San Domenico (Spoleto)

Die Kirche Santi Domenico e Francesco, auch San Domenico genannt, befindet sich in Spoleto auf dem gleichnamigen Platz in der Nähe des Palazzo Collicola. Sie war einst Teil der Vaita Salamonesca.

Geschichte

Kirche

Sie wurde Mitte des 13. Jahrhunderts im schlichten gotischen Stil anstelle einer bereits bestehenden Kapelle errichtet, die dem Erlöser geweiht war. Um diese Kapelle herum wurde das erste Dominikanerkloster gebaut.[1]

Im Jahr 1248 wurden die Kapelle und die angrenzenden Räumlichkeiten, die zuvor den Mönchen von San Pietro di Ferentillo gehört hatten, einer Gruppe von Dominikanermönchen überlassen. Diese hatten seit Langem darum gebeten, sich in Spoleto niederlassen zu dürfen. Ihre Ansiedlung wurde von Kardinal Raniero Capocci genehmigt, nachdem die Einwohner von Spoleto und berühmte Dominikaner wie der selige Giacomo Bianconi aus Bevagna und der Mönch Petrus von Verona darauf gedrängt hatten.[2]

Dank der Spenden der Bürger konnte 1248 mit dem Bau der neuen Kirche San Salvatore begonnen werden. Die Arbeiten dauerten bis 1259, dem Jahr, in dem Papst Alexander IV. anlässlich des Festes des Heiligen Dominikus, des Heiligen Petrus Martyr und der Weihe einige Ablässe gewährte. Zwischen 1285 und 1290 wurde die Diözese vom ersten dominikanischen Erzbischof Paperone de’ Paperoni geleitet.[3][4]

Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die Kirche im Stil des Barock umfassend umgebaut. Die Fresken wurden mit einem Putz überdeckt, der die von außen sichtbaren weißen und rosa Streifen wiederholte. Außerdem wurde eine reich verzierte Holzdecke angebracht und vier monumentale Stuckaltäre an den Wänden errichtet.

In den folgenden Jahrhunderten blieb das Gebäude unverändert, bis die Dominikaner im Jahr 1916 von den Minoriten abgelöst wurden. Die Restaurierungsarbeiten orientierten sich am Vorbild der 1926 in Assisi durchgeführten Arbeiten.[5] Im Jahr 1934 wurde das würdevolle Barockambiente durch die langwierigen und kostspieligen Eingriffe des Architekten Ugo Tarchi verändert. Dieser begann, die alten gotischen Merkmale wiederherzustellen: Die Monoforien und das dreiteilige Fenster in der Apsis wurden wieder geöffnet und die Glasfenster nach einem Entwurf von Giacomo Panetti angefertigt.[6] Die Restaurierungsarbeiten wurden in den zehn Jahren nach dem Krieg fortgesetzt. So wurde die Decke aus dem 17. Jahrhundert abgerissen und die Fachwerkdecke restauriert, die Barockaltäre entfernt sowie die alten gotischen Fenster und das Rundfenster an der Fassade wieder geöffnet.[7]

Zu Beginn des letzten Jahrhunderts wurden vor dem Seiteneingang neun Linden gepflanzt, die bis heute erhalten sind.

Das Gebäude blieb viele Jahre lang unverändert, bis das Erdbeben in Umbrien und den Marken im Jahr 1997 den Klosterkomplex so stark beschädigte, dass zwischen 2000 und 2002 Konsolidierungsarbeiten und eine Erneuerung der Dächer erforderlich waren.

Im Laufe der bis 2005 durchgeführten Restaurierungsarbeiten kamen interessante Fresken aus dem 14. und 15. Jahrhundert zum Vorschein, die einer bedeutenden südumbrischen Malerschule zugeordnet werden.

