Saint-Pierre-Apôtre (Montreal)

Saint-Pierre-Apôtre ist ein dem Apostel Petrus geweihtes römisch-katholisches Kirchengebäude in der kanadischen Stadt Montreal im Arrondissement Ville-Marie, gelegen zwischen dem Boulevard René Lévesque und der Rue Sainte-Catherine.

Geschichte

Der über einen großen Grundbesitz verfügende Pierre Beaudry (1774–1848) hinterließ testamentarisch den Baugrund für eine außerhalb der Stadt Montreal gelegene Kirche, die seinem Namenspatron gewidmet sein sollte. Bereits 1841 war von dem Montrealer Bischof Ignace Bourget die Missionskongregation der Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria nach Montreal berufen worden, denen Gründung und Betreuung der Kirche in der vorwiegend von der Arbeiterschaft geprägten Umgebung übertragen wurde. Die Hälfte der Kosten für den Kirchenbau übernahm der Gründer der Missionskongregation und Erzbischof von Marseille, Eugène de Mazenod. Die Grundsteinlegung der Kirche erfolgte am 29. Juni 1851. Mit dem Bau wurde der Architekt Victor Bourgeau beauftragt, der nachfolgend auch die Basilika Notre-Dame und die Kirche Saint-Jacques in Montreal errichten sollte. Erst am 10. Oktober 1900 etablierte Erzbischof Paul Bruchési an der Kirche eine selbständige Pfarrei.

Architektur

In neugotischen Bauformen errichtete dreischiffige Basilika mit vorgesetztem, in einem dreigeschossigen Steilhelm endenden, von Strebepfeilern gegliederten Einturm, das Turmportal mit Maßwerwimperg ausgestattet, das im Zentrum ein aufgeschlagenes Buch mit Tiara und Schlüsseln Petri des Papstwappens zeigt, überhöht von der Statue des hl. Petrus mit dem Hahn der Verleugnung des Petrus Mk 14,66–72 . Die jochweise übergiebelten Seitenschiffe sind durch ein offenes Strebewerk mit dem Hauptschiff verbunden.

Der Kirchenraum ist, wie im englischen Decorated Style üblich, mit Scheitel- und Flechtrippen kreuzrippengewölbt. Der zweigeschossige Wandaufbau über den von Bündelpfeilern getragenen Scheidarkaden besitzt eine umlaufende vorkragende Galerie. Die von einem Sterngewölbe überdeckte Apsis schließt in einem 5/10-Polygon.

Ausstattung

Wie kaum eine andere der Montrealer Kirchen hat Saint-Pierre-Apôtre ihre vollständige künstlerische Ausstattung bewahrt. Der Entwurf der Altäre stammt von ihrem Architekten Victor Bourgeau, das Flachrelief des Altares schuf 1873 Louis Jobin. Zwei weitere Marmoraltäre schuf 1931 der Montrealer Künstler Guido Nincheri.

Glasfenster

Die Glasfenster von 1853/54 im Chor, darstellend den Hl. Petrus zwischen vier Evangelisten sowie im Vorchorjoch die Erzengel Michael und Raphael, sind Werke von Charles-François Champigneulle aus dem lothringischen Bar-le-Duc, die Glasfenster der Seitenschiffe entstanden 1883. Ein Tondo in der Chapelle de l'Espoir zeigt die Vision der 1864 von Papst Pius IX. seliggesprochenen Margareta Maria Alacoque. Die Obergadenfenster mit Szenen aus dem Leben Jesu wurden 1902 von Delphis-Adolphe Beaulieu aus Montreal geschaffen.

Glockenspiel

Der Kirchturm besitzt ein Glockenspiel von dreizehn Bronzeglocken der Glockengießerei Paccard in Quintal bei Annecy in Frankreich. Nachdem beim Transport von Frankreich das Schiff am 23. Juli 1890 vor der bretonischen Küste bei Saint-Nazaire gesunken war, konnten die Glocken jedoch geborgen werden, um schließlich am 9. November 1890 in Montreal installiert zu werden.

Orgel

1858 erhielt die Kirche ihre erste Orgel mit 23 Registern von Samuel Russell Warren. 1908 wurde dieses Instrument durch die Orgelbaufirma Casavant Frères als deren opus 316 ersetzt, wobei elf Register übernommen wurden. 1994/95 erfolgte eine Restaurierung durch Guilbault-Thierien, der dabei sieben der ursprünglichen Register ersetzte.[1]

I Positif expressif C–c4
1. Gambe 16′
2. Principal 08′
3. Salicional 08′
4. Mélodie 08′
5. Flûte douce 04′
6. Violina 04′
7. Picolo 02′
8. Plein Jeu II–IV
9. Cromorne 08′
Tremulant
II Grand Orgue C–c4
10. Montre 16′
11. Montre 08′
11. Principal 08′
12. Flûte double 08′
13. Gambe 08′
14. Bourdon 08′
15. Flûte harmonique 04′
16. Prestant 04′
17. Quinte 223
18. Doublette 02′
19. Fourniture V
20. Trompette 16′
21. Trompette }
22. Clairon 04′
III Récit expressif C–c4
23. Bourdon 16′
24. Principal 08′
25. Flûte harmonique 08′
26. Viole de Gambe 08′
27. Voix céleste 08′
28. Bourdon 08′
29. Flûte octaviante 04′
30. Fugura 04′
31. Octavin 02′
32. Plein Jeu III
33. Sesquialtera II
34. Basson 16′
35. Hautbois-basson 08′
36. Trompette 08′
37. Voix humaine 08′
38. Clarion 08′
Tremulant
IV Solo expressif C–c4
39. Violoncelle 08′′
40. Flûte traverse 04′
41. Piccolo harmonique 02′
42. Plein Jeu IV
43. Musette 16′
44. Trompette harmonique 08′
Tremulant
Pédale C–g1
45. Flûte ouverte 32′
46. Flûte 16′
47. Principal (aus II) 16′
48. Bourdon 16′
49. Contrebasse 16′
50. Flûte 08′
51. Bourdon 08′
52. Violoncelle 08′
53. Flûte 08′
54. Bombarde 16′
55. Trompette 08′
56. Clairon 04′
Normalkoppeln: II/I, III/I, III/II, IV/I, IV/II, IV/III, I/P, II/P, III/P, IV/P
Suboktavkoppeln: II/I, II/II
Superoktavkoppeln: II/I, II/II

Einzelnachweise

  1. Angaben zur Orgel auf der Website musiqueorguequebec

Literatur

  • André Croteau, Les belles églises du Québec: Montréal. Saint-Laurent, Édition du trécarré, 1996, S. 40–45. ISBN 2-89249-662-4
Commons: Église Saint-Pierre-Apôtre de Montréal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 45° 31′ 6,6″ N, 73° 33′ 11,5″ W