Jugoslawische Armee

Die Jugoslawische Armee (serbokroatisch Југословенска војска Jugoslovenska vojska), bis Oktober 1929 Armee des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen (serbokroatisch Војска Краљевине Срба, Хрвата и Словенаца Vojska Kraljevine Srba, Hrvata i Slovenaca), stellte die Landstreitkräfte des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen (1918–1929) sowie des Königreichs Jugoslawien (1929–1941) dar.[1]

Als Ergebnis des Balkanfeldzugs kapitulierte die Jugoslawische Armee am 17. April 1941. Ab Juni 1941 wurde eine Exilarmee in Ägypten aufgestellt. Außerdem nahmen viele Veteranen der Jugoslawischen Armee als Teil der kommunistischen Volksbefreiungsarmee, der serbisch-nationalistischen Tschetnik-Bewegung, der Kroatischen Heimwehr, der Slowenischen Heimwehr oder anderer Fraktionen auf verschiedenen Seiten am Partisanenkrieg in Jugoslawien teil.[1]

Organisationsgeschichte

Gründung

Die Jugoslawische Armee ging im Dezember 1918 hauptsächlich aus dem Serbischen Heer hervor.[1] Die neue Streitmacht stellte hierbei eine Fusion aus den serbischen Streitkräften, die 1918 insgesamt 145.225 Soldaten aller Dienstgrade umfassten, und den Truppen des im zusammenbrechenden Habsburgerreich entstandenen Nationalrats der Slowenen, Kroaten und Serben dar, dem ~15.000 Soldaten die Treue hielten, dar. Das serbische Heer hatte im November 1918 aus sechs Infanterie- und einer Kavalleriedivision bestanden und war als Teil der Entente-Streitmächte an der Salonikifront.[2.1]

Nicht alle Soldaten der späteren königlichen Armee waren mit der Proklamation eines Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen am 1. Dezember 1918 einverstanden. In Zagreb rebellierten Soldaten des 25. Heimwehrregiments und des 53. Infanterieregiments des ehemaligen Habsburgerheeres, die als politische Staatsform für einen südslawischen Staat eine Republik forderten. Diesen Rebellen traten kroatische Seeleute sowie kroatische Ableger der Sokol-Bewegung entgegen. Als Resultat der Rebellion wurden alle Regimenter des ehemaligen Habsburgerreiches, die intakt zur jugoslawischen Armee übergelaufen waren, bis zum Jahreswechsel 1918/1919 restlos aufgelöst.[2.2]

Mit der Aufstellung der Regierung des neuen Königreichs am 20. Dezember 1918 wurde auch gemeinsames Ministerium der Armee und der Flotte geschaffen. Das vormalige Oberkommando der serbischen Armee wurde zum neuen Oberkommando der königlichen Armee. Das Ministerium begann Mitte Januar 1919, eine neue Heeresstruktur auszuarbeiten. Bis Ende 1921 wurde die Armee umgruppiert, sodass sie fortan aus sechzehn Infanteriedivisionen in vier nummerierten Armeen mit Hauptquartieren in Novi Sad (1. Armee), Sarajevo (2. Armee), Skopje (3. Armee) und Zagreb (4. Armee) bestand. Jede Armee erhielt ein schweres Artillerieregiment und ein Haubitzenregiment, jede Infanteriedivision bekam ein Feldartillerieregiment zugewiesen. Als Rekrutierungsmaßnahme hatte das Königreich ein System der Wehrpflicht, um die Friedensstärke von 140.000 Mann zu erhalten. Nachdem sich die heftige Rivalität der unmittelbaren Nachkriegszeit mit dem Königreich Italien im Jahr 1922 beruhigte, wurde die Friedensstärke auf 100.000 Mann abgesenkt.[2.2]

