Sakanoue no Tamuramaro
Sakanoue no Tamuramaro (japanisch 坂上 田村麻呂; * 758; † 17. Juni 811) war ein japanischer Hofadeliger, Feldherr und einer der ersten, die den Titel Sei-i Taishōgun (征夷大将軍, „Großgeneral zur Unterwerfung der Barbaren“) trugen. Er gilt als früher Repräsentant des shōgunalen Amtes und diente den Tennō (japanisch 天皇 „Himmlischer Herrscher“) Kanmu, Heizei und Saga in der frühen Heian-Zeit.[1]
Herkunft
Tamuramaro entstammte dem Sakanoue-Clan (坂上氏), einer Nebenlinie des Yamatonoaya-Clans, deren Ursprünge nach dem Nihon Shoki und Kojiki auf Einwanderer aus Korea oder China (Baekje / Gaya-Konföderation) zurückgeführt werden. [2] Sein Vater war Sakanoue no Karitamaro.
Militärische Laufbahn
Der japanische Historiker Kitabatake dokumentierte in seinem Werk Jinnō Shōtōki Sakanoue no Tamuramaros Laufbahn.[3]
Im Jahr 797 ernannte Kaiser Kammu (alternativ auch Kanmu) ihn zum Sei-i Taishōgun und übertrug ihm die Aufgabe, die Emishi im Norden der Hauptinsel Honshū zu unterwerfen (蝦夷征伐, Emishi Seibatsu). Er folgte damit Ōtomo no Otomaro, dem ersten Träger dieses Titels.[4] Tamuramaro führte mehrere Feldzüge und integrierte die nördlichen Gebiete in den kaiserlichen Machtbereich. Nach dem Tod Kanmus diente er weiterhin unter den Kaisern Heizei und Saga als Großrat (大納言 Dainagon) und Kriegsminister (兵部卿 Hyōbu-kyō).
Kulturelles Wirken
Tamuramaro unterstützte in den späten 770er und 780er Jahren den Ausbau des Kiyomizu-dera-Tempels in Kyōto.[5]
Legenden und Volksüberlieferung
In späteren Legenden wurde Tamuramaro als Bishamonten-Avatar und Dämonenbezwinger verehrt.
Der Überlieferung zufolge sollen die berühmten Tanabata-Feste und Umzüge der Präfektur Aomori – die auch in der Stadt Sendai (Präfektur Miyagi) gefeiert werden und jährlich über drei Millionen Besucher anziehen – auf die Erinnerung an die Feldzüge von Sakanoue no Tamuramaro gegen die damals im Norden lebenden Stämme zurückgehen.
Diese jährlichen Matsuri werden als Neputa-Fest (jap. ねぷた祭り) in Hirosaki bezeichnet. Sie sind bekannt für ihre riesigen, bunt bemalten und von innen beleuchteten Papierfiguren, die in Prozessionen durch die Straßen getragen werden, während die Zuschauer die Träger anfeuern.
Diese Laternen sollen auf Tamuramaros Strategie während seines Feldzuges im frühen 9. Jahrhundert zurückgehen: Er habe angeordnet, große Leuchtlaternen auf Hügeln zu platzieren, um die neugierigen Emishi anzulocken und gefangen zu nehmen.
Zudem wird ihm im Azuma Kagami[6] eine Episode zugeschrieben, in der er gemeinsam mit Fujiwara no Toshihito Emishi-Räuber besiegt.[7]
Literatur
- Louis Frédéric: Japan Encyclopedia. Belknap Press of Harvard University Press, Cambridge (MA) 2002, ISBN 9780674017535. (englisch)
- Paul L. Swanson, Clark Chilson (Hrsg.): Nanzan Guide to Japanese Religions. University of Hawaii Press, Honolulu 2005, ISBN 9780824830021. (englisch)
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Louis Frédéric: Japan Encyclopedia. Harvard University Press (Belknap Press), Cambridge, Massachusetts 2002, ISBN 978-0-674-01753-5, S. 812 (englisch, Online bei Google Books in der Google-Buchsuche).
- ↑ Ellen Van Goethem: The Status of Descendants of the Baekje Kingdom during Emperor Kanmu’s Reign (PDF). In: Korea Journal. 2007, abgerufen am 9. November 2025 (englisch).
- ↑ Kitabatake Chikafusa: Jinnō Shōtōki – Kapitel „白石の事“ (Über Shiraishi). In: Digitalisierte Ausgabe der University of Toronto – Cheng Yu Tung East Asian Library. 1. Januar 1914, abgerufen am 9. November 2025 (japanisch).
- ↑ Paul L. Swanson, Clark Chilson (Hrsg.): Nanzan Guide to Japanese Religions. University of Hawai‘i Press, Honolulu 2005, ISBN 978-0-8248-3002-1 (englisch, Online bei Google Books in der Google-Buchsuche).
- ↑ Louis Frédéric: Japan Encyclopedia. Harvard University Press (Belknap Press), Cambridge, Massachusetts 2002, ISBN 978-0-674-01753-5, S. 533 (englisch, Online bei Google Books in der Google-Buchsuche).
- ↑ The Azuma Kagami. In: National Archives of Japan. Abgerufen am 9. November 2025 (japanisch, Ort: Tokio).
- ↑ Noriko T. Reider: Seven Demon Stories from Medieval Japan. University Press of Colorado, Boulder, Colorado 2016 (englisch, Online bei Google Books in der Google-Buchsuche).