Rudolf Großmann (Designer)

Rudolf Großmann (* 23. Juli 1917 in Neusalz; † 6. Juni 1984 in Weimar) war ein deutscher Innenarchitekt, Industriedesigner und Hochschullehrer in der DDR.

Leben und Werk

Großmann absolvierte von 1931 bis 1935 eine Lehre als Bau- und Möbeltischler und studierte von 1936 bis 1939 Innenarchitektur an der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe Breslau. Danach wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Er nahm am Zweiten Weltkrieg teil und geriet in Kriegsgefangenschaft.

Nach der Entlassung arbeitete er in Weimar als Lehrer an der Kunstgewerbe- bzw. Meisterschule, der späteren Fachschule für Ausbau. 1950 holte er die Prüfung als Tischlermeister nach. Von 1954 bis 1969 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter und Oberassistent am Institut für Innengestaltung an der Hochschule für Architektur und Bauwesen (HAB) Weimar. Unter der Direktion von Horst Michel war er mit Hellfried Lack im Fachbereich Sitz-, Liege- und Behältnismöbel für die formgestalterische Anleitung der Möbelindustrie der DDR zuständig. Ein Kollektiv des Instituts, dem neben Michel auch Großmann, Sigrid Kölbel und Lack angehörten, gestaltete 1962 für die Experimentalbau-Ausstellung „neues leben – neues wohnen“, die im Zuge des Wohnungsbauprogramms der DDR in Berlin im Fennpfuhl durchgeführt wurde, eine Wohnung. Dafür forderte Michel, dass die Ausstattungsgegenstände so „zweckmäßig wie möglich“ sein sollten.[1]

Großmann designte mit dem Zeichen „Gr“ vor allem Sitzmöbel, von denen einige in großer Stückzahl produziert wurden. Z. B. wurde der Armdrehlehnstuhl Modell Ines von 1968 bis 1982/83 in mehreren hunderttausend Stück produziert. Das 1960 von ihm entworfene Stahlrohr-Stapelstuhlsortiment wurde 1970 modifiziert und danach in Großserie im VEB Stahl- und Industriemöbelwerke Stendal halbautomatisch produziert. Es diente vor allem der Ausstattung von Gaststätten, Klubs, Warteräumen u. ä. Allein bis 1983 wurden davon 2,5 Millionen Stück produziert. Nach der Privatisierung des Betriebes im Zuge der deutschen Wiedervereinigung[2] wurde der Stuhl unter dem Namen Comeback vermarktet und u. a. in die USA exportiert.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit machte Großmann von 1966 bis 1969 als einer der ersten an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle – Burg Giebichenstein ein externes Studium zum Formgestalter. Nach dem Diplom-Abschluss war er von 1969 bis 1982 Oberlehrer im Hochschuldienst an der HSAB. Danach arbeitete er in Weimar freischaffend als Innenarchitekt und Formgestalter.

Großmann war Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR. Er nahm von 1958 bis 1968 an der Vierten bis VI. Deutsche Kunstausstellung in Dresden teil. Er publizierte Fachaufsätze insbesondere in der Zeitschrift Möbel und Wohnraum. 1983 zeigte die HAB eine große Ausstellung seiner Arbeiten.

Ehrungen (Auswahl)

Literatur

  • Walter Funkat: Kunsthandwerk in der Deutschen Demokratischen Republik. Verlag der Nation, Berlin, 1970, S. 195
  • Anita Bach: Rudolf Großmann. 30 Jahre Tätigkeit als Innenarchitekt, Industrieformgestalter und Lehrender an der HAB. Weimar. In: Architektur der DDR, Berlin, 4/1983, S. 242/243
  • Heinz Hirdina: Gestalten für die Serie. Design in der DDR. 1949 – 1985. Verlag der Kunst, Dresden, 1988, S. 376 und passim
  • Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 283/284

Einzelnachweise

  1. Hein Köster: Horst Michel. Biographie und Zeitgeschichte. In: Form + Zweck, Berlin, 5/1979, S. 16
  2. Siehe L&C Stendal