Im März 1919 wurde die jugoslawische Luftwaffe gegründet, die zunächst aus einem Luftwaffenoberkommando, einer Pilotenschule, einem Arsenal und vier Fliegerstaffeln bestand, wobei jede Armee eine Staffel zugewiesen bekam. Die Heimatflugplätze der Staffeln wurden an den Städten der jeweiligen Armeekommandos errichtet.[2.3] Den Befehl der Luftwaffe übernahm der ehemalige Luftwaffenchef des Habsburgerreiches Emil Uzelac.[2.4]

Auch eine kleine königliche Marine wurde Mitte des Jahres 1919 gegründet, verfügte jedoch zunächst über keine Schiffe. Erst in der Form von Kriegsreparationen (Vertrag von Saint-Germain) erhielt die jugoslawische Flotte vier Monitore und 12 Torpedoboote.[2.3]

Konflikte der Gründungszeit

Die Aufgabe der jugoslawischen Streitkräfte unmittelbar nach dem Waffenstillstand von Villa Giusti war es, die jugoslawischen Grenzansprüche gegenüber Österreich und Ungarn durchzusetzen, die Grenzen zu Albanien und Bulgarien zu stabilisieren und Grenzrevisionen durch die vorrückenden italienischen und rumänischen Armeen zu verhindern. Vom Waffenstillstand bis zum 10. September 1919 waren die königlichen Truppen in den Kärntner Abwehrkampf entlang der österreichischen Grenze verwickelt. Außerdem marschierten jugoslawische Verbände im Jahr 1921 an der Grenze zu Ungarn auf, um die Restauration von Karl von Habsburg als König Ungarns zu verhindern. Außerdem waren jugoslawische Truppen in kleinere Grenzzwischenfälle entlang den Grenzen mit Albanien und Bulgarien verwickelt.[2.3]

Heeres- und Flottengesetz von 1923

Mit einem neuen Gesetz des Heeres und der Flotte im Jahr 1923 wurden alle Staatsbürger zwischen 21 und 50 Jahren für wehrdienstpflichtig erklärt, wobei die 21- bis 40-jährigen in der regulären Armee und die 40- bis 50-jährigen in einer Reservekomponente Dienst tun sollten. Die Dienstzeit eines Wehrpflichtigen wurde auf 18 Monate festgesetzt. Der bisher alleinstehende Generalsrang wurde auf drei abgestufte Generalsdienstgrade diversifiziert.[2.3] Erstmals wurde der Chef des jugoslawischen Generalstabs explizit dem Armeeministerium unterstellt, über dessen Wünsche er sich zuvor hatte hinwegsetzen können.[2.5]

Situation zu Kriegsausbruch 1941

Zum Zeitpunkt des Angriffs der Achsenmächte auf Jugoslawien war das Königreich in acht Heeresdistrikte eingeteilt. Innerhalb von drei verschiedenen Heeresgruppen waren fünf Armeen sowie die 3. Territorialarmee verteilt. Darüber hinaus gab es eine 5. Armee, eine 6. Armee und eine Küstenarmee, die keiner der Heeresgruppen unterstellt waren. Die Heeresgruppe 1 unter Armeegeneral Milorad Petrović verteidigte den Nordteil des Landes mit der 7. Armee in Slowenien und der 4. Armee in Kroatien-Slawonien. Die Heeresgruppe 2 unter Armeegeneral Milutin Nedić war im Osten des Landes disloziert und verfügte über die 2. Armee in Ostkroatien sowie die 1. Armee in der Vojvodina und in Zentralserbien. Die Heeresgruppe 3 unter Milan Nedić war im Süden und Südosten des Landes aufgestellt und verfügte über die 3. Armee entlang der albanischen Grenze sowie die 3. Territorialarmee in Nordmazedonien. Die 5. und 6. Armee waren in Serbien aufgestellt.[1]