Im Jahr 2006 betraf die Renovierung auch die Innenbeleuchtung der Kirche. Es wurde ein Beleuchtungsprojekt realisiert, das darauf abzielte, die Kunstwerke hervorzuheben und den Sehkomfort zu verbessern.[8]

Von 1920 bis 2003 diente die Kirche als Pfarrkirche.[9]

Kloster

Das Klostergebäude wurde im Jahr 1288 endgültig fertiggestellt und gewann so sehr an Bedeutung, dass dort 1291 ein Provinzkapitel abgehalten wurde.[1] Im Inneren wurden zunächst ein Studium in partibus und einige Jahre später ein Studium philosophiae eingerichtet.

Zwischen 1319 und 1322 erhoben sich die Dominikaner von Spoleto zusammen mit anderen Bürgern Umbriens gegen die päpstliche Regierung.

Weitere Informationen über das Kloster finden sich bei Achille Sansi in seiner Storia del comune di Spoleto (Geschichte der Gemeinde Spoleto):

„Es kam zu Unruhen wegen der Reform des von den Predigerbrüdern geführten Klosters San Salvatore (1532). Diese führten einen derart zügellosen und ausschweifenden Lebenswandel, dass sie zur Schande ihres Ordens und zum Ärgernis der Bevölkerung geworden waren. Die um das Wohl der Stadt besorgte Gemeinde bat den Papst, die Predigerbrüder zu vertreiben und das Kloster Ordensbrüdern desselben Ordens zu übergeben, die sich besser an die Regeln hielten. Als diese Nachricht bekannt wurde, erhoben sich die Gefährten und Handlanger dieser Mönche sowie alle, die von ihren Lastern profitierten, zu einem Aufruhr. Die Mönche riefen ihre Anhänger zu sich, verschanzten sich im Kloster und verteidigten sich tapfer mit Waffen gegen die Ordnungshüter der Gemeinde. Diese waren gezwungen, den Ort mit aller Gewalt einzunehmen, wie bei einer Belagerung einer Burg. Als die neuen Ordensbrüder eintrafen, versuchten die Vertriebenen, den Ort mit ihrer Partisanen-Bande wieder mit Gewalt zu besetzen. Sie wiederholten ihre Gewalttaten mehrmals, jedoch vergeblich, bis sie schließlich den Mut verloren und die Neuankömmlinge in Ruhe die Vesper und die Matutin singen ließen.“

Achille Sansi: Storia del Comune di Spoleto dal secolo XII al XVII[10]

Im Februar 1798 mussten sich die Ordensbrüder auf einen kleinen Bereich des Klosters beschränken; der Rest wurde für die Unterbringung der französischen Truppen genutzt, die die päpstliche Armee zum Rückzug gezwungen hatten. Dieselbe Gastfreundschaft wurde auch von der Festung sowie den Klöstern San Simone und San Luca verlangt.[11]

Es wurde Sitz des Istituto di studi del compartimento del Clitunno, dessen Hauptsitz Spoleto war.[1] Das Institut umfasste einen Teil der medizinischen, juristischen und theologischen Fakultäten der Universität. Es bestand nur kurze Zeit. Obwohl es weiterhin als „Universität“ bezeichnet wurde, bot es später vorwiegend elementare und technische Studiengänge an.[12]

Das Gebäude ging im Jahr 1862 in den Besitz der Gemeinde über und wurde Sitz des Stadtgerichts, während andere Räumlichkeiten als Militärunterkünfte genutzt wurden. Ab 1870 beherbergte es verschiedene Bildungseinrichtungen, darunter das Regio Istituto Tecnico. Das ehemalige Oratorium der Bruderschaft San Pietro Martire, das lange Zeit als Schulraum genutzt wurde, beherbergt ein großes Fresko aus dem 16. Jahrhundert. Es wird Lo Spagna zugeschrieben und stellt die Kreuzigung mit vier Engeln, dem Hl. Dominikus, der Jungfrau Maria, der Hl. Magdalena sowie den Heiligen Pietro Martire, Johannes und Vinzenz Ferrer dar. Das Heilige Offizium richtete im Untergeschoss des Klosters seine Gefängnisse ein. In den fensterlosen Zellen, die heute für Ausstellungen und Installationen genutzt werden, sind noch einige Graffiti zu sehen – Spuren der Gefangenen. Von 1909 bis 1925 war das Kloster Sitz des Circolo della Gioventù Cattolica (Katholischer Jugendverein).[13]

