Rumschöttel (Adelsgeschlecht)
Rumschöttel (auch Rumschötel, Rumschotel, Rumeschöttel o. ä.) ist der Name eines westfälischen Adelsgeschlechts.
Die Familie ist zu unterscheiden von dem gleichnamigen, aber wappenverschiedenen Richter-Geschlecht Rumschöttel in Bielefeld, das einen in Lilien auslaufenden Drudenfuß im Schild führte.[1][2]
Geschichte
Das Geschlecht stammt aus dem Umfeld von Höxter, wo es seine Stammburg auf dem Köterberg gehabt haben soll.
Rabe Rumschöttel hatte mit dem Abt von Corvey wegen einiger Güter einen Streit. Da man sich nicht einigen konnte, kündigte er der Stadt Höxter als Hauptstadt des Abts 1324 die Fehde an.[3] Er sei ihnen allen, so schrieb er, Feind geworden, nur nicht Johann von dem Starcke. Seine Helfer waren Statius Post, Sohn des reichen Post, Lüder von Düdingen sowie Johann und Evert Rumeschottelen, die der Stadt ebenfalls Fehde ansagten. Der damalige Bürgermeister von Höxter, Flöreke Beseword, ließ die fünf Fehdeschreiber einfangen und hinrichten. Die Leichen wurden zur Warnung an der offenen Straße verscharrt. Damit jedoch war die Sache nicht beendet, denn die Familie Rumschöttel nahm Rache. Es folgte eine lange Feindschaft, die erst drei Jahrzehnte später durch einen Vergleich beendet wurde. Die Stadt hatte Hermann von Nyenkerken und die Bauern von Stahle und Albaxen auf ihre Seite gezogen und zusammen mit ihnen den Brüdern Ludwig und Johann, sowie Themo, Johann, Arnold, Ludwig, Hermann und Evert, alle genannt Rumschottel, so zugesetzt, dass sie sich 1354 zu Bodenwerder im Gericht des Edelherrn Sigfried von Homburg einfanden und erklärten, dass sie ausgesöhnt seien.[4][5][6]
Sage „Die fünf Kreuze“
Aus dieser Fehde entwickelte sich im Laufe der Zeit eine Sage, die unter dem Titel „Die fünf Kreuze“ Eingang in das Deutsche-Sagen-Buch der Brüder Grimm von 1816 fand:[7]
„164.
Die fünf Kreuze.
Mündlich, aus Höxter.
Vor dem Klausthor in Höxter, welches nach Pyrmont führt, gleich linker Hand stehen an dem Wege fünf alte Steine, welche die fünf Kreuze heißen, vermuthlich weil es versunkene Kreuze sind. Nun geht die Sage, es seyen fünf Hühnen dabei erschlagen worden; nach andern fünf Grafen von Reischach (richtig: Rischenau); wieder nach andern sind fünf Bürger von Tilly im dreißigjährigen Krieg aufgehängt worden.“
Tatsächlich standen noch in den 1880er Jahren fünf unförmige, verwitterte Steinkreuze an der Straße nach Pyrmont, genauer an der Straße nach Brenkhausen, unweit des Wallgrabens. Nur waren diese weder mit fünf namenlosen Hühnen noch mit fünf Grafen oder fünf Höxter Bürgern, die unter Johann T’Serclaes von Tilly im Dreißigjährigen Krieg hingerichtet wurden, verknüpft. Nach einer Chronik von Höxter aus dem 17. Jahrhundert handelte es sich um die Grabsteine der fünf hingerichteten Rumschöttel.[6] Ihr Name hat sich offenbar tief in das kollektive Gedächtnis eingebrannt. Noch im 19. Jahrhundert schrieb der Kaplan von Marienmünster, Werner von Heesen (1830–1892), in seine Chronik des Dorfs Albaxen: „Noch ist der Name im Volksmunde. Will man in Albaxen einen ungeschlachten, groben Menschen, einen Verschwender, Mörder oder Totschläger bezeichnen, so sagt man: Das ist ein wahrer Rumeschöttel. Ich habe diesen Namen als Kind oft gehört.“[5][8]
Wappen
Blasonierung: In Blau ein silberner Flügellöwe. Weder die Tingierung der Helmdecken noch die Helmzier sind überliefert.[9]
Literatur
- Anton Fahne: Geschichte der Westphälischen Geschlechter unter besonderer Berücksichtigung ihrer Uebersiedelung nach Preußen, Curland und Liefland, mit fast 1200 Wappen und mehr als 1300 Familien, Heberle, Köln 1858, S. 344 (Google Bücher).
- Brüder Grimm: Die fünf Kreuze. In: Deutsche Sagen, Band 1, Berlin 1816, S. 241, Nr. 164 (Wikisource).
- Max von Spießen: Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Wappengrafiken von Adolf Matthias Hildebrandt, Band 1, Görlitz 1901–1903, S. 108 (hhu.de); Band 2, Görlitz 1903, Tfl. 270 (hhu.de).
- Christoph Völker: Rumeschöttel. In: Christoph Völker (Hrsg.): Heimatbuch des Kreises Höxter. Bd. 2. Paderborn 1927, S. 152–153 (PDF; 68 KB auf hvv-hoexter.de).
- Paul Wigand: Die fünf Kreuze bei Höxter. In: Archiv für Geschichte und Alterthumskunde Westphalens, Band 1, Drittes Heft, Hamm 1826, S. 87–90 (Google Bücher).
Einzelnachweise
- ↑ Max von Spießen: Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Wappengrafiken von Adolf Matthias Hildebrandt, Band 1, Görlitz 1901–1903, S. 108 (Rumescotel) (hhu.de); Band 2, Görlitz 1903, Tfl. 271 (hhu.de).
- ↑ Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, B 214u / Kloster Marienfeld / Urkunden, Nr. 736 (mit Digitalisat der Urkunde inkl. Siegel), Nr. 777, Nr. 894 und Nr. 928, abgerufen am 15. Dezember 2025.
- ↑ Westfälische Urkundenbuch, Teil 4 (Die Urkunden des Bistums Paderborn 1301–1325), Lieferung 4 (1321–1325), Paderborn 1986, Nr. 2380.
- ↑ Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen, C 001u / Fürstabtei Corvey / Urkunden, Nr. 194, abgerufen am 15. Dezember 2025.
- ↑ a b Wigand (1826), S. 87–90.
- ↑ a b Fahne (1858), S. 344.
- ↑ Brüder Grimm (1816), S. 241.
- ↑ Völker (1927), S. 152 f.
- ↑ Spießen (1901–1903), S. 108.