Südlicher Übergangsrat

Der Südliche Übergangsrat (STC, auch Südübergangsrat; arabisch المجلس الانتقالي الجنوبي, DMG al-Maǧlis al-Intiqālī al-Ǧanūbī) war eine jemenitische politische und militärische Organisation mit Sitz in Aden, die von ihrer Gründung im Jahr 2017 bis zu ihrer Auflösung im Jahr 2026 existierte. Sie entstand als eine Fraktion der Südbewegung und forderte die Abspaltung eines geplanten föderalen „Staates Südarabien“ vom Rest des Landes entlang der Grenzen des ehemaligen Südjemen. Der Name war von der britisch gegründeten Föderation Südarabien inspiriert. Die Organisation wurde von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt.

Der Rat wurde am 11. Mai 2017 vom ehemaligen Gouverneur des Gouvernements Aden und Vorsitzenden Aidarus al-Zubaidi gegründet, mit dem ehemaligen Staatsminister und militanten salafistischen Islamisten Hani bin Burayk als Vizepräsident. Die Bildung des Rates wurde eine Woche zuvor durch die „Historische Erklärung“ autorisiert, die auf einer Kundgebung gegen die Absetzung al-Zuubaidis als Gouverneur verkündet wurde. Der Südliche Übergangsrat (STC), eine der Hauptparteien im jemenitischen Bürgerkrieg, kontrollierte einst das gesamte Gebiet des ehemaligen südjemenitischen Staates. Zu den 26 Mitgliedern des STC gehörten die Gouverneure von fünf südlichen Gouvernements und zwei Regierungsminister.

Im April 2022 trat der Südliche Übergangsrat dem Präsidialen Führungsrat bei, nachdem der damalige jemenitische Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi zurückgetreten war und die präsidialen Befugnisse an das neu gegründete Gremium übertragen hatte. STC-Chef Aidarus al-Zubaidi wurde Vizepräsident der neuen Regierung. Durch eine interne Umstrukturierung im Mai 2023 konnte der STC seinen Einfluss im Rat auf drei der acht Mitglieder ausbauen.

Bis Januar 2026, nach einer gescheiterten Offensive gegen die jemenitische Regierung, hatte der STC den größten Teil seines Territoriums, einschließlich seiner Hauptstadt Aden, verloren. Infolgedessen floh STC-Anführer Zubaidi in die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Auflösung des Rates wurde am 9. Januar von Mitgliedern auf einer Konferenz in Riad verkündet, was jedoch später am selben Tag von einem Sprecher dementiert wurde.

Kontext

Anfänge

1914 teilten das Vereinigte Königreich und das Osmanische Reich im Anschluss an den britisch-osmanischen Vertrag 1913 die Arabische Halbinsel in zwei Teile, den Nordwesten unter osmanischer und den Südosten unter britischer Kontrolle und Einfluss. Großbritannien gründete 1937 die Kolonie Aden und 1959 die Föderation der Emirate von Südarabien, die sich 1963 zur Föderation Südarabien weiterentwickelte. Nach einem bewaffneten Aufstand zogen sich die britischen Truppen im November 1967 aus dem Südjemen zurück, was zur Unabhängigkeit der Volksrepublik Südjemen führte, die 1970 zur Demokratischen Volksrepublik Jemen wurde. Die Demokratische Volksrepublik Jemen und die benachbarte Arabische Republik Jemen fusionierten im Mai 1990 zur Republik Jemen. Südliche Separatisten riefen im Mai 1994 eine Demokratische Republik Jemen aus, der Sezessionsversuch wurde jedoch im Juli desselben Jahres niedergeschlagen.

Der Südjemen war bis 1990 der einzige arabische Staat mit marxistischer Orientierung. 1990/91 zerfiel der Ostblock, der Warschauer Pakt löste sich auf, die Sowjetunion zerfiel und deren letzte drei verbliebenen Unionsrepubliken (Russland, Ukraine und Belarus) lösten sie im Dezember 1991 auf (Belowescher Vereinbarungen). Schon vor dem Fall des Eisernen Vorhangs hatte sich die Sowjetunion aufgrund wirtschaftlicher Schwäche ihre finanzielle Unterstützung zahlreicher Entwicklungsländer nicht mehr leisten können.

Der Südjemen vereinigte sich 1990 mit dem Nordjemen (vormals Jemenitische Arabische Republik), einem konservativ ausgerichteten Staat.