Der den Dominikanern verbliebene Teil des Gebäudes wurde 1915 aufgegeben. Im folgenden Jahr kamen die Minoriten der Seraphischen Provinz Santa Chiara, die unter anderem für die Seelsorge des Klosters der Klarissen von Sant’Omobono del Palazzo zuständig waren. Die Mönche blieben bis 2004, dann wurde das Kloster geschlossen. Seit 1997 ist es Sitz des staatlichen Kunstinstituts „Leoncillo Leonardi“.[14]

An der Wand des Klosters befindet sich das 1919 vom Bildhauer Siro Storelli (1890–1966) geschaffene Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Studenten aus Spoleto.[1]

Der heilige Nagel

Einer lokalen Überlieferung zufolge wird einer der Nägel, mit denen Jesus Christus ans Kreuz genagelt wurde, auf dem Altar der Kapelle Benedetti di Montevecchio links vom Hauptaltar aufbewahrt. Die Verehrung geht auf das 15. Jahrhundert zurück. Auf ihrer Rückkehr aus dem Heiligen Land, wo sie nach Reliquien der Passion gesucht hatte, warf die Heilige Helena einen Nagel des Kreuzes in die Adria, um das stürmische Meer zu beruhigen.[15] Er wurde später am Strand gefunden und im Jahr 1464 von einem heiligen Einsiedler aus Monteluco nach Spoleto gebracht. Nach dessen Tod landete der Nagel aus Nachlässigkeit zwischen dem alten Eisen eines Schmieds. Dieser bemerkte bald verschiedene Wunder, die von dem Nagel ausgingen. Überzeugt von dessen Heiligkeit schenkte der Schmied den Nagel den Dominikanern, die vor seiner Schmiede wohnten. Später, im Jahr 1591, zeigte der Nagel seine Heilkräfte, indem er Papst Gregor XIV., der zu Gast im Kloster war, von körperlichen Leiden befreite.[1] So wurde er zum Gegenstand großer Verehrung. Diese Legende wird in einer Schrift des Dominikaners Pietro Martire Frosciante aus Spoleto aus dem Jahr 1644 erwähnt, die in der Vatikanischen Bibliothek aufbewahrt wird.[16][17] Das 23 cm lange, viereckige Stück mit abgerundeter Spitze wird seit Jahrhunderten in Spoleto verehrt und am Karfreitag sowie am 3. Mai in einem Tabernakel aus Silber und Kristall aus dem Jahr 1728 ausgestellt.

Beschreibung

Außen

Die Außenfassade besteht aus übereinanderliegenden Streifen aus weißen und rosa Quadern. Dieser Effekt ist auch bei anderen umbrischen Kirchen, wie der Basilika Santa Chiara in Assisi und der Kirche Santa Prassede in Todi, zu sehen.

Die schlichte Fassade mit zwei Dachschrägen wirkt unvollendet, da die für solche Fassaden üblichen Verzierungen der Rosette und des Portals, fehlen. An der rechten Seite des Gebäudes befindet sich ein zweites Portal, das viel eleganter und besser ausgearbeitet ist. Es ähnelt dem Portal der Kirche San Nicolò, ist aber weniger kunstvoll gearbeitet.[18] Es zeichnet sich durch typisch gotische Motive aus, darunter sechs Säulenbündel, die von kleinen Kapitellen überragt werden. In der Lünette, die vom Peruginer Perino Cesarei mit Fresken verziert wurde, ist das Bild des segnenden Christus zu sehen.[19] Es handelt sich um ein signiertes und auf das Jahr 1591 datiertes Fresko, das jedoch stark beschädigt ist. Die letzte Restaurierung erfolgte im Jahr 1966. Am vorspringenden Querschiff erhebt sich der massive Glockenturm, der von einer Loggia aus dem 16. Jahrhundert gekrönt wird.

