Rudolf Zechmeister

Rudolf Zechmeister (* 8. Dezember 1880 in Großhöflein; † 1. Dezember 1965 in Wien) war ein österreichischer Komponist.

Leben

Rudolf Zechmeister stammte aus einer alteingesessenen burgenländischen Familie, die einen großen Erbhof besaß[1] und Weinbau betrieb. Schon seit seiner Jugend betätigte er sich als Musiker und Komponist. Er besuchte das Gymnasium in Ödenburg. Danach studierte er Mathematik und Naturwissenschaften in Budapest, unterbrochen von 1901 bis 1902 durch seinen Militärdienst. Im Rahmen seiner Studien besuchte er auch Wien, Berlin und Paris.[2] Besonders sein Paris-Aufenthalt beeinflusste seine Entwicklung als Komponist. Seine pädagogische Ausbildung schloss er mit Prüfungen als Professor für ungarische Bürgerschulen in naturwissenschaftlichen Fächern ab.[3]

Zechmeister wurde 1905 Lehrer an der Bürgerschule in Eisenstadt. Dort führte er eine Theatergruppe und gründete einen Fechtklub. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 wurde er in das k.u.k. Infanterieregiment Nr. 76 eingezogen. Im Dienstgrad eines Oberleutnants stehend, erlitt er eine Kriegsverletzung und wurde als Lehrer an die Militäroberrealschule in Eisenstadt versetzt.[2] Nach dem Krieg wurde Rudolf Zechmeister 1919 Direktor der ungarischen Bürgerschule für Knaben in Mattersdorf, aus der später das Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium Mattersburg hervorging. Er führte die Koedukation und – gegen den Protest des ungarischen Schulinspektors in Ödenburg – die deutsche Unterrichtssprache ein.[4] Eine von ihm komponierte Burgenland-Hymne kam im August 1921 anlässlich der Landnahme des Burgenlandes durch österreichische Sicherheitskräfte erstmals öffentlich zur Aufführung.[5] Ab 1921 wirkte er zusätzlich zu seiner Direktorentätigkeit als Schulinspektor für den Bezirk Mattersdorf.[4] Im darauffolgenden Jahr gehörte er zu den Gründern des Burgenländischen allgemeinen Lehrerbundes.[6] Seine eigene Schule wurde 1924 zur Deutschen Mittelschule[2] und 1927 zum Unterrealgymnasium erhoben.[4]

Rudolf Zechmeister beendete 1928 seine Karriere im Schulwesen, ließ sich zunächst für ein Jahr beurlauben[7] und übersiedelte nach Wien. Er trat 1930 endgültig als Beamter in den Ruhestand[4] und bekam anlässlich dessen 1931 den Berufstitel Regierungsrat verliehen.[8] In Wien konzentrierte er sich auf seine musikalische Laufbahn. Er komponierte unter anderem Hymnen, Märsche,[4] Walzer und Lieder. Insgesamt schrieb er über 120 Werke. Seine Stücke waren in den 1930er Jahren oft auf Radio Wien zu hören.[2] Kurz vor dem „Anschluss“ wurde er Mitglied der Staatlich genehmigten Gesellschaft der Autoren und Komponisten.[1] Zudem betätigte er sich jahrelang als Mitglied der Burgenländischen Landsmannschaft in Wien.[9]

Rudolf Zechmeister starb wenige Tage vor seinem 85. Geburtstag in Wien.[2] Er wurde auf dem Döblinger Friedhof (Gruppe 37, Reihe 2, Nummer 21) bestattet.[10]

Werke (Auswahl)