Südjemenitische Politiker versuchten 1994 wegen politischer und ökonomischer Probleme erfolglos, den Südjemen als 'Demokratische Republik Jemen' erneut unabhängig zu erklären. Die zunächst demokratische Öffnung in der vereinten Republik Jemen endete mit dem Bürgerkrieg von 1994. Nach dem Krieg wurden hunderttausende Südjemeniten aus dem Staatsdienst und der Armee entlassen. Sie bildeten 2007 die Basis der Südbewegung, der Unabhängigkeitsbewegung im Südjemen, die den Staat in seinen Grenzen von vor 1990 wieder etablieren möchte.

Gründung

Am 27. April 2017 entließ Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi den Adener Gouverneur Aidarus al-Zubaidi und den Staatsminister Hani Bin Buraik.[1] Am 4. Mai 2017 protestierten Tausende Südjemeniten gegen diese Entscheidung in Aden.[2] Am 11. Mai 2017 wurde die Entstehung des Südübergangsrates als Parallelautorität im Südjemen proklamiert. Der Rat setzt sich vor allem aus Kräften der Südbewegung zusammen und steht für die Rückgewinnung des unabhängigen Staates in seinen Grenzen von vor 1990 ein. Am 5. Juli 2017 traf sich der Rat erstmals in Aden. Am 10. Juli 2017 erkannte der Rat Hadis Autorität an und versprach, ihn zu ersetzen, falls er das Land nicht verwalten sollte.[3] Im Oktober 2017 wurde die Nationalversammlung des Rates mit 303 Mitgliedern gegründet.[4] Am 23. Dezember 2017 fand die Eröffnungssitzung der Nationalversammlung statt, bei der Ahmad Bin Buraik zum Präsidenten gewählt wurde.[5]

Übernahme des Präsidentschaftspalastes 2018

Am 21. Januar 2018 stellte der Südübergangsrat an Präsident Hadi ein siebentägiges Ultimatum, die Regierung von Premierminister Ahmed Bin Dagher, dem Korruption vorgeworfen wurde,[6] zu entlassen und durch eine Regierung von Technokraten zu ersetzen.[7] Am 28. Januar 2018, kurz nach Ablauf des Ultimatums, übernahmen die südjemenitischen Truppen die Kontrolle über den Regierungssitz. Am 30. Januar kontrollierten diese Truppen fast die gesamte Stadt Aden.[8] Am Ende des Tages hörten die Kämpfe nach Vermittlung durch die arabische Militärkoalition auf.[9] Am Ende dieser Verhandlungen übergaben die südjemenitischen Truppen drei Militärbasen und hoben die Belagerung des Präsidentenpalastes al-Maachiq auf.[10]

Übernahme des Präsidentschaftspalastes 2019

Nach einem Angriff der Huthis auf eine Militärparade der südjemenitischen Truppen des Sicherheitsgürtels brachen Kämpfe im August 2019 zwischen südjemenitischen Truppen und Regierungstruppen in Aden aus.[11] Nach zwei Tagen der Kämpfe übernahmen südjemenitische Truppen am 10. August die Kontrolle über drei Militärkasernen und den Präsidentenpalast. Bei den Kämpfen wurden mindestens 40 Menschen getötet und 260 verletzt, darunter viele Zivilisten.[12] Am folgenden Tag führte Saudi-Arabien einen Luftangriff durch, um die Separatisten zu zwingen, sich von einer am Vortag eroberten Position zurückzuziehen.[13] Der Südübergangsrat erklärte sich bereit, einen Waffenstillstand einzugehen und versicherte in einer Erklärung, dass er bereit sei, die von Saudi-Arabien vorgeschlagenen Verhandlungen anzunehmen.[14] Am 28. August marschierten Regierungstruppen in Aden ein.[15] Doch am 29. August eroberten südjemenitische Truppen Aden zurück. Nach mehr als zwei Monaten Verhandlungen erzielte der Rat am 5. November eine Einigung mit der Hadi-Regierung in Riad. Die Einigung wird als Riad-Abkommen bezeichnet. Das Abkommen sieht unter anderem eine Regierungsbeteiligung südjemenitischer Repräsentanten vor.[16]

Ankündigung der Selbstverwaltung

Am 26. April 2020 proklamierte der Südübergangsrat die Selbstverwaltung der südjemenitischen Gouvernorate, da die Hadi-Regierung das Riad-Abkommen, das die Integration des Rates in das neue Kabinett impliziert, nicht zur Umsetzung brachte[17] und sich angesichts der gravierenden Missstände im Südjemen als handlungsunfähig erwies. Am 20. Juni übernahm der Rat auch die Kontrolle über Soqotra. Ende Juli 2020 wurde die Selbstverwaltung zurückgenommen, da Gespräche zur Neubildung des Kabinetts mit der jemenitischen Regierung in Riad stattfanden.