Innen

Der Innenraum folgt dem Schema vieler anderer Dominikaner- und Franziskanerkirchen: ein langes, einziges Kirchenschiff, das von einem breiten Querschiff gekreuzt wird und in einer von Kapellen flankierten Tribüne endet. Die Wände sind mit zahlreichen religiösen Fresken geschmückt, von denen viele von unbekannten Künstlern stammen und in die Zeit vom 13. bis 16. Jahrhundert datiert werden können.

Rechte Wand des Kirchenschiffs

Auf der rechten Seite befindet sich eine Ädikula aus dem 16. Jahrhundert, in der sich ein Fresko der Madonna mit Kind von einem unbekannten Künstler aus dem 14. Jahrhundert befindet. Dieses wurde im 16. Jahrhundert übermalt. An den Seiten sind Figuren von Dominikaner- und Franziskanerheiligen zu sehen. In einer großen Nische dahinter befindet sich der heilige Thomas auf dem Lehrstuhl, ein Beispiel für eine Malerei-Strömung des 14. Jahrhunderts, die in Südumbrien florierte. Hinter dem Seitenportal befindet sich eine Kopie des berühmten Gemäldes „Transfiguration“ von Raffael, das Cavalier d’Arpino zugeschrieben wird. Nach weiteren Freskenfragmenten gelangt man zur rechten Seite des Querschiffs.

Querschiff, rechte Seite

An der rechten Wand befindet sich in einer großen Nische ein Fresko mit der Madonna und dem Kind, das von einem unbekannten Künstler stammt. In der Mitte steht ein schöner Marmoraltar, der um 1630 von den Familien Sansi oder Transerici errichtet wurde und ein Altarbild von Giovanni Lanfranco beherbergt. Dieses stellt die Madonna mit dem Kind und die Hl. Anna mit den Heiligen Katharina von Siena, Katharina von Alexandrien und Helena dar. Im Tympanon ist der segnende Ewige Vater zu sehen. Das am Rand des Mantels der Heiligen Helena signierte Gemälde lässt sich auf die Zeit zwischen 1633 und 1634 datieren. Es zeigt die für den Maler typischen Elemente: die innovative Freiheit der Komposition, die Beweglichkeit des Lichts, die gestische Rhetorik und die emotionale Ausdruckskraft der Figuren.[20] Das Gemälde dokumentiert die Wiederbelebung des kulturellen und religiösen Lebens in Spoleto im 17. Jahrhundert während der langen Amtszeit des Bischofs Lorenzo Castrucci.[21] An der linken Wand öffnet sich die Kapelle der Maddalena.

Kapelle der Magdalena

Sie wurde zu Beginn des 15. Jahrhunderts mit Fresken verziert. An den Seitenwänden sind Szenen aus dem Leben der Hl. Maria Magdalena zu sehen, darunter ihre Ankunft in Marseille. Laut der provenzalischen Legende Legenda aurea von Jacobus de Voragine bekehrte sie dort die Herrscher.[22] An der gewölbten Decke ist eine große Figur des segnenden Christus mit Engeln gemalt. An der Rückwand prangt ein großes Kreuzigungsfresko, reich an Figuren und Details: Im oberen Teil sind drei Kreuze zu sehen, flankiert von zwei Engeln. In der Mitte befindet sich eine große Personengruppe zu Pferd, von denen zwei einen Heiligenschein tragen. Weiter unten ist die Gruppe der frommen Frauen und des Evangelisten Johannes zu sehen. Der Autor der Fresken der gesamten Kapelle ist wahrscheinlich der Maestro dei Calvari, ein Maler, der der Kunstströmung angehörte, die zwischen Ende des 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts in Südumbrien sehr aktiv war.[23] Die Bilder wurden 1973 restauriert, sind aber größtenteils stark beschädigt.

