Rudolf Bährmann
Rudolf Bährmann (* 25. September 1932 in Eisleben; † 6. November 2024 in Köln)[1] war ein deutscher Entomologe, Ökologe und Hochschullehrer. Sein besonderes Interesse galt den Honigbienen sowie zahlreichen Arten der Fliegen und der Mottenschildläuse.
Leben
Rudolf Bährmann wuchs in seinem Geburtsort Eisleben auf und besuchte dort die Oberrealschule.[2] Nach dem Abitur begann er eine Lehre als Präparator bei der Firma Naturwissenschaftliche Lehrmittel-Verlags-Anstalt Dr. Schlüter & Dr. Mass, die in Halle (Saale)[3] zuletzt hauptsächlich Insektenpräparate herstellte.[2] Im Jahre 1952 begann er ein Studium der Biologie, zunächst an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und zwei Jahre später an der Humboldt-Universität zu Berlin.[2] Hochschullehrer, die Bährmann besonders prägten, waren der Pflanzenphysiologe Johannes Buder in Halle und die Zoologen Erwin Stresemann, Alfred Kaestner, Günter Tembrock und Wolfgang Schwenke in Berlin.[2] Willi Hennig, der damals noch in Ost-Berlin arbeitete und lehrte, lenkte sein Interesse auf Zweiflügler, und es entstand 1957 eine Diplomarbeit über die vergleichende Morphologie der männlichen Kopulationsorgane von Tanzfliegen.[2]
Von 1958 bis 1966 arbeitete Bährmann in der Lehr- und Forschungsanstalt für Bienenzucht Tälermühle. Dort entstand unter der Leiterin des Instituts für Bienenkunde der Humboldt-Universität Grete Meyerhoff seine Dissertation zur Histopathologie von durch Sporentierchen hervorgerufenen Nosemose-Erkrankungen bei Honigbienen.[4] Bährmann wurde Leiter der zentralen Körstelle und bildete Körmeister aus.[2] Bährmann war auch lange Zeit nach seiner Tätigkeit in der Tälermühle ein gefragter Spezialist für Bienenzucht und Bienenkrankheiten.[2] Noch bis 1993 verfasste er zahlreiche Veröffentlichungen dazu sowie Beiträge in Fachbüchern und Lexika zu Honigbienen und deren Zucht.[2]
1966 kam Bährmann als Assistent an die Friedrich-Schiller-Universität Jena zum im Jahr zuvor von Hans Joachim Müller aufgebauten Institut für Spezielle Zoologie und Entomologie.[2] Hier widmete er sich akribischen experimentellen Arbeiten zur Dormanz bei Mottenschildläusen.[2] Seine 1978 verteidigte Promotion B[5] hatte dementsprechend auch die Dormanz und die Ökomorphosen dieser Insekten zum Thema.[6] Die Beschäftigung mit der Autökologie, also den Wechselwirkungen zwischen Individuen und den Umweltfaktoren, musste allerdings zunehmend der Analyse ganzer Ökosysteme weichen. Dies war eine Folge der Hochschulreform, durch die schon 1971 aus dem Institut einen Wissenschaftsbereich wurde, der Vertragsforschung leisten musste.[2] Die Arbeiten zur quantitativen Ökofaunistik begannen zunächst im Naturschutzgebiet Leutratal und wurden bis Ende der 1970er Jahre auf immissionsbelastete Gebiete erweitert. Bährmanns Aufgabe war für fast drei Jahrzehnte die massenhafte Bestimmung hunderter Arten von Fliegen.[2] Bährmann war gleichzeitig in der Lehre sehr aktiv und wurde zum Dozenten ernannt.[2] 1990 kam es zur Gründung des Instituts für Ökologie und Bährmann wurde Leiter einer Arbeitsgruppe und zum C3-Professor berufen.[2] 1995 wurde er nach der Emeritierung von Gerhard Schäller kommissarischer Direktor des Instituts.[7] Ein von ihm gegründetes Graduiertenkolleg „Funktions- und Regenerationsanalyse belasteter Ökosysteme“ nahm im März 1996 seine Tätigkeit auf und untersuchte in Zusammenarbeit mit vielen Wissenschaftszweigen Schadstoffbelastungen, beispielsweise in den Fließgewässern der Ilm und im Immissionsgebiet des Düngemittelwerks Steudnitz.[8]
Bährmann war in Wahlfunktionen der akademischen Selbstverwaltung der Universität tätig, zum Beispiel 1989–1997 im Fakultätsrat und 1995–1997 im Senat und Konzil.[2] Außerdem war er seit 1992 Gutachter beim Deutschen Akademischen Austauschdienst und 1991 bis 1997 Vorstandsmitglied bei der Deutschen Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie. Bährmann wurde im September 1997 emeritiert, war aber weiterhin als Autor vieler wissenschaftlicher Publikationen und Lehrbücher tätig.[9]
Schriften (Auswahl)
- Pflanzensaftsaugende Insekten. Bd. 2.: Die Mottenschildläuse: Aleyrodina. Die Neue Brehm-Bücherei Bd. 664. Westarp, Hohenwarsleben 2002. ISBN 978-3-89432-888-7.