Die Jugoslawische Armee verfügte zum Zeitpunkt des Kriegsausbruchs über 28 Infanteriedivisionen, die aus 16 Friedensdivisionen und 12 Mobilisierungsdivisionen bestand. Die Friedensdivisionen waren die 3., 5., 7., 9., 10., 12., 15., 17., 20., 25., 27., 30., 31., 38., 46., und 50. Division, die Mobilisierungsdivisionen waren die 1., 8., 13., 22., 32., 33., 34., 40., 42., 44., 47. und 49. Division. Jeder der Divisionen trug außer ihrer Ordinalzahl noch eine Bezeichnung, die sich üblicherweise aus einer nahegelegenen Ortschaft oder geographischen Region ableitete. Jede Infanteriedivision bestand aus drei Infanterieregimentern, einem Artillerieregiment und einem Kavalleriebataillon. Jedes der Infanterieregimenter bestand aus drei Bataillonen zu jeweils vier Kompanien.[1]

Außer den 28 Infanteriedivisionen gab es noch drei Kavalleriedivisionen, die von 1 bis 3 durchnummeriert waren und aus jeweils zwei Kavalleriebrigaden zu je zwei Regimentern bestanden, die durch verschiedene Divisionstruppen unterstützt wurden.[1]

Kriegsgliederung der jugoslawischen Armee, 6. April 1941

Kriegsgliederung der jugoslawischen Armee, 6. April 1941[1]
Heeresgruppe Armee Divisionen und Abteilungen
Reservekommando (Belgrad) Strategische Reserve 1. Division „Cerska“, 33. Division „Lička“, 44. Division „Unska“ (Bihać), 47. Division „Dinarska“
Küstenarmee (Kotor) 12. Division „Jadranska“ (Mostar), Festungskommando Šibenik, Festungskommando Boka Kotor, Abteilung „Čaplinski“, Abteilung „Trebinje“
Heeresgruppe 1 (Zagreb) 4. Armee (Zagreb) 27. Division „Savska“ (Zagreb), 40. Division „Slavonska“ (Slavonski Brod), 42. Division „Murska“ (Varaždin), Abteilung „Ormoski“
7. Armee (Ljubljana) 32. Division „Triglavska“ (Celje), 38. Division „Dravska“ (Ljubljana), 1. Kavalleriedivision, Abteilung Lička (Planina), Gebirgsabteilung Risnjački (Ribnica), Gebirgsabteilung Triglavski (Bistrica)
Heeresgruppe 2 (Sremska Mitrovica) 1. Armee (Novi Sad) 7. Division „Potiska“ (Subotica), 3. Kavalleriedivision, Abteilung „Secanski“, Abteilung „Somborski“, Abteilung „Žabalski“
2. Armee (Sarajevo) 10. Division „Bosanska“ (Sarajevo), 17. Division „Vrbaska“ (Banja Luka), 30. Division „Osijek“ (Osijek)
Heeresgruppe 3 (Skopje) Heeresgruppenreserve 22. Division „Ibar“
3. Armee 13. Division „Hercegovačka“, 15. Division „Zetska“ (Cetinje), 25. Division „Vardarska“ (Podgorica), 31. Division „Kosovska“ (Pristina), Kavallerieabteilung „Komski“
3. Territorialarmee 5. Division „Šumadiska“, 20. Division „Bregalnica“, 46. Division „Moravska“, Abteilung „Strumički“
direkt unter Oberkommando 5. Armee 8. Division „Krajina“, 9. Division „Timočka“ (Zaječar), 34. Division „Toplička“, 50. Division „Drinska“, 2. Kavalleriedivision, Abteilung „Kalinski“, Abteilung „Vlasinski“
6. Armee (Belgrad) 3. Division „Dunavska“ (Belgrad), 49. Division „Sremska“ (Sremska Mitrovica), Abteilung „Braničevski“, Abteilung „Požarevačka“, Abteilung „Smederevski“, Abteilung „Banatski“, Abteilung „Savski“