  • Annemarie, keine wie die (Walzerlied für Gesang und Klavier, auch Text)
  • Burgenland-Hymne (für Gesang und Klavier, auch Text, Originaltext: Gustav Tintner)
  • Burgenland-Marsch (für Gesang und Klavier, Text: Gustav Tintner;[11] Arrangement für Blasorchester von Anton Mader)[12]
  • Capriccio (für Klavier; op. 158)
  • Donau-Marsch (für Klavier)
  • Einmal kommt Glück wie von Ungefähr (Wienerlied für Gesang und Klavier, Text: Rudolf Sieczyński)[11]
  • Einserjägermarsch[13]
  • Es war auf einem Ball (Lied)[14]
  • Das ewig dumme Herz (Walzerlied für Gesang und Klavier, auch Text)
  • Fern von Wien (Walzerlied für Gesang und Klavier, auch Text)[11]
  • Für unser Wien (Marsch)[15]
  • Heimat am Donaustrand (Wienerlied für Gesang und Klavier, Text: Rudolf Sieczyński)
  • Herrliche Nacht (für Gesang und Klavier, auch Text)
  • Ich hab’ im Traum mein Wien geseh’n (Wienerlied, auch Text)
  • Ich kenne drei Brüder… / Der Wein, der Mond und ich…! (Walzerlied für Gesang und Klavier mit Akkordbezifferung, Text: Josef Kaderka; op. 131)
  • Ich weiß ein Plätzchen (Lied und Foxtrot für Gesang und Klavier, auch Text)
  • Im März, da verlier’ ich mein Herz (Walzerlied für Gesang und Klavier, auch Text)
  • In ganz Toledo (Lied und Slowfox für Gesang und Klavier, Text: Hans Heger)
  • Intermezzo in B-Dur (für Klavier; op. 110)
  • Irgendwann fing es an (Lied und English Waltz für Gesang und Klavier, Text: Hans Heger)
  • Ja, ja! – Nein, nein! (Chanson für Gesang und Klavier, Text: Hans Heger)
  • Jeder Tag ohne dich… (Langsamer Walzer für Gesang und Klavier, Text: Josef Kaderka; op. 133)
  • Jugendmarsch (für Klavier[11] sowie für Blasorchester;[12] weiteres Arrangement für Blasorchester von Emil Rameis)[11]
  • Jung 76er Marsch (für Blasorchester)[12]
  • Kleiner Schelm (Marsch-Fox für Klavier)
  • Konzert-Ouverture (für Klavier; op. 182)
  • Laß dich mit Frau’n nicht ein… (Walzerlied für Gesang und Klavier oder Akkordeon, auch Text; op. 112)
  • Leb’ wohl, Heimaterd (Lied für Gesang und Akkordeon, auch Text; Harmonikasatz von Josef Sirowy)
  • Lieb’ und Treue – eine zeitlose Geschichte (für Gesang und Klavier, Text: Hans Heger)
  • Lüg’ mich nicht an! (Langsamer Walzer für Gesang und Klavier, Text: Josef Kaderka; op. 135)
  • Mädel, wenn du dich verliebst… (Walzerlied, auch Text; op. 157)
  • Mahnung (Liebeslied für Gesang und Klavier, Text: Hans Heger)
  • Mir ist, als wäre es heut (für Gesang und Klavier, auch Text)
  • Mit den Mädchen fängt es an (Lied im Volkston für Gesang und Klavier, Text: Hans Heger)
  • Musikantenweise (Lied im Volkston für Gesang und Klavier, Text: Hans Heger)
  • Neuer Militärmarsch (für Klavier; op. 103)
  • Nocturne (für Klavier; op. 165)
  • O du mein Riccione (Walzerlied für Gesang und Klavier oder Akkordeon, auch Text)
  • Orchideen-Walzer (für Klavier; op. 104)
  • Pariser Erinnerungen (Konzertwalzer für Klavier; op. 186)
  • Pratermarsch (für Klavier; op. 93)
  • Puppentanz (Charakterstück für Klavier)
  • Raketenmarsch (für Klavier[11] sowie für Blasorchester;[12] op. 130; weiteres Arrangement für Blasorchester von Karl Mosheimer)
  • Reich mir deine Hände (Lied und Tango für Gesang und Klavier, Text: Hans Heger)
  • Sag mir, warum (Lied für Gesang und Klavier, Text: Hans Heger)
  • Schatz leb’ wohl (Walzerlied für Gesang und Klavier, auch Text)
  • Sei lieb, sei gut zu mir! (Lied und Tango für Gesang und Klavier, Text: Hans Heger)[11]
  • Traumbilder (Walzer)[15]
  • Ungarische Fantasie (für Klavier; op. 134)
  • Verklungen (Mazurka, für Klavier)
  • Visionen (für Klavier; op. 168)
  • Völker-Hymne (für Gesang und Klavier sowie für gemischten Chor a cappella, Text: Klemens Lubojatzky)
  • Walzer-Serenade (für Violine und Klavier; op. 162)
  • Wanderkameraden (Marschlied für Gesang und Klavier, auch Text; op. 128)
  • Was ist schon Treue? (Lied für Gesang und Klavier, auch Text; op. 127)
  • Wien, du mein Wien (Walzerlied für Gesang und Klavier, auch Text)
  • Der Zauber von Wien (auch Text)[11]
  • Zigeuner-Marsch (für Blasorchester;[12] op. 118; weiteres Arrangement für Blasorchester von Christian Moor)[11]

