Rudziczka (Prudnik)

Rudziczka
Riegersdorf
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Rudziczka
Riegersdorf
Basisdaten
Staat: Polen Polen

Woiwodschaft: Opole
Powiat: Prudnik
Gmina: Prudnik
Fläche: 16.33'"`UNIQ−−ref−00000008−QINU`"' km²
Geographische Lage: 50° 23′ N, 17° 31′ O

Höhe: 245-298 m n.p.m.
Einwohner: 950 (2012[2])
Postleitzahl: 48-200
Telefonvorwahl: (+48) 77
Kfz-Kennzeichen: OPR
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 41 Prudnik–Nysa
Nächster int. Flughafen: Breslau

Rudziczka (deutsch Riegersdorf) ist ein Ort in der Stadt- und Landgemeinde Prudnik im Powiat Prudnicki der Woiwodschaft Opole in Polen.

Ortsteil von Rudziczka ist der Weiler Zimne Kąty (Kaltfuhr).

Geographie

Das Waldhufendorf Rudziczka liegt neun Kilometer nordwestlich von Prudnik und 57 Kilometer südwestlich von Opole (Oppeln) in der Schlesischen Tiefebene. Durch den Ort verläuft die Droga krajowa 41.

Nachbarorte sind Niemysłowice (Buchelsdorf) und Szybowice (Schnellewalde) im Süden, Mieszkowice (Dittmannsdorf) im Westen, Piorunkowice (Schweinsdorf) im Norden und Kolnowice (Kohlsdorf), Laskowiec (Haselvorwerk) und Czyżowice (Zeiselwitz) im Osten.

Geschichte

Riegersdorf wurde im Zuge der Deutschen Ostsiedlung in der Mitte des 13. Jahrhunderts als Waldhufendorf im Grenzwald zwischen Mähren und Schlesien gegründet. Es wurde wahrscheinlich nach dem Lokator benannt (1464 Rudigersdorf).[3] Für das Jahr 1534 ist es in der Schreibweise Rügertstorff belegt.[4]

Während der Reformation wurden die meisten Bewohner evangelisch. Nach der Gegenreformation war nur noch eine Minderheit evangelisch. Seit 1629 wurde die Kirche von den Katholiken genutzt.[4]

Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 gelangte Riegersdorf mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen.

1803 wurde im Ort eine neue Kirche erbaut. Nach der Neugliederung der Provinz Schlesien gehörte die Landgemeinde Riegersdorf, die aus den Ortsteilen Gräflich Riegersdorf und Riegersdorf-Anteil bestand, ab 1816 zum Landkreis Neustadt O.S., mit dem sie bis 1945 verbunden blieb. 1845 bestanden in Riegersdorf-Anteil eine Erbscholtisei, eine evangelische Schule, ein Vorwerk sowie 70 Häuser. Im gleichen Jahr wurden in Riegersdorf-Antheil 491 Einwohner gezählt, davon 96 evangelisch. In Gräflich Riegersdorf zählte 1865 eine katholische Pfarrkirche, eine katholische Schule, eine evangelische Schule und 163 Häuser. Im gleichen Jahr zählte Gräflich Riegersdorf 1188 Einwohner, davon 339 evangelisch.[5] 1855 lebten in beiden Ortsteilen 1706 Einwohner. 1865 bestanden in Riegersdorf insgesamt 26 Bauern-, 35 Halbbauern-, 32 Gärtner- und 139 Häuslerstellen sowie eine Mühle. Die katholische Schule wurde im gleichen Jahr von 218 Schülern besucht, die evangelische Schule von 100 Schülern. Die evangelischen Gläubigen waren nach Schnellewalde eingepfarrt.[4] 1874 wurde der Amtsbezirk Riegersdorf gebildet, dem die Landgemeinden Schweinsdorf, Steinau Dorf und Steinau Städtel und der Gutsbezirk Schweinsdorf eingegliedert wurden. Erster Amtsvorsteher war der Wirtschaftsinspektor Moritz Göllner. Am 12. Juni 1874 wurden due beiden Teile Gräflich Riegersdorf und Riegersdorf-Antheil zur Landgemeinde Riegersdorf zusammengeschlossen.[6] 1885 zählte Riegersdorf 1537 Einwohner.[7]

