Rudolf Brandl (Journalist)
Rudolf Brandl (* 9. September 1884 in Köln; † 12. März 1957 in Frankfurt a. M.) war ein deutscher Journalist, Übersetzer, Archivleiter und Bibliothekar.
Leben
Brandl studierte Philosophie, Geschichte, Literaturwissenschaft und Volkswirtschaft an den Universitäten Heidelberg, Paris, München und Erlangen, wo er 1907 promoviert wurde. Von 1906 bis 1923 war er Redakteur der Frankfurter Zeitung. Den Ersten Weltkrieg machte er als Soldat mit. 1923 wechselte er zum Leipziger Tageblatt, 1924 übernahm er die Leitung der Leipziger Zweigstelle des Ullstein-Nachrichtendienstes(auch: Ullsteindienst), einer internen Presseagentur des Ullstein-Verlags, die konzerneigene als auch fremde in- und ausländische Zeitungen versorgte. Von 1932 bis 1934 leitete er das Archiv und die Bibliothek des Ullstein-Verlags in Berlin.
1934 emigrierte er in die USA, wo er bei der New Yorker Staats-Zeitung arbeitete. In den Jahren 1937 und 1939 war er Chefredakteur der deutschsprachigen jüdischen Wochenschrift Aufbau. Unter seiner Leitung wurde das Blatt professioneller, indem er es vom Mitteilungsblatt des German-Jewish Club in eine normale Publikumszeitschrift verwandelte, die journalistisch arbeitete und sich im Vertrieb durch Abonnementverkauf und Werbeanzeigen trug, sodass sie den Seitenumfang wesentlich erweitern konnte. Brandls Nachfolger wurde im April 1939 Manfred George, der vor 1933 wie Brandl bei Ullstein Zeitungsredakteur gewesen war und Brandls Kurs fortsetzte.[1]
Ab 1941 arbeitete Brandl für die amerikanische Regierung, bevor er von 1947 bis 1950 als Übersetzer und Korrespondent tätig war, etwa bei der Amerikanischen Rundschau, einem Blatt des U. S. Information Service für die westdeutsche Besatzungszone.[2] 1953 kehrte Brandl nach Frankfurt a. M. zurück und arbeitete u. a. für die Frankfurter Neue Presse.
Veröffentlichungen
- Kritische Beiträge zum Freiheitsproblem. Gebr. Knauer, Frankfurt a. M. 1907 (Erlangen, Phil. Fak., Ref. Falckenberg, Diss. v. 23. Okt. 1907).
Literatur
- Klaus G. Saur: Brandl, Rudolf (Hermann). In: Karin Peter, Gabriele Bartelt-Kircher, Anita Schröder (Hrsg.): Zeitungen und andere Drucksachen. Die Bestände des Dortmunder Instituts für Zeitungsforschung als Quelle und Gegenstand der Forschung. Klartext-Verlag, Essen 2014, ISBN 978-3-8375-1015-7, S. 446.
- Brandl, Rudolf, in: Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Band 1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. München: K. G. Saur, 1980, S. 82
- Brandl, Rudolf, in: Jahn, Bruno (Bearb.). Die deutschsprachige Presse. Ein biographisch-bibliographisches Handbuch. München : K. G. Saur, 2005, S. 121. Abgerufen am 12. Dez. 2025 von Google Books
Einzelnachweise
- ↑ Machnicki, Monika. „Aufbau — Reconstruction“, in: Hardt, Hanno, Hilscher, Elke & Lerg, Winfried B. (Hg.). Presse im Exil: Beiträge zur Kommunikationsgeschichte des deutschen Exils 1933–1945. Dortmunder Beiträge zur Zeitungsforschung Band 30. München: K. G. Saur, 1979, S. 326f.
- ↑ "Brandl, Rudolf" in: Jahn, Bruno (Bearb.). Die deutschsprachige Presse. Ein biographisch-bibliographisches Handbuch. München : K. G. Saur 2005, S. 121. Abgerufen am 12. Dez. 2025 von Google Books