Balkanfeldzug

Ab dem 6. April begann der Balkanfeldzug der Achsenmächte. An der Nordfront durchschlugen die Deutschen am zweiten Gefechtstag die Abwehrstellungen der Rupnik-Linie und zerschlugen die 38. Division Dravska. Bereits am dritten Tag des Feldzugs war der Großteil Sloweniens in deutscher Hand, weshalb die slowenische 32. Division „Triglavska“ sowie die in kroatischen Divisionen 27 „Savska“ und 40 „Slavonska“ bereits massive Auflösungserscheinungen zeigten. Am 9. April drangen die Deutschen in Kroatien ein und bereiteten den Einmarsch in Zagreb vor, wobei die 40. Division „Slavonska“ praktisch zerschlagen wurde. Am 10. April begann der Einmarsch der Achsenmächte aus Ungarn, wobei Varaždin besetzt wurde. Am 11. April nahmen deutsche Truppen die Städte Celje, Karlovac und Osijek in Slowenien und Kroatien ein, während die Italiener Ljubljana besetzten. Am 13. April war die italienische Besetzung der Halbinsel Istrien abgeschlossen. Am 14. April nahmen die Deutschen Valjevo und Kraljevo ein, während die Italiener bei Knin der 12. Division „Jadranska“ eine schwere Niederlage zufügten. Am gleichen Tag besetzten ungarische Truppen den Großteil der Vojvodina. Am 16. April folgte die italienische Besatzung der Städte Metković, Sarajevo und Mostar sowie am 17. April der Einmarsch der Italiener in Trebinje und Dubrovnik.[1]

Entlang der Westküste ging die jugoslawische 12. Division „Jadranska“ am 9. April in die Offensive gegen die italienische Exklave Zara an der kroatischen Küste. Die Belagerung der 12. Division wurde jedoch am 13. April von den Italienern gebrochen. Am 15. April besetzten die Italiener die kroatischen Küstenstädte Split und Šibenik.[1]

Im Osten rückten deutsche Truppen am 11. April in Kragujevac und Pancevo ein, während die Ungarn ihren Angriff auf Baranja und Batschka eröffneten. Am 12. April eroberten die Deutschen Belgrad und die Ungarn Novi Sad.[1]

Im Süden zerschlugen die Deutschen am 7. April die Divisionen 20 „Bregalnička“, 22 „Ibarska“ und 46 „Moravska“ in Mazedonien. Zeitweise gingen die jugoslawischen Truppen entlang der albanischen Grenze in die Offensive; am 8. April drangen die Divisionen 15 „Zetska“, 25 „Vardarska“ und 31 „Kosovska“ im von den Italienern in Personalunion kontrollierten Königreich Albanien ein. Am gleichen Tag erlitt die 34. Division „Toplička“ in Mazedonien gegen die Deutschen eine schwere Niederlage. Die 25. Division „Vardarska“ kapitulierte bereits am Folgetag vor den Deutschen und Italienern. Ebenfalls am 9. April nahmen die Deutschen Bitola ein. Am 10. April erfolgte der Einmarsch deutscher Truppen aus dem mit Deutschland verbündeten Rumänien im Westbanat und die Besetzung der Großstadt Nis. Am 11. April ging die Division 5 „Šumadiska“ in deutsche Gefangenschaft. Am 12. April eroberten die Deutschen Prizren im Kosovo sowie am 15. April Užice in Serbien. Ebenfalls am 15. April vertrieben die Italiener die Divisionen 13 „Hercegovačka“ und 15 „Zetska“ aus Albanien. Bei Sokobanja wurde am gleichen Tag die 34. Division „Toplička“ zerschlagen.[1]

Am 15. April nahmen deutsche Truppen das jugoslawische Oberkommando bei Zvornik gefangen.[1]

Auflösung

Teile der jugoslawischen Armee gingen nahtlos in den Dienst der Achsenmächte über. Die Stäbe und Hauptquartiere von mehrheitlich kroatischen Verbände wie die 27. Division Savska, die 17. Division Vrbaska und die 30. Division „Osijek“ wurden lückenlos in die militärische Infrastruktur des mit Deutschland und Italien verbündeten und von den faschistischen Ustascha geleiteten Unabhängigen Staates Kroatien übernommen.[3.1]