Collicola-Kapelle

Neben der Kapelle der Magdalena befindet sich die im 17. Jahrhundert erbaute und vollständig mit feinen Stuckarbeiten verzierte Kapelle Collicola. Sie beherbergt das Grabmal und das Porträt von Taddeo Collicola, der 1643 starb und als Arzt am Hof von Urban VIII. tätig war. Der aus hochwertigem Marmor gefertigte Altar umrahmt ein Gemälde mit dem Bildnis des Heiligen Dominikus. An der linken Wand befindet sich ein ovales Gemälde mit dem Porträt des Hl. Franz von Paola.

Presbyterium

Der leicht erhöhte Altarraum verfügt über eine reich mit Fresken bemalte Rückwand. Über dem Altar hängt ein großes, bemaltes Holzkruzifix aus dem 14. Jahrhundert. Boden, Altar und Sitzbänke wurden 1970 nach einem Entwurf von Alberto Zanmatti geschaffen und ersetzten einen jüngeren Anbau. Hinter dem Altar befindet sich der Grabstein von Pater Bonaventura Marrani (1865–1947), der 1916 die Minoriten ins Kloster brachte.

Die Fresken sind wie folgt verteilt: An den Seiten befinden sich zwei Heiligenfiguren, an der Mittelwand der segnende Erlöser, die Madonna mit dem Säugling sowie des heilige Petrus Martyr. Es folgen der Heilige Leonard und die stark verfallene Pietà mit Engeln.[1] Daneben befinden sich die Überreste eines 'Holzchors aus dem 14. Jahrhundert. Anschließend kommt die Kapelle Benedetti di Montevecchio.

Kapelle Benedetti di Montevecchio

Sie wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts von den Herzögen von Montevecchio erbaut, um den Heiligen Nagel aufzubewahren. Dieser wird in einem schönen silbernen Reliquienschrein auf dem Altar aufbewahrt, der in einer vergoldeten Vitrine eingeschlossen ist. Sowohl der Schrein als auch die Vitrine wurden 1728 von Ludovico Barchi (* um 1678 in Modena, † 1731 in Rom) und Giovanni Girolamo Frezza angefertigt.[24] Die mit reichlich Marmor verzierte Kapelle wurde im Jahr 1669 vom Stuckateurmeister Giovanni Fontana da Foligno geschmückt, wie aus einer Inschrift mit dessen Unterschrift und dem Datum in der Kuppel hervorgeht. Auf der rechten Seite befinden sich das Grabmal und das Porträt von Nicola Benedetti, päpstlicher Präfekt in den Marken, der 1668 verstorben ist. An derselben Wand befand sich zuvor eine Inschrift aus dem 15. Jahrhundert in lateinischen Distichon, die die Heiligkeit des Nagels verherrlichte. Diese Inschrift wurde später in der epigraphischen Sammlung des Lateranmuseums im Vatikan wiedergefunden.[25] An der linken Wand befindet sich das Ölgemälde Die Gefangennahme Christi aus dem Jahr 1574, das Marcantonio dal Forno zugeschrieben wird. Die anderen Gemälde, die von Liborio Coccetti geschaffen wurden, illustrieren Geschichten rund um den Heiligen Nagel. Von hier aus gelangt man hinunter in die ehemalige Kirche San Pietro Martire, auch Krypta von San Domenico genannt.

Krypta

Sie wurde zu Ehren von Pietro da Verona erbaut und Chiesa di San Pietro Martire (Kirche des heiligen Petrus Martyr) genannt. Er wurde 1252 von den Patariarern getötet und im folgenden Jahr unter dem Beinamen Hl. Petrus Martyr heiliggesprochen. Seine Verehrung verbreitete sich so schnell, dass die Einwohner von Spoleto ihn zusammen mit Hl. Pontianus zu ihrem Mitpatron wählten. Der Zugang zum Innenraum und zum angrenzenden Oratorium erfolgte ursprünglich durch eine heute zugemauerte Tür auf der Rückseite der Kirche San Domenico neben der Tribüne. Erst später wurden die beiden Kirchen miteinander verbunden.

Es handelt sich um einen rechteckigen Raum mit einer einzigen zentralen Säule. Von dieser Säule aus gehen Gewölbe aus dem 14. Jahrhundert ab. Die Wände sind fast vollständig mit Votivfresken aus dem 15. Jahrhundert bedeckt, die sich alle in einem ziemlich schlechten Zustand befinden.

