Samuel Herz Bondi
Samuel Herz Bondi (* 29. Juni 1878 (abweichende Angabe: 29. Mai 1878) in Mainz/Deutschland; † 21. Januar 1959 in New York City/USA) war ein österreichisch-US-amerikanischer Internist, Schularzt, Hochschullehrer und Verfolgter des Naziregimes.
Leben
Samuel Herz Bondi kam als Sohn des Marcus Meier Bondi und der Bertha Bella geborene Hirsch zur Welt. Er hatte insgesamt 16 Geschwister, darunter seine Zwillingsschwester Rosa. Mitte der 1880er Jahre übersiedelte die Familie nach Wien, wo der Vater zunächst als Kaufmann und später als Leiter einer Metallfirma arbeitete.[1] Samuel Herz Bondi ehelichte im Jahr 1914 Helene Bertha Hirsch. Das Ehepaar hatte zwei Kinder, die spätere Medizinerin Gabriele Bondi (verheiratete Lobel) und den späteren Mathematiker Hermann Bondi.[2][3] Der Haushalt wurde auf Wunsch des Vaters Marcus Meier Bondi so geführt, dass die zahlreichen orthodoxen Verwandten bewirtet werden konnten. Allerdings hegte die Mutter eine Abneigung gegen die Exklusivität der jüdischen Religion.[3]
Samuel Herz Bondi besuchte das Communal-, Real- und Obergymnasium in Wien-Leopoldstadt. Er beendete das Gymnasium mit dem Abitur im Jahr 1897 und studierte ab 1903 Medizin in seiner Heimatstadt Wien. Im März 1915 erfolgte die Promotion zum Doktor der Medizin. Anschließend arbeitete Bondi ein Jahr lang an der Universität Heidelberg am Institut für Pharmakologie bei Rudolf Gottlieb und Julius Wilhelm Theodor Curtius. Danach trat er in das Allgemeine Krankenhaus der Stadt Wien, I. Medizinische Klinik, bei Hermann Nothnagel ein. Von 1908 bis 1912 war er hier auch Assistent bei Jakob Pal und Julius Mauthner. 1912 emeritierte er als Assistent[4][1] und führte eine private Arztpraxis in Wien 8. Die Praxis vergrößerte sich schnell und beherbergte einen internationalen Patientenkreis.[5] Bondi habilitierte sich für das Fach Innere Medizin und wurde 1920 Privatdozent[6] und Hochschullehrer für Innere Medizin. Zudem fungierte er als Schularzt in der Verein-Volksschule Talmud-Thora in Wien 2.
Samuel Herz Bondi und seine Ehefrau Helene Bondi reisten 1938 noch vor dem Anschluss Österreichs auf Anraten ihres Sohnes über die Schweiz nach England aus.[7][8] 1940 emigrierten sie nach Montreal/Canada und schließlich von dort aus in die USA.[1] Hier beschäftigte sich Samuel Herz Bondi mit der Elektrokardiographie und wurde leitender Assistenzarzt für Stoffwechselerkrankungen in der Ambulanz des Beth Israel Hospitals in New York City.
Die Zwillingsschwester von Samuel Herz Bondi, Rosa Gradenwitz geborene Bondi, konnte Österreich nicht mehr rechtzeitig verlassen und wurde 1943 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Der Sohn, Hermann Bondi, wurde Professor für Mathematik am King’s College in London.[1]
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Bondi, Samuel und Josef Bondi: Ueber die Verfettung von Magen- und Darmepithel und ihren Zusammenhang mit Stoffwechselvorgängen. Aus der I. medicin. Klinik (Prof. v. Noorden) und dem Institute für allgemeine und experimentelle Pathologie (Prof. Paltauf) in Wien. Sonderdruck aus: Zeitschrift für experimentelle Pathologie und Therapie. Berlin: Verlag von August Hirschwald 1909.
- Bondi, Samuel und Josef Bondi: Experimentelle Untersuchung über Nierenveränderungen in der Schwangerschaft. Aus dem Institut für allgemeine und experimentelle Pathologie (Vorstand: Hofrat Paltauf) und der I. medizinischen Abteilung des Allgemeinen Krankenhauses (Vorstand: Prof. Pál) in Wien. Sonderdruck aus: Archiv für Gynäkologie. Berlin: Verlag von August Hirschwald 1914.
- Bondi, Samuel: Das äussere Bild des männlichen Diabetikers. Sonderdruck aus: Zeitschrift für angewandte Anatomie und Konstitutionslehre. Berlin: Springer 1919.
Literatur
- Judith Bauer-Merinsky: Die Auswirkungen der Annexion Österreichs durch das Deutsche Reich auf die medizinische Fakultät der Universität Wien 1938. Dissertation Universität Wien 1980, S. 20+21. Digitalisat
- Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus Universität Wien: Samuel Bondi
- Walter Mentzel, UB MedUni Wien (31. Juli 2025): Bondi, Samuel: Internist und NS-Verfolgter
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Walter Mentzel, UB MedUni Wien (31. Juli 2025): Bondi, Samuel: Internist und NS-Verfolgter, abgerufen am 30. September 2025.
- ↑ Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus Universität Wien: Samuel Bondi, abgerufen am 30. September 2025.
- ↑ a b MacTutor: Hermann Bondi, abgerufen am 30. September 2025.
- ↑ Personalnachrichten. In: Medizinische Klinik. Wochenschrift für praktische Ärzte, Heft 42/1912, S. 4 (online bei ANNO).
- ↑ Judith Bauer-Merinsky: Die Auswirkungen der Annexion Österreichs durch das Deutsche Reich auf die medizinische Fakultät der Universität Wien 1938. Dissertation Universität Wien 1980, S. 20+21. Digitalisat
- ↑ Kleine Chronik. Personalnachrichten. In: Neue Freie Presse, 31. Dezember 1919, S. 5 (online bei ANNO).
- ↑ opendata.renenyffeneger.ch: Samuel Bondi, abgerufen am 30. September 2025.
- ↑ UB Med.Uni Wien: Vertrieben 1938 Samuel Bondi, abgerufen am 30. September 2025.