Seit 2025

Stand Mitte Dezember 2025 haben Kämpfer des Südlichen Übergangsrates große Teile des Südjemen erobert.[18][19] Sie kündigten ein Unabhängigkeitsreferendum für den Südteil Jemens an, das nach einer zweijährigen Übergangsfrist abgehalten werden soll. Angesichts der Geländegewinne durch den Südlichen Übergangsrat kam es zuvor zu Spannungen zwischen Saudi-Arabien, nördlicher Nachbar Jemens und Unterstützer des offiziellen Regierungsrates, und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), die den Südlichen Übergangsrat militärisch unterstützt haben. Die VAE erklärten daraufhin, ihre eigenen Truppen aus Jemen zurückzuziehen.[20]

Einzelnachweise

  1. Asharq Al-awsat: Middle-east Arab News Opinion. Abgerufen am 6. September 2020 (ukrainisch).
  2. Deutsche Welle (www.dw.com): Yemenis in south rally for independence from north | DW | 21.05.2017. Abgerufen am 6. September 2020 (britisches Englisch).
  3. Yemen’s Southern Transitional Council recognises Hadi’s authority. 10. Juli 2017, abgerufen am 6. September 2020 (britisches Englisch).
  4. UAE-backed Yemen body inaugurates National Assembly. 24. Oktober 2017, abgerufen am 6. September 2020 (britisches Englisch).
  5. Southern National Assembly holds first session in Aden. 23. Dezember 2017, abgerufen am 6. September 2020 (britisches Englisch).
  6. Yémen: des combats à l'arme lourde entre les anciens alliés d’Aden. 29. Januar 2018, abgerufen am 6. September 2020 (französisch).
  7. Southern Yemen separatists want Saudi-backed government overthrown. In: Reuters. 21. Januar 2018 (reuters.com [abgerufen am 6. September 2020]).
  8. Yémen : les forces séparatistes prennent le contrôle d’Aden. 30. Januar 2018, abgerufen am 6. September 2020 (französisch).
  9. Les Sudistes prennent le dessus à Aden, mais ne veulent pas la sécession. 31. Januar 2018, abgerufen am 6. September 2020 (französisch).
  10. Yémen: le Premier ministre promet d’oeuvrer à une réconciliation nationale. 7. Februar 2018, abgerufen am 6. September 2020 (französisch).
  11. Les séparatistes yéménites prennent le palais présidentiel à Aden, la coalition réplique. 10. August 2019, abgerufen am 6. September 2020 (französisch).
  12. Les séparatistes yéménites prennent le palais présidentiel à Aden, la coalition réplique. 10. August 2019, abgerufen am 6. September 2020 (französisch).
  13. Les séparatistes yéménites prennent le palais présidentiel à Aden, la coalition réplique. 10. August 2019, abgerufen am 6. September 2020 (französisch).
  14. Les séparatistes yéménites prennent le palais présidentiel à Aden, la coalition réplique. 10. August 2019, abgerufen am 6. September 2020 (französisch).
  15. Le Figaro avec AFP: Yémen: les forces du gouvernement entrent à Aden, fief des séparatistes. 28. August 2019, abgerufen am 6. September 2020 (französisch).
  16. Christoph Ehrhardt, Beirut: Krieg im Jemen: Was ist das Friedensabkommen von Riad wert? In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 6. September 2020]).
  17. FH: Self-administration of South Yemen. In: stc-eu.org. Abgerufen am 6. September 2020 (amerikanisches Englisch).
  18. dw.com 16. Dezember 2025: Jemen: Machtoffensive im Süden ordnet Kräfteverhältnis neu
  19. bmz.de: In konkurrierende Machtlager zerfallen abgerufen am 20. Dezember 2025
  20. Separatisten im Jemen kündigen Referendum im Süden an. In: Die Zeit, abgerufen am 2. Januar 2026.