„Etwa zur gleichen Zeit, als Galardo[26] die Kathedrale ausmalen ließ (1374–1384), entstanden möglicherweise die an Giotto erinnernden Gemälde, die unter dem Putz der Kirche San Domenico wiederentdeckt wurden und heute in der unterirdischen Kirche zu sehen sind. Dieser Ort war bereits so bedeutend, dass die Predigerbrüder dort im Jahr 1368 das Kapitel abhielten. Dafür beantragten sie Subventionen bei der Stadtverwaltung.“

Achille Sansi: Storia del Comune di Spoleto dal secolo XII al XVII[27]

Querschiff, linke Seite

Die Sakristei befindet sich im linken Arm des Querschiffs. Über der Tür erinnert eine Inschrift daran, dass die Kirche am 22. Oktober 1634 von Bischof Lorenzo Castrucci nach einer langen Schließungszeit, die vermutlich auf eine Restaurierung zurückzuführen ist, erneut geweiht wurde. Es handelt sich um einen rechteckigen Raum mit Tonnengewölbe, der einst von der Gemeinde genutzt wurde und 1964 an die Minoriten zurückgegeben wurde. Über der Inschrift befindet sich ein 1893 von Ludovico Grillotti geschaffenes Gemälde mit dem Titel Leopoldo da Gaiche caccia i profanatori (Leopoldo da Gaiche vertreibt die Schänder). Im Hintergrund des Gemäldes ist der Eingang zur Wallfahrtskirche San Francesco in Monteluco zu erkennen.
An der Mittelwand befindet sich die im Jahr 1969 gebaute Orgel.[28] Auf der linken Seite öffnet sich ein großes Oratorium, das einst zum Kloster gehörte und für Gottesdienste und Zeremonien genutzt wurde. An der rechten Wand hängt das 1959 restaurierte Temperagemälde auf Holz mit Goldgrund San Pietro Martire con Domenicano genuflesso (Der heilige Petrus Martyr mit kniendem Dominikaner), das dem Maestro di Fossa zugeschrieben wird.[1]

Linke Wand des Kirchenschiffs

Beim Verlassen des Querschiffs hängt an der linken Wand ein großes Gemälde aus dem frühen 17. Jahrhundert. Es zeigt die Madonna mit den Heiligen Dominikus, Katharina von Siena, Ponziano, Gregor von Spoleto, Abbondanza und Petrus Martyr. Es folgt ein weiteres Gemälde von Francesco Refini: Madonna in Herrlichkeit, die Heiligen Giaginto und Brizio und die Seelen im Fegefeuer.

Unten ist ein Bild der Pietà eines unbekannten Künstlers aus dem 15. Jahrhundert zu sehen. Es wurde 1839 vom Maler Jean-Auguste-Dominique Ingres kopiert, der damals in Spoleto auf der Durchreise war. Das Bild wird heute in Montauban aufbewahrt.[1]

Hinter der Kapelle des Heiligen Petrus Martyr befindet sich ein im Jahr 1984 entdecktes Fresko aus dem 15. Jahrhundert: Es zeigt die Madonna mit Kind. Daneben befindet sich aus derselben Zeit die Kommunion der Heiligen Katharina von Siena, die Bartolomeo da Miranda zugeschrieben wird. Weiter oben befindet sich die Madonna mit dem Heiligen Hyazinth, ein Gemälde aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, das von einem Gemälde von Lavinia Fontana in der Basilika Santa Sabina in Rom abgeleitet wurde.[29]