Ausrüstung

Die jugoslawische Armee hatte zur Gründung mit dem logistischen Problem einer vielfältigen Ausrüstung zu kämpfen, da sich neben den Beständen des im Krieg schwer angeschlagenen serbischen Heeres auch Beutewaffen aus österreichischen und bulgarischen Beständen in den Arsenalen Jugoslawiens befanden. Während eine der vier jugoslawischen Armeen Gewehre französischen Typs nutzte, verwendeten die anderen drei österreichische Gewehre. Ein im Jahr 1923 zugesagtes und im Jahr 1927 verliehenes Kreditpaket der mit dem SHS-Königreich verbündeten französischen Regierung sollte bei den Importen von Militärmaterial helfen. Enge Verbindungen zur Tschechoslowakei, die gemeinsam mit Jugoslawien ein Mitglied der Kleinen Entente war, brachte Artilleriegeschütze aus den Škoda-Werken in die Dienste der jugoslawischen Heeresverbände. Auch das Durcheinander der Infanteriewaffen konnte im Verlauf der 1920er-Jahre durch die Einführung des Mauser Modell 98-Derivats »M24« graduell behoben werden. Dieses zunächst aus der Tschechoslowakei sowie aus Belgien importierte Gewehr wurde am 1928 durch den Aufbau einer Fabrik in Kragujevac auch im Inland produziert.[2.6]

Die Fahrzeuge des jugoslawischen Heeres bestanden zum Gründungszeitpunkt aus einem zusammengewürfelten Portfolio verschiedener österreichisch-ungarischer und bulgarischer Beutefahrzeuge, einiger Restbestände des Entente-Heeres der Salonikifront und amerikanischer Fahrzeuge sowie einiger deutscher Kriegsreparationslieferungen. Erst ab 1929 begann die jugoslawische Armee, Panzer und Panzerwagen zu importieren.[2.6]

Die jugoslawische Luftwaffe erhielt nach einem großen Waffendeal mit Frankreich im Jahr 1925 eine Lieferung von 150 Flugzeugen der Typen Breguet 19 sowie einiger Aufklärungsflugzeuge.[2.6]

Führungskultur

Dienstgrade

Der höchste Dienstgrad der Jugoslawischen Armee war der Marschallsrang (»Woiwode«), der jedoch zu Beginn des Zweiten Weltkriegs nur vom in Ruhestand befindlichen serbischen General des Ersten Weltkriegs Petar Bojović gehalten wurde. Darunter folgten die Dienstgrade Armeegeneral, Divisionsgeneral, Brigadegeneral, Oberst, Oberstleutnant, Major, Hauptmann 1. Klasse, Hauptmann 2. Klasse, Leutnant, Unterleutnant, Feldwebel 1. Klasse, Feldwebel 2. Klasse, Feldwebel 3. Klasse, Unteroffizier, Korporal, Obergefreiter und Gefreiter.[1]

Der König und die »Weiße Hand«

Der Prinzregent und spätere König Alexander I. von Jugoslawien war fest entschlossen, die regelmäßige Interferenz der serbischen Armee in der Staatspolitik, wie sie vor 1914 üblich gewesen war, nicht mehr zu dulden. Bereits im Juli 1917 hatte der Prinzregent die Offiziersverbindung »Schwarze Hand«, die das Attentat von Sarajevo zu verantworten hatte, eliminieren lassen. Alexander baute sich in der Armee eine Clique von getreuen Offizieren auf, die invers zur Schwarzen Hand den Namen »Weiße Hand« bekam. Mitglieder der Weißen Hand führten ab 1926 kontinuierlich das Kriegsministerium.[2.7]