Ab 1910 waren die evangelischen Gläubigen nach Dittmannsdorf eingepfarrt. Die konfessionelle Teilung machte sich später auch in den Ergebnissen bei politischen Wahlen bemerkbar. So entschieden sich bei den Wahlen zur Nationalversammlung am 19. Januar 1919 69 % für das Zentrum, 10 % für die SPD und 20 % für die DNVP.[8] 1933 lebten in Riegersdorf 1235 Einwohner. Am 1. April 1938 wurde die Landgemeinde Siebenhuben nach Riegersdorf eingemeindet. 1939 lebten 1460 Einwohner im Ort.

Mitte März 1945 wurde Riegersdorf im Rahmen der Oberschlesischen Operation durch heftige Kämpfe stark in Mitleidenschaft gezogen und durch die Rote Armee erobert. Dabei sollen 113 Einwohner umgekommen und 13 weitere später an Typhus gestorben sein.[9] Danach kam der bisher deutsche Ort Riegersdorf unter polnische Verwaltung, wurde in Rudziczka umbenannt und der Woiwodschaft Schlesien angeschlossen. Im Sommer 1946 wurden die deutschen Bewohner, soweit sie nicht vorher geflohen waren, vertrieben. Die neu angesiedelten Bewohner waren teilweise Zwangsumgesiedelte aus Ostpolen, das an die Sowjetunion gefallen war. Nachfolgend wurde Riegersdorf in Rudziczka umbenannt, der Woiwodschaft Schlesien und 1950 in die Woiwodschaft Opole eingegliedert. Seit 1999 gehört es zum Powiat Prudnicki.

Sehenswürdigkeiten

  • Die römisch-katholische Pfarrkirche Zur Heiligen Dreifaltigkeit (Kościół Trójcy Świętej) wurde zwischen 1801 und 1803 im Stil des Klassizismus auf ovalen Grundriss erbaut. Erstmals urkundlich erwähnt wurde eine Kirche im Jahre 1350. 1582 entstand eine evangelische Kirche, die ab 1629 von der katholischen Gemeinde genutzt wurde. Der heutige Bau wurde nach Entwurf des Architekten Lohnseck errichtet. Der Glockenturm mit abgerundeten Ecken und einer Turmbekrönung mit einem hohen Spitzhelm.[10]

Die Kirche steht seit 1955 unter Denkmalschutz.[11]

  • Katholischer Friedhof mit zahlreichen deutschen Gräbern
  • Steinerne Wegekapelle aus dem 19. Jahrhundert
  • Steinerne Wegekapelle mit Jesustatue
  • Steinerne Wegekapelle mit Glockenturm
  • Kreuzigungsgruppe
  • Schwesternhaus St. Elisabeth von 1913
  • Scheune aus dem Jahr 1830, im Museum des Oppelner Dorfes
  • Backofen aus dem Jahr 1840, Museum des Oppelner Dorfes

Literatur

Commons: Rudziczka – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Raport o stanie gminy za 2019 rok (Memento des Originals vom 15. Mai 2021 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/prudnik.pl, S. 9 (polnisch)
  2. Orte in der Gmina Prudnik – Geschichte und Daten (Memento des Originals vom 27. September 2020 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/prudnik.pl (polnisch)
  3. W. Kuhn: Grenzort Schnellewalde. In: Jahrbuch der Schlesischen Friedrich-Wilhelm-Universität zu Breslau. Band 23, 1982, S. 1–14.
  4. a b c Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien, Breslau 1865, S. 1055
  5. Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuss. Provinz Schlesien. Breslau 1845, S. 546.
  6. Amtsbezirk Riegersdorf
  7. AGOFF Kreis Neustadt O.S.
  8. W. Schwedowitz: Geschichte der Pfarrei Riegersdorf, Kreis Neustadt OS. Neustadt 1925, S. 87.
  9. Riegersdorf 1945. Abgerufen am 17. Januar 2014.
  10. Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen. Schlesien. Deutscher Kunstverlag, München u. a. 2005, ISBN 3-422-03109-X, S. 817–818.
  11. Verzeichnis der Denkmäler in der Woiwodschaft Oppeln