Kapelle des Hl. Petrus Martyr

Sie wurde in den Jahren 1679–1680 von der Gemeinde anstelle einer bereits bestehenden Kapelle errichtet. Diese ist Pietro da Verona gewidmet, einem der ersten Gäste des Klosters. Er wurde von den Einwohnern Spoletos besonders verehrt, da er der Überlieferung zufolge durch sein wundersames Eingreifen zum Sieg der Kirche über die Ghibellinen der Stadt in der Schlacht im April 1391 beigetragen hatte. An den Wänden hängen Gemälde von Maffeo Catelli aus dem frühen 18. Jahrhundert. Sie zeigen verschiedene Episoden aus dem Leben des Heiligen. Zu sehen sind unter anderem Der Heilige Petrus Martyr predigt auf dem Forum, Der Heilige erscheint in der Schlacht und Das Martyrium des Heiligen. Die Kapelle ist reich mit Stuckarbeiten und Vergoldungen verziert. Hier wird auch eine Säulentambour aufbewahrt, die früher auf dem Forum (dem heutigen Marktplatz) stand. Von dort aus soll der Heilige der mündlichen Überlieferung zufolge gepredigt haben. Dem Stein werden heilende Kräfte bei Arthritis und Rheuma zugeschrieben.

Auf dem Weg zum Ausgang befindet sich das Grabmal von Carlo Nini (1692) oben. Er war der Bruder von Kardinal Giacomo Filippo Nini. Beide waren mit der Familie der Grafen Pianciani aus Spoleto verbunden.