Rolle des Generalstabschefs

Da die jugoslawische Armee auf dem Vorschriftenwesen der serbischen Armee aufbaute, war der jugoslawische Generalstabschef gemäß der serbischen Generalstabsregularien vom Dezember 1902 besonders stark. Der Generalstabschef hatte das Recht, ohne Einmischung des Kriegsministeriums direkt mit dem König über militärische Angelegenheiten zu konferieren. Erst mit dem Heeres- und Flottengesetz von 1923 wurde der Generalstabschef dem Kriegsministerium unterstellt.[2.5]

Offizierskorps

Bis 1920 traten der Armee 6574 Offiziere bei, von denen 3500 aus der serbischen, 2590 aus der österreichisch-ungarischen, 469 aus der montenegrinischen, zwölf aus der russischen und drei aus der albanischen Armee stammten.[2.8] Diese Kriegsveteranen schieden sukzessive langsam aus dem Dienst aus; im Jahr 1933 verblieben noch 1775 serbische und 950 österreichisch-ungarische Offiziersveteranen in der jugoslawischen Armee.[2.9] Zur Gründung verfügte die jugoslawische Armee über 43 serbische und 32 österreichisch-ungarische Generalstabsoffiziere. Zwischen den Offizieren verschiedener Armeen gab es zudem Bildungsunterschiede: Die montenegrinischen Offiziere galten als besonders schlecht ausgebildet, da die montenegrinische Armee vor 1914 auf einem Milizsystem mit nur kurzen Ausbildungszeiten beruht hatte; der montenegrinische General Lakić Vojvodić hatte als Schulbildung nur einen Grundschulbesuch vorzuweisen. Die Zahl von 6574 Offizieren, von denen viele aufgrund der großen Rekrutierungswellen und hohen Verluste des Ersten Weltkriegs nur unzureichend ausgebildet oder ohne jede Offiziersausbildung aus niedrigeren Dienstgraden in die Offiziersränge befördert worden waren worden waren, war im Vergleich zu den 8864 Planstellen deutlich zu niedrig. Dieses Defizit von 2290 Offizieren wuchs bis 1924 noch weiter auf 2886.[2.8]

Die Flotte stellte insofern einen Sonderfall dar, dass die jugoslawische Marine ausschließlich aus ehemaligen Marineoffizieren des Habsburgerreiches bestand. 269 ehemalige Flottenoffiziere Österreich-Ungarns meldeten sich zu den jugoslawischen Fahnen, von denen drei (Dragutin Preca, Viktor Wickerhauser, Metod Koch) Admiräle gewesen waren.[2.4]

Die Nationalitätenkonflikte Jugoslawiens zeigten sich auch in der Armee. Unter kroatischen Nachwuchsoffizieren waren Sympathien für die faschistischen Ustascha-Separatisten verbreitet. Die serbischen Offiziere, die deutlich niedrigere Bildungsniveaus vorzuweisen hatten als ihre im Habsburgerreich ausgebildeten kroatischen Gegenstücke, fühlten sich wiederum aufgrund schulischer Nachteile um einen Karriereaufstieg betrogen, der ihnen ihrer Sicht nach aufgrund ihrer Beiträge zum Sieg 1918 hätte zustehen müssen.[2.10]

In den Jahren 1928/1929 schickte der König allein bis Frühjahr 1929 insgesamt 33 Generäle in den Ruhestand, um mit der Heerespolitik unzufriedene Teile der Armeeführung auszuschalten. Zwischen April und Mai 1929 wurden weitere 81 hohe Offiziere (ein Brigadegeneral, 41 Oberste, 26 Oberstleutnante, 10 Majore) in den Ruhestand versetzt. Die Generäle der Weißen Hand, die der königlichen Linie auch während der Errichtung der königlichen Diktatur im Jahr 1929 stets folgten, profitierten; Generäle wie Petar Živković und Stevan Hadžić bekamen zur Belohnung für ihre Loyalität hohe Ämter im Staat. Generäle wie Milan Nedić, Milutin Nedić, Ljubomir Marić, Petar Kosić und Dušan Simović passten sich der neuen Zeit an, um ihre Karrieren fortsetzen zu können.[2.11]