Literatur

  • Gerald Schlag: Burgenland: Geschichte, Kultur und Wirtschaft in Biographien. XX. Jahrhundert. Ed. Rötzer, Eisenstadt 1991, ISBN 978-3-85374-210-5, Eintrag Zechmeister Rudolf, S. 354.

Einzelnachweise

  1. a b Prof. Rudolf Zechmeister. In: Güssinger Zeitung. Südburgenländischer christlicher Bauernfreund. 9. Januar 1938, S. 3 (epa.oszk.hu [PDF; abgerufen am 4. Januar 2026]).
  2. a b c d e Gerald Schlag: Burgenland: Geschichte, Kultur und Wirtschaft in Biographien. XX. Jahrhundert. Ed. Rötzer, Eisenstadt 1991, ISBN 978-3-85374-210-5, S. 354.
  3. Begräbnis des Regierungsrates Prof. Rudolf Zechmeister. In: Burgenländische Freiheit. Landesorgan der sozialistischen Partei des Burgenlandes, 25. Dezember 1965, S. 10 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/blf
  4. a b c d e Josef Loibersbeck: Mattersdorf – Mattersburg. In: Burgenländische Heimatblätter. Nr. 29, 1967, S. 141–142 (zobodat.at [PDF; abgerufen am 4. Januar 2026]).
  5. Roland Widder: Anfangsidentität als Aufbauimpuls zur politisch-parlamentarischen Aufbruchstimmung im Burgenland von 1922–1926. In: Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland. Nr. 95, 1996, S. 135 (zobodat.at [PDF; abgerufen am 4. Januar 2026]).
  6. A. B.: 10 Jahre Burgenländischer allg. Lehrerbund. In: Burgenländische Lehrer-Zeitung. Vereinsblatt des Burgenländischen allgem. Lehrerbundes, Heft 1/1932, S. 2 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/blz
  7. Wie man Versetzungen nicht durchführen soll. In: Der Freie Burgenländer. Unabhängige deutsche Zeitung für das Burgenland, 9. September 1928, S. 2 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/fbu
  8. Amtlicher Teil. In: Wiener Zeitung, 27. Februar 1931, S. 2 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/wrz
  9. 70 Jahre Burgenländer in Wien. Chronik der Landsmannschaft. (PDF) Burgenländische Landsmannschaft in Wien, 30. März 2010, S. 33, abgerufen am 4. Januar 2026.
  10. Rudolf Zechmeister. Bestattungsdatum 06.12.1965. Friedhöfe Wien, abgerufen am 4. Januar 2026.
  11. a b c d e f g h i Zechmeister, Rudolf. In: musiconn. Abgerufen am 4. Januar 2026.
  12. a b c d e Hans Kausz: Burgenländische Komponisten. (PDF) Burgenländischer Blasmusikverband, 27. September 2023, S. 59, abgerufen am 4. Januar 2026.
  13. Wien: Sonntag, 14. April. In: Radio Wien, 12. April 1935, S. 17 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/raw
  14. Radio Wien sendet: Freitag, 11. März. In: Radio Wien, 5. März 1949, S. 19 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/raw
  15. a b Ein erfolgreicher Burgenländer – Komponist in Wien. In: Güssinger Zeitung. Südburgenländischer christlicher Bauernfreund. 20. Dezember 1931, S. 3 (epa.oszk.hu [PDF; abgerufen am 4. Januar 2026]).