die drei Heiligen im Vordergrund sind Petrus, Aloisius von Gonzaga und (wie die Beschriftung in der Kirche verrät) „Oswald“. Die örtliche Gemeinde hatte tatsächlich eine Bruderschaft des Heiligen Oswald des Bekenners, und obwohl es zwei englische Heilige dieses Namens gibt, war der eine Bischof und der andere König, der normalerweise mit einer Krone und nicht mit einer Rüstung dargestellt wird. Außerdem finden sich fünf Holzschnitzwerke, die Giulio del Moro im späten 16. Jahrhundert angefertigt hat.

Ein Altarbild von Giovanni Bellini, das von den Cinturari (der Gilde der Gürtelmacher) für diese Kirche in Auftrag gegeben wurde, ist verloren, ebenso wie ein Gemälde der Heiligen Paulus und Antonius Abbas von Gentile da Fabriano, das Carlo Ridolfi 1648 erwähnt.

Glockenturm

Der 22 m hohe Campanile ist noch immer mit Glocken ausgestattet, die per Hand geläutet werden. Um 1500 befand sich dort ein deutlich höherer, gleichfalls romanischer Turm, der fast unmittelbar am Rio di San Felice neben der Kirche stand. Der heutige Turm wurde an die Kirche angebaut und befindet sich auf der Ostseite im Apsisbereich. Er ist durch tiefe Lisenen gekennzeichnet, ein vorspringendes Gesims, auf dem sich die Glockenstube mit Doppelbogenfenstern (Biforen) und die vierflächige Haube erheben.

Literatur

  • Barbara Di Maio: La Chiesa di San Felice di Venezia. Una ricerca d‘archivio, tesi di laurea, Venedig 2021.
  • Ermolao Paoletti: Il fiore di Venezia ossia i quadri, i monumenti, le vedute ed i costumi veneziani, Bd. 3, Tommaso Fontana, Venedig 1840 S. 58 f.
Commons: San Felice – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. Website der Giorgio-Cini-Stiftung.

Koordinaten: 45° 26′ 30,4″ N, 12° 20′ 0,1″ O