- Bestimmung wirbelloser Tiere: Bildtafeln für zoologische Bestimmungsübungen und Exkursionen (begründet von Hans Joachim Müller, ab der 7. Auflage weitergeführt von Günter Köhler). 6. überarbeitete und ergänzte Auflage, Spektrum, Heidelberg 2011. ISBN 978-3-8274-2355-9.
Mitherausgeber und wissenschaftlicher Beirat von Zeitschriften
Bährmann war jahrelang Mitherausgeber der Zoologischen Jahrbücher, Abteilung für Systematik, Ökologie und Geographie der Tiere.[10] Er gehörte dem wissenschaftlichen Beirat folgender Zeitschriften an:[10]
- Deutsche Entomologische Zeitschrift ISSN 1435-1951
- An International Journal of Systematic Entomology (Berlin)
- Beiträge zur Ökologie (Jena) ISSN 0944-8276
Auszeichnungen und Ehrungen
- 2003: Meigen-Medaille der Deutschen Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie
Weblinks
- Literatur von und über Rudolf Bährmann im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Prof. Dr. Rudolf Bährmann (Autoren der Neuen Brehm-Bücherei)
Einzelnachweise
- ↑ Ronald Bellstedt, Günter Köhler: Jede Fliege zählt! ein Nachruf auf Prof. em. Dr. rer. nat. habil. Rudolf Bährmann (1932-2024). Mitteilungen des Thüringer Entomologenverbandes e.V. Jg. 32 (1) 2025 S. 50–53
- ↑ a b c d e f g h i j k l m n o Günter Köhler: Prof. em. Dr. rer. nat. habil. Rudolf Bährmann zum 70. Geburtstag. Entomologische Nachrichten und Berichte 46(3) 2002 S. 201–206. pdf
- ↑ laut Eintrag im Adressbuch Halle (Saale) 1950 in der Ludwig-Wucherer-Straße 9
- ↑ Rudolf Bährmann: Vergleichend-histopathologische Untersuchungen an nosemakranken Honigbienen Apis mellifica L. Hochschulschrift (Dissertation A), Humboldt-Universität Berlin 1963.
- ↑ entsprach etwa der Habilitation
- ↑ Rudolf Bährmann: Ökomorphosen und Dormanz bei Aleyrodiden (Homoptera, Insecta). Hochschulschrift (Dissertation B), Universität Jena 1978.
- ↑ Günter Köhler (Hrsg.): 50 Jahre Ökologie (1965–2015) an der Friedrich-Schiller-Universität Jena: eine wissenschaftliche Historiographie. Erfurter Akademie Verlag, Erfurt 2016. ISBN 978-3-932295-99-7. pdf S. 23
- ↑ Beruf und Chance. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. März 1996, Nr. 65, S. 47
- ↑ Günter Köhler, Ronald Bellstedt, Bernhard Klausnitzer: Prof. Dr. Rudolf Bährmann zum 80. Geburtstag. Entomologische Nachrichten und Berichte 56(3–4) 2012. S. 77–78.
- ↑ a b Prof. Dr. Rudolf Bährmann. Autoren auf der Website der Neuen Brehm-Bücherei (abgerufen am 20. Oktober 2025)