Rundbeckenfischpass

Der Rundbeckenfischpass (Herstellerbezeichnung: Mäanderfischpass) ist eine wasserbauliche Einrichtung zur Wiederherstellung der freien Fischwanderung. Die Fischwanderhilfe ist durch die Schlitzpassbauweise mit der ausschließlichen Verwendung von runden und glatten Anlagenteilen sowie die Führung der Strömung entlang der Beckenwände gekennzeichnet.

Der Rundbeckenfischpass ist seit Mitte der 1990er Jahre im Einsatz und wurde seitdem von seinem Entwickler und Hersteller Peters Ökofisch aus Höxter erfahrungsbasiert weiterentwickelt. Im Jahr 2016 existierten 66 Anlagen, 64 in Deutschland und zwei in der Schweiz.[1] Seither wurden drei weitere Anlagen gebaut, davon zwei in der Schweiz.[2][3]

Aufbau und hydraulische Verhältnisse

Der Rundbeckenfischpass gehört zu den technischen Fischaufstiegsanlagen mit beckenartiger Bauweise. Die Bemessungsempfehlungen orientieren sich hinsichtlich Beckengröße, Fließtiefe und Schlitzbreite an den Empfehlungen für konventionelle Schlitzpässe.[5][4]

Aufgrund seiner spezifischen Geometrie und Beckenanordnung weist der Rundbeckenfischpass wesentliche hydraulische Unterschiede zum konventionellen Schlitzpass auf. Der Abfluss erfolgt überwiegend über eine dominante äußere Hauptströmung entlang der Beckenwände, die sich deutlich von den strömungsberuhigten Innenbereichen abgrenzt. Die inneren Beckenbereiche dienen mit ihrer geringen Fließgeschwindigkeit als Ruhezonen für aufsteigende Fische.

Bautypen und Einsatzmöglichkeiten

Derzeit existieren drei Ausführungsvarianten, die miteinander kombinierbar sind[6]:

  • Der Bautyp C besitzt kreisrunde Becken in C-Form und ist für Rampengefälle zwischen 17 und 30 % entworfen worden. Dieser Bautyp ist besonders für Standorte mit beengten Platzverhältnissen vorgesehen.
  • Der Bautyp J ist für Rampengefälle zwischen 8 und 17 % vorgesehen. Der wesentliche Unterschied zum Typ C ist die Streckung der C-Form zu einem J-förmigen Beckengrundriss.
  • Der Bautyp H ist für Rampengefälle zwischen 4 und 8 % ausgelegt. Dieser sogenannte „Halbmäander-Fischpass“ besitzt im Vergleich die am stärksten gestreckten Becken und damit die größten Baulängen.

Durch die Kombinationsmöglichkeiten der Bautypen kann der Rundbeckenfischpass an unterschiedliche örtliche Gegebenheiten angepasst werden und eignet sich dadurch auch für Standorte mit begrenztem Raumangebot.

Fischgängigkeit

Insgesamt sind sechs Erfolgskontrollen von Rundbeckenfischpässen dokumentiert, die alle mittels Zählmethoden (Reuse oder Zählkammer) durchgeführt wurden.[4] Die höchsten Tagesaufstiegszahlen wurden am Standort Bahnitz an der Havel gemessen, wo während Erhebungen im Mai täglich mehr als 600 aufsteigende Fische registriert wurden.[7] An den Weser-Standorten Drakenburg (Kombination Typ C und H) und Hameln (Typ C) wurden über jeweils zwei Sommerhalbjahre hinweg täglich etwa 250 Fische gezählt.[8] In den bisherigen Erhebungen konnte weder eine wesentliche Artselektivität festgestellt noch eine negative Selektion kleiner Fische nachgewiesen werden.[4] Eine standardisierte Untersuchung wird derzeit am Rundbeckenfischpass an der Suhre bei Sursee durchgeführt, die auf aussagekräftigeren Methoden basiert.[9][10]

Commons: Rundbeckenfischpass – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Fish ladders in Germany – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Ulf Helbig, Detlef Aigner, Jürgen Stamm: Hydraulik der Schlitzöffnungen bei beckenartigen Fischaufstiegsanlagen. In: Bautechnik. Nr. 93(2016). Verlag für Architektur und technische Wissenschaften GmbH & Co. KG, Berlin 2016, S. 295–303.
  2. LAV-Naturschutzprojekt „Wallensteingraben“. In: Landesanglerverband Mecklenburg-Vorpommern e.V. 7. Juni 2024, abgerufen am 17. Dezember 2025.
  3. KW Sursee (LU): Sanierung Fischgängigkeit. In: IM Maggia Engineering SA – IUB Engineering AG. 1. Januar 2024, abgerufen am 17. Dezember 2025.
  4. a b c d Matthias Mende, Werner Dönni, Ulf Helbig, Klaas Rathke: Der Rundbeckenfischpass – eine Alternative zum konventionellen Schlitzpass. In: Wasser Energie Luft. 111. Jahrgang, Nr. 4. hydrosuisse, Baden 2019, S. 243–254.
  5. DWA - Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (Hrsg.): Merkblatt DWA-M 509 - Fischaufstiegsanlagen und fischpassierbare Bauwerke - Gestaltung, Bemessung, Qualitätssicherung. DWA, 2014, ISBN 978-3-942964-91-3, S. 334.
  6. Der Mäander ® -Fischpass - Durchgängigkeit von Fließgewässern für alle aquatischen Organismen. Abgerufen am 22. Dezember 2025.
  7. Wolter, Christoph; Menzel, Rainer: Funktionsüberprüfung der Fischaufstiegsanlagen an den Havel-Staustufen Brandenburg und Bahnitz. Wasser- und Schifffahrtsamt Brandenburg, Brandenburg 2011, S. 22.
  8. Wieland, Stephan; Nöthlich, Ingo: Funktionskontrolle Mäanderfischpass Drakenburg / Weser. Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG), Koblenz 2003, S. 20 (hameln.de [PDF]).
  9. KW Sursee (LU): Sanierung Fischgängigkeit. IM Maggia Engineering SA – IUB Engineering AG, 2024, abgerufen am 17. Dezember 2025.
  10. Fischwanderung am Kraftwerk Sursee (Suhre, LU). Fischwerk GmbH, 2024, abgerufen am 17. Dezember 2025.