Rudolf Friemel
Rudolf „Rudi“ Friemel (* 11. Mai, nach anderer Quelle 11. Juli 1907 in Wien; † 30. Dezember 1944 im KZ Auschwitz)[1][2] war ein österreichischer Kommunist, Interbrigadist und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, der dem konspirativen Lagerwiderstand im KZ Auschwitz angehörte und dort aufgrund dessen hingerichtet wurde. Er war der einzige Häftling, dem es in Auschwitz gestattet wurde zu heiraten.
Privates und Familie
Rudolf Friemel war Sohn des Bäckergehilfen Klemens Friemel (* 21. Dezember 1881 in Prag, † 21. Januar 1961 in Wien) und des Dienstmädchens Stephanie Friemel (geb. Spitzer, * 20. Dezember 1882 in Wien, † 1936).
Von September 1930 bis zum 16. August 1941 war er in erster Ehe mit der Verkäuferin Pauline Margarete Fuka (auch: Fucka) (22. Juni 1906, † 1986) verheiratet, aus welcher der Sohn Norbert (* 13. März 1932 in Wien, † 13. April 2013) hervorging. Da diese Ehe bald nicht mehr harmonisch verlief, wurde sie auf Betreiben Rudolf Friemels per Dekret geschieden.
1944 wurde im KZ Auschwitz die zweite Ehe mit der im Frühling 1938 in Spanien kennengelernten Spanierin Margarita Ferrer Rey (* 1916, † 1987) geschlossen, die er nach seiner Flucht aus Spanien nach Frankreich wieder ausfindig machen konnte und mit der er den Sohn Édouard (* 26. April 1941 in Albi) zeugte.
Wenige Wochen nach der Geburt dieses Sohnes stellte Friemel, im durch die deutsche Wehrmacht besetzten Frankreich, für sich und seine Familie einen Antrag auf Repatriierung ins Deutsche Reich. Laut eigener Aussage hat Friemel Ferrer Rey im Januar 1939 in Spanien (während er noch nicht von Pauline Fuka geschieden war) das erste Mal geheiratet. Für diese Ehe gab es allerdings keine Beurkundung und da während der zweiten spanischen Republik geschlossene Zivilehen durch das nach dem gewonnenen spanischen Bürgerkrieg folgende Franco-Regime nicht anerkannt wurden, war, bzw. wäre diese Ehe damals auch für die deutschen Behörden ungültig gewesen.[1][2][3]
Friemel war der einzige Häftling im KZ Auschwitz, dem während seiner Inhaftierung gestattet wurde zu heiraten. Ferrer Rey und Friemels Vater bemühten sich hartnäckig darum, die angeblich schon 1939 geschlossene, aber in jedem Fall ungültige, Ehe, nach deutschem Recht schließen zu können. Dem Gesuch wurde schließlich von Heinrich Himmler persönlich stattgegeben.[3] Seinem Vater, der Braut, dem Bruder und dem Kind wurden erlaubt, nach Auschwitz zur Eheschließung zu kommen. Am 18. März 1944 wurde die Ehe im lagereigenen Standesamt, wo sonst nur Totenscheine ausgestellt wurden, rechtskräftig geschlossen. Friemel, der sich für diesen Anlass die Haare wachsen lassen durfte, heiratete in Zivil und nicht in KZ-Häftlingskleidung. Der Häftlingsfotograf Wilhelm Brasse selbst machte das Hochzeitsfoto.[4] Dem Paar wurde zudem gestattet, eine gemeinsame Nacht im Auschwitzer Lagerbordell zu verbringen.[1]
Leben
Friemel war von Beruf Kraftfahrzeugmechaniker. Er war Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend sowie ab 1925 der Gewerkschaft und trat 1926 der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) bei. Er war Angehöriger des Republikanischen Schutzbundes und Teilnehmer des bewaffneten Aufstandes Mitte Februar 1934 gegen den austrofaschistischen Ständestaat unter Engelbert Dollfuß.[5]
Friemel flüchtete anschließend in die Tschechoslowakei und wurde nach seiner Rückkehr Ende Juli 1934 verhaftet und aufgrund seiner Teilnahme am Aufstand verhaftet und am 8. Oktober 1935 zu sieben Jahren Haftstrafe verurteilt.[6]