Literatur

  • Giuseppe Angelini Rota: Spoleto e dintorni. Panetto e Petrelli, Spoleto 1905, S. 15 (italienisch).
  • Valentino Martinelli: Un capolavoro inedito del Lanfranco in San Domenico di Spoleto. In: Spoletium. Nr. 7, 1957, S. 12 (italienisch).
  • Carlo Pietrangeli: Una lapide spoletina in Vaticano: l'iscrizione del S. Chiodo di Spoleto. In: Spoletium. Band 26-27. Accademia spoletina, Spoleto 1985, S. 7–14 (italienisch).
  • Convegno "Spoleto: un cantiere per la cultura. La chiesa di S. Domenico restaurata". 22. Dezember 2005 (italienisch).
  • Andrea Maiarelli: L'archivio storico della Provincia Serafica di San Francesco d'Assisi dei Frati Minori in Umbria: inventario della sezione conventi chiusi (1230-2004). Ed. Porziuncola, 2005, ISBN 88-270-0531-5 (italienisch).
Commons: San Domenico – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h Lamberto Gentili, Luciano Giacché, Bernardino Ragni, Bruno Toscano: L'Umbria, Manuali per il Territorio. Spoleto. Edindustria, Rom 1978, S. 166–180 (italienisch).
  2. Carlo Longo: Una relazione seicentesca sugli insediamenti domenicani di Spoleto. In: Archivum Fratrum Predicatorum, AFP 76. 2006, S. 171–216 (italienisch).
  3. Longo
  4. Frate Pietro Martire Frosciante: Cronica siue historia erectionis ac fundationis ecclesię et conuentus Sancti Saluatoris de Spoleto, ordinis Predicatorum sancti Dominici. Relazione del 1672 ca. In: Archivum Fratrum Predicatorum, AFP 76. 2006, S. 188–213 (italienisch).
  5. Lamberto Gentili: Spoleto formato cartolina. Album di storia urbana 1890-1940. Associazione pro Spoleto, Spoleto 1986, S. 71 (italienisch).
  6. Liana Di Marco: Spoleto: una città-cantiere durante il Ventennio. Album di storia urbana 1922-1943. Associazione Pro Spoleto, Spoleto 1999, S. 25 (italienisch).
  7. Giovanni Antonelli: Un decennio di attività artistiche e culturali a Spoleto. In: Spoletium. Nr. 6. Edizioni dell'Accademia spoletina, Spoleto 1957, S. 5 (italienisch).
  8. M. Barbanera, C. Buratti, R. Maria: Il progetto illuminotecnico della chiesa di San Domenico a Spoleto: comfort visivo, conservazione e valorizzazione delle opere d'arte, risparmio energetico. In: 197 6° Congresso Nazionale CIRIAF – Atti (Perugia 7/8 aprile 2006). (italienisch, archivierter Link (Memento vom 18. April 2013 im Internet Archive) [PDF]).
  9. Convento di San Domenico di Spoleto. S.I.U.S.A. Sistema Informativo Unificato per le Soprintendenze Archivistiche, abgerufen am 2. Dezember 2025 (italienisch).
  10. Achille Sansi: Storia del Comune di Spoleto dal secolo XII al XVII, parte II. S. 233 (italienisch, piazzaduomo.org [PDF; abgerufen am 3. Dezember 2025]).
  11. Achille Sansi: Memorie aggiunte alla storia del Comune di Spoleto. S. 12 (italienisch, piazzaduomo.org [PDF]).
  12. Achille Sansi: Memorie aggiunte alla storia del Comune di Spoleto. Band III, S. Nota 26 (italienisch, piazzaduomo.org [PDF]).
  13. Convento di San Domenico di Spoleto. In: S.I.U.S.A. Sistema Informativo Unificato per le Soprintendenze Archivistiche. Abgerufen am 3. Dezember 2025 (italienisch).
  14. Convento di San Domenico di Spoleto. In: S.I.U.S.A. Sistema Informativo Unificato per le Soprintendenze Archivistiche. Abgerufen am 3. Dezember 2025 (italienisch).
  15. Gaetano Moroni: Dizionario di erudizione storico-ecclesiastica. Da S. Pietro sino ai nostri giorni. Band XIII. Tipografia Emiliana, Venedig 1842, S. 99 (italienisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  16. De sacri chiodi. Biblioteca civica Romolo Spezioli di Fermo. Catalogo del Fondo antico a stampa. Abgerufen am 3. Dezember 2025 (italienisch).
  17. Pietro Martire Frosciante: De' Sacri chiodi con i quali fu inchiodato in croce il nostro Redentore et in particolare di uno di essi che si conserva nella chiesa di S. Salvatore della città di Spoleto, discorso del M.t° R.do Pré frá Padre fra Pietro Martire Frosciante dell'Ordine de Predicatori. Heredi del Corbelletti. Rom 1644 (italienisch).
  18. Achille Sansi: Degli edifici e dei frammenti storici. S. 243 (italienisch, piazzaduomo.org [PDF]).
  19. Sandra Vasco Rocca: Cesarei, Pietro, detto Pierino o Perino da Perugia. In: Alberto M. Ghisalberti (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 24: Cerreto–Chini. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 1980.
  20. Giordana Benazzi: Giovanni Lanfranco, Madonna col Bambino e Sant'Anna con le Sante Caterina da Siena, Caterina d'Alessandria e Elena. In: Liliana Barroero, Vittorio Casale, Giorgio Falcidia, Fiorella Pansecchi, Giovanna Sapori, Bruno Toscano (Hrsg.): Pittura del Seicento. Ricerche in Umbria (Ausstellungskatalog). Venedig 1989, S. 123 (italienisch).
  21. Valentino Martinelli: Un capolavoro inedito del Lanfranco in San Domenico di Spoleto. In: Spoletium. Nr. 7, 1957, S. 14 (italienisch).
  22. Corsini Lorca: La Bibbia tra il Sacro ed il Faceto. (italienisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 4. Dezember 2025]).
  23. M.E. Savi, E. Lunghi: Spoleteo. Enciclopedia dell'Arte Medievale, abgerufen am 4. Dezember 2025 (italienisch).
  24. Pietrangeli, S. 14
  25. Pietrangeli, S. 7
  26. Es handelt sich um Bischof Galard de’ Paleyrac de’ Bellovide, O.E.S.A. † (24. November 1372–1378 abgesetzt)
  27. Achille Sansi: Storia del Comune di Spoleto dal secolo XII al XVII, parte I. S. 258 (italienisch, piazzaduomo.org [PDF]).
  28. Spoleto. Chiesa di San Domenico. Organo del 1969. Abgerufen am 9. Dezember 2025 (italienisch).
  29. Fontana Lavinia, Vision des Hl. Giacinto. Abgerufen am 9. Dezember 2025.

Koordinaten: 42° 44′ 7,6″ N, 12° 44′ 2,5″ O