Doktrin

Die militärische Doktrin der jugoslawischen Armee war in den Grundzügen auf der französischen Doktrin der Zwischenkriegszeit aufgebaut, die auf den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs aufbauend statische Artillerieüberlegenheit betonte. Die alte serbische Vorkriegsdoktrin einer Manöverkriegsführung wurde dagegen verworfen. Die französische Doktrin war aber für Jugoslawien wenig geeignet, da seine Grenzen zu lang und seine Bevölkerungsdichte zu niedrig für Verteidigung nach Art der Grabenkriegsführung waren. Trotz Warnungen dieser Art von Offizieren wie Oberst i. G. Danilo Kalafatović beharrte König Alexander auf der französischen Doktrin, die er auch von französischen und britischen Verbindungsoffizieren in der jugoslawischen Armee verbreiten ließ. Ab 1928 lehrten französische Ausbilder an der Artillerieschießschule und der Artillerieinspektion, nachdem Frankreich und Jugoslawien im Dezember 1927 einen Freundschaftsvertrag geschlossen hatten. Im Jahr 1929 versetzte der König viele kriegsgediente serbische Offiziere, die sich der Doktrin widersetzten, in den Ruhestand.[2.12]

Der ab 1930 in Belgrad verweilende französische Militärattaché Louis-Gabriel Lepetit vertiefte die direkten Verbindungen zwischen dem französischen Militär und der jugoslawischen Staatsführung noch weiter, indem er mehrere persönliche Gespräche mit dem König führte, der sich auch über seinen Armeeminister hinweg für eine stärkere französische Linie in der jugoslawischen Armee aussprach. Ab 1930 gehörten Französisch-Kenntnisse zu den Voraussetzungen für die Offizierslaufbahn. Die französischen Lehrer blieben bis 1936 in der jugoslawischen Armee, die die statische Art der Artilleriekriegsführung völlig verinnerlichte. Die Heeresmanöver des Jahres 1937 ernteten den Spott des deutschen Militärattachés Moritz von Faber du Faur, der zwar das Personal der jugoslawischen Armee lobte, ihr aber eine schwache und übervorsichtige Führung diagnostizierte.[2.13]

Siehe auch

Literatur

  • Dalibor Denda: The Royal Yugoslav Army: Foundation, Organization, Problems. In: Michael Epkenhans (Hrsg.): Lessons Learnt?: The Impact of the Great War and the Paris Peace Conference on the Military — a Global Perspective. ZMSBw, Potsdam 2024, ISBN 978-3-941571-54-9, S. 43–54 (englisch).
  • Nigel Thomas: Yugoslav Armies 1941–45. Osprey Publishing, Oxford 2022, ISBN 978-1-4728-4204-6 (englisch).

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j k l m Nigel Thomas: Yugoslav Armies 1941–45. Osprey Publishing, Oxford 2022, ISBN 978-1-4728-4204-6 (englisch).
  2. Dalibor Denda: The Royal Yugoslav Army: Foundation, Organization, Problems. In: Michael Epkenhans (Hrsg.): Lessons Learnt?: The Impact of the Great War and the Paris Peace Conference on the Military — a Global Perspective. ZMSBw, Potsdam 2024, ISBN 978-3-941571-54-9, S. 43–54 (englisch).
    1. S. 43.
    2. a b S. 44.
    3. a b c d S. 45.
    4. a b S. 49.
    5. a b S. 51.
    6. a b c S. 46.
    7. S. 50–51.
    8. a b S. 48.
    9. S. 50.
    10. S. 49–50.
    11. S. 52.
    12. S. 51–52.
    13. S. 53.
  3. Davor Marijan: Lipanjski ustanak u istočnoj Hercegovini 1941. godine. In: Časopis za suvremenu povijest. Band 35, Nr. 2. Zagreb 26. Februar 2003, S. 545–576 (kroatisch, srce.hr).
    1. S. 545–546.