Aus dem Zuchthaus Stein wurde er am 23. Juli 1936 vorzeitig entlassen. Friemel wurde später Mitglied der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ).[5] Mitte Januar 1937 emigrierte er nach Frankreich und zog von dort am 9. März 1937 nach Spanien. Ab März 1937 kämpfte Friemel als Freiwilliger im Spanischen Bürgerkrieg in den Internationalen Brigaden gegen die Errichtung einer faschistischen Diktatur. Nach der Niederlage der Republikaner flüchtete er Anfang Februar 1939 nach Frankreich, wo er im Lager Gurs interniert wurde. Dort meldete er sich zum unbewaffneten Arbeitsdienst, arbeitete als Bergarbeiter in Carmaux und lebte in Arthès (Tarn) wieder mit Margarita Ferrer Rey zusammen. Nach der Besetzung Frankreichs durch das Deutsche Reich meldete sich Friemel Ende Juli 1941 zum Rücktransport nach Wien und wurde gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin und ihrem Kind von den französischen Behörden an der Demarkationslinie in Vierzon an die Gestapo übergeben. Er wurde in Wien durch die Gestapo erkennungsdienstlich erfasst.[6]
Während Margarita Ferrer Rey und Édouard über Stuttgart nach Kirchheim unter Teck geschafft wurden, wo sie im sogenannten Wächterheim, einem Heim für ledige Mütter, Aufenthalt nehmen mussten, wurde Friemel am 2. Januar 1942 in das Stammlager des KZ Auschwitz überstellt, wo er die Häftlingsnummer 25.173 erhielt.[5] Friemel war Funktionshäftling in der Fahrbereitschaft der SS und gehörte zunächst der 1942 entstandenen österreichischen Widerstandsgruppe im Stammlager an. Weitere Mitglieder der Widerstandsgruppe waren Alfred Klahr, Hermann Langbein, Ludwig Soswinski, Ernst Burger und Ludwig Vesely.[7] Im Mai 1943 entstand aus der österreichischen Widerstandsgruppe und dem polnischen Lagerwiderstand die Kampfgruppe Auschwitz.[8] Am 27. Oktober 1944 half Friemel Mithäftlingen der internationalen Kampfgruppe bei ihren Fluchtvorbereitungen. Infolgedessen wurde er durch einen in den Fluchtplan eingeweihten SS-Mann denunziert und am 30. Dezember 1944 aufgrund von „Fluchtbegünstigung“ gemeinsam mit Burger und Vesely sowie den polnischen Häftlingen Piotr Piąty und Bernard Swierczyna auf dem Appellplatz des Stammlagers gehängt.[8]
Gedenken
Der Schriftsteller Erich Hackl verarbeitete diese Auschwitzer Episode 2002 literarisch in „Die Hochzeit von Auschwitz. Eine Begebenheit“.[9]
In der Ernst-Ludwig-Gasse 8, Stiege 1, im 10. Wiener Gemeindebezirk Favoriten erinnert heute eine Gedenktafel an Rudolf Friemel. Die Stadt Wien ehrte 2004 zudem das Gedenken an Friemel mit der ebenfalls in Favoriten gelegenen Rudolf-Friemel-Gasse.[5]
Literatur
- Hermann Langbein: Menschen in Auschwitz. Ullstein, Frankfurt am Main, Berlin, Wien 1980, ISBN 3-548-33014-2.
- Erich Hackl: Die Hochzeit von Auschwitz. Eine Begebenheit. Diogenes, Zürich 2002, ISBN 3-257-06324-5.
- Friemel, Rudi, in: Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Band 1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. Saur, München 1980, S. 201.
Weblinks
- Rudolf Friemel. In: dasrotewien.at – Weblexikon der Wiener Sozialdemokratie. SPÖ Wien (Hrsg.)
Einzelnachweise
- ↑ a b c Rudolf Friemel im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien
- ↑ a b Friemel, Rudolf (1907–1944), Widerstandskämpfer. In: Österreichisches Biographisches Lexikon ab 1815 (2. überarbeitete Auflage – online). Österreichische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 27. November 2025.
- ↑ a b Hermann Langbein: Menschen in Auschwitz. Ullstein, Frankfurt am Main, Berlin, Wien 1980, ISBN 3-548-33014-2, S. 328.
- ↑ Eine Ausnahme in der Galerie des Grauens: Das Hochzeitsfoto von Margarita Ferrer Rey und Rudolf Friemel, Illustration zu Auschwitz-Fotograf Wilhelm Brasse ist tot, Spiegel Online, 23. Oktober 2012.
- ↑ a b c d Österreicher im Widerstand (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im November 2025. Suche in Webarchiven)
- ↑ a b Friemel, Rudolf auf doew.at
- ↑ Rudolf Kropf: Die Befreiung von Auschwitz, S. 3. In: auschwitz information, 67. Ausgabe, Jänner 2005, Institut für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Johannes Kepler Universität Linz (PDF-Datei; 82 kB) (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Juli 2025. Suche in Webarchiven)
- ↑ a b Hermann Langbein: Menschen in Auschwitz. Ullstein, Frankfurt am Main, Berlin, Wien 1980, ISBN 3-548-33014-2, S. 304 f.
- ↑ Literatur – Vermählung im Totenreich In: Der Spiegel, Ausgabe 38 vom 16. September 2002, S. 189.