Ruby Yoshino Schaar
Ruby Yoshino Schaar (* 23. Februar 1913 in Alameda, Kalifornien; † 26. August 1987 in San Francisco) war eine US-amerikanische Sopranistin. Sie gehörte zu den ersten Nisei-Künstlerinnen, die landesweite Anerkennung als Sängerinnen erlangten. Später war sie Präsidentin der New Yorker Sektion der Japanese American Citizens League (JACL).[1]
Leben
Ruby Yoshino wurde 1913 in Alameda, Kalifornien, als eines von neun Kindern von Yoshimatsu und Mitsuye Yoshino geboren. Ihr ältester Bruder war John Yoshino. Er wurde später Führungsmitglied der JACL und Spezialist für Gleichstellungsfragen in der US-Bundesverwaltung. Ruby Yoshino erhielt ihren ersten Musikunterricht an der Alameda High School. Ihre Lehrerin Hazel Hunter stellte sie dem Vertreter der Pacific Coast Opera Company, David Carlyes, vor. Später wurde sie Schülerin der Gesangslehrerin Lena Caroll Nicholson. Ihr erstes größeres Konzert gab sie im Alter von 18 Jahren im Jahr 1931 beim California Teacher’s Institute in Oakland. Es folgten zahlreiche Auftritte bei Veranstaltungen von Frauenvereinen und anderen Organisationen. Im Jahr 1935 sang sie im International House der University of California in Berkeley. Die Nichi Bei Shimbun bezeichnete sie dort als „Nisei Songbird“. In dieser frühen Phase wurde sie von ihrem Bruder John gemanagt. 1936 wurde sie zu Radiosendungen von CBS in San Francisco eingeladen. Ihre Studioaufnahmen wurde landesweit ausgestrahlt. Im selben Jahr trat sie beim Oakland-Picknick der Northern Democratic Conference im Rahmen der Wiederwahlkampagne für Präsident Franklin D. Roosevelt auf. Anfang 1937 wurde sie für einen „Birthday Ball“ der March of Dimes im Hotel Oakland engagiert, bei dem sie von Duke Ellington begleitet wurde. Ruby Yoshino trat regelmäßig als Konzertsängerin und als „inspirational singer“ in methodistischen und anderen Kirchen auf. Ab 1936 sang sie monatlich im Unity Wayside Center in Oakland.[1]
Ausbildung und Opernkarriere
1938 begann Ruby Yoshino ein Studium an der University of California in Berkeley, um mit einem Fremdsprachenstudium ihre Ausbