Samuel H. Kress Foundation
Die Samuel H. Kress Foundation ist eine 1929 von dem US-amerikanischen Kaufmann und Mäzen Samuel H. Kress gegründete private Stiftung mit Sitz in New York, die sich der Förderung, Erforschung, Konservierung und dem öffentlichen Zugang zur europäischen Kunst widmet. Ihre Gemäldesammlungen umfassen Werke der wichtigsten kontinentalen Schulen vom 13. bis zum frühen 19. Jahrhundert und zeichnen sich besonders durch ihre außergewöhnliche Fülle an italienischer Kunst aus.
Geschichte
Samuel Henry Kress (1863–1955) war ein Geschäftsmann und Philanthrop sowie Gründer der Ladenkette „Kress Five and Dime“. Mit seinem Vermögen baute er eine der bedeutendsten Sammlungen italienischer Renaissance- und europäischer Kunstwerke des 20. Jahrhunderts auf. Im Jahr 1929 gründete er die Samuel H. Kress Foundation mit dem Ziel, eine bedeutende Sammlung europäischer Kunst zusammenzutragen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Während und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Sammlung erheblich erweitert. Durch die Umgestaltung der 34 Kress-Galerien in der National Gallery of Art in Washington, D.C., war es möglich, zahlreiche Gemälde in Museumsqualität an andere Orte weiterzugeben. Daraus entwickelte sich in den 1950er-Jahren ein landesweites Programm der Kunststiftung, im Rahmen dessen repräsentative Bestände italienischer Kunst an ausgewählte Museen in den Vereinigten Staaten verteilt wurden. So wurden mehr als 700 Werke alter Meister an regionale Museen in 18 Städten gestiftet. Weitere rund 200 Gemälde gelangten als Studienkollektionen an 23 Colleges und Universitäten. Zusätzlich gingen bedeutende Sonderbestände an große Institutionen. So erhielt das Metropolitan Museum of Art französisches Porzellan, Möbel sowie einen vollständigen Robert-Adam-Raum mit Gobelinteppichen, die Pierpont Morgan Library erhielt Zeichnungen und illuminierte Handschriften und das Philadelphia Museum of Art wurde mit dreizehn monumentalen Tapisserien nach Entwürfen von Peter Paul Rubens und Pietro da Cortona bedacht.
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Die sog. Kress Madonna (Toskana, 13. Jahrhundert), von Cimabue beeinflusster Florentiner Künstler. National Gallery of Art, Washington D. C.
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Fra Angelico (etwa 1395–1455): Anbetung des Jesuskindes durch die Heiligen Drei Könige. etwa 1440/1460. National Gallery of Art, Washington D. C.
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Giovanni Larciani (Meister der Kress-Landschaften): Szenen aus einer Legende (um 1515/1520). National Gallery of Art, Washington D. C.
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Michelangelo Anselmi (1492–1556): Apollo und Marsyas (ca. 1540). National Gallery of Art, Washington D. C.
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Pala Kress, Gasparo Cairano, National Gallery of Art, Washington D. C.
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Allegorisches Porträt von Dante (Ende 16. Jahrhundert). National Gallery of Art, Washington D. C.
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Filippino Lippi (1457–1504): Tobias und der Engel (etwa 1472 bis 1482). National Gallery of Art, Washington D. C.
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Hans Mielich (Werkstatt): Kreuzigung Christi (etwa 1550/1575). National Gallery of Art, Washington D. C.
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Albrecht Dürer (1471–1528): Maria mit Kind (Haller Madonna), etwa 1496/1499. National Gallery of Art, Washington D. C.
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Albrecht Dürer (1471–1528): Lot und seine Töchter (Rückseite der Haller Madonna), etwa 1496/1499. National Gallery of Art, Washington D. C.
Sammlung
Die Kress-Sammlungen umfassen insgesamt mehr als 3000 Werke europäischer Kunst, wobei der Schwerpunkt auf italienischer Renaissance-Malerei und -Skulptur liegt. Teile der historischen Bilddokumentation sowie zahlreiche wissenschaftliche und konservatorische Unterlagen der Kress-Bestände wurden digitalisiert und sind über das „Kress Collection Digital Archive“ der National Gallery of Art zugänglich. Die Stiftung unterhält außerdem ein online durchsuchbares Verzeichnis der Kress-Objekte sowie Förderprogramme zur Konservierung, beispielsweise das Programm zur Gemälderestaurierung.
Der Gemäldebestand umfasst unter anderem mehr als .000 italienische Gemälde, 500 Rahmen aus der Entstehungszeit sowie rund 1300 Kleinbronzen, Medaillen und Plaketten. Darüber hinaus gehören Skulpturen, Zeichnungen und Möbel zur Sammlung. Zu den vertretenen Künstlern zählen: Cimabue, Duccio, Giotto, Botticelli, Fra Angelico, Filippo Lippi, Verrocchio, Raffael, Andrea del Sarto, Pontormo, Correggio, Bellini, Carpaccio, Giorgione, Tizian, Lotto, Tintoretto, Veronese, Carracci, Bernini, Strozzi, Tiepolo, Guardi, Canaletto und Bellotto. Auch die französische Kunst ist mit Werken von der Frührenaissance bis zu Poussin, Claude Lorrain, Watteau, Chardin, Boucher, Fragonard, Houdon, David und Ingres vertreten. Aus dem deutschen Sprachraum sind Arbeiten von Dürer, Grünewald, Altdorfer, Holbein und Cranach vorhanden. Die flämische und spanische Schule sind mit Künstlern wie Petrus Christus, Bosch, Memling, El Greco, Rubens, van Dyck, Zurbarán und Goya vertreten.
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Raffael (1483–1520): Porträt des Bindo Altoviti (ca. 1515). National Gallery of Art, Washington D. C.
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Giorgione (1478–1510): Die Heilige Familie (um 1500). National Gallery of Art, Washington D. C.
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Hieronymus Bosch (ca. 1450–1516): Der Tod und der Geizhals. National Gallery of Art, Washington D. C.
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Peter Paul Rubens (1577–1640): Bildnis der Marchesa Brigida Spinola Doria (1606). National Gallery of Art, Washington D. C.
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Tizian: Porträt des Kardinals Pietro Bembo (zwischen 1539 und 1540). National Gallery of Art, Washington D. C.
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Alessandro Allori (1535–1607): Venus entwaffnet Amor (ca. 1570). Los Angeles County Museum of Art
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François Boucher (1703–1770): Madame Bergerety (ca. 1766). National Gallery of Art, Washington D. C.
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Jacques-Louis David: Kaiser Napoleon in seinem Arbeitszimmer in den Tuilerien (1812). National Gallery of Art, Washington D. C.
Die Sammlung ist heute auf mehr als 90 Institutionen in 33 US-Bundesstaaten verteilt und gilt als eine der umfassendsten Schenkungen europäischer Kunst an die amerikanische Öffentlichkeit.
Programme und Förderung
Die Samuel H. Kress Foundation fördert durch Stipendien und Weiterbildungsprogramme Kunsthistoriker, Konservatoren, Museumskuratoren, Pädagogen und Bibliothekare. Die Stiftung betreibt Programme zur Erforschung und Konservierung der Kress-Bestände und unterstützt Publikationen und digitale Zugänglichmachung der Materialien.
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Raffael (1483–1520): Porträt des Bindo Altoviti (ca. 1515). National Gallery of Art, Washington D. C.
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Giorgione (1478–1510): Die Heilige Familie (um 1500). National Gallery of Art, Washington D. C.
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Hieronymus Bosch (ca. 1450–1516): Der Tod und der Geizhals. National Gallery of Art, Washington D. C.
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Peter Paul Rubens (1577–1640): Bildnis der Marchesa Brigida Spinola Doria (1606). National Gallery of Art, Washington D. C.
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Tizian: Porträt des Kardinals Pietro Bembo (zwischen 1539 und 1540). National Gallery of Art, Washington D. C.
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Alessandro Allori (1535–1607): Venus entwaffnet Amor (ca. 1570). Los Angeles County Museum of Art
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François Boucher (1703–1770): Madame Bergerety (ca. 1766). National Gallery of Art, Washington D. C.
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Jacques-Louis David: Kaiser Napoleon in seinem Arbeitszimmer in den Tuilerien (1812). National Gallery of Art, Washington D. C.
Literatur
- National Gallery of Art (U.S.), and Samuel H. Kress Foundation. Paintings And Sculpture From the Kress Collection. Washington, 1951.
- Art Treasures for America: An Anthology of Paintings and Sculpture in the Samuel H. Kress Collection (Classic Reprint), Forgotten Books 2017.
Weblinks
- Zentralinstitut für Kunstgeschichte
- Samuel H. Kress Foundation — Offizielle Website
- History of the Kress Collection — Samuel H. Kress Foundation
- Collection List — Samuel H. Kress Foundation
- Collection Digital Archive — National Gallery of Art
- Collection of Historic Images — National Gallery of Art, Digital Projects
- Kress Program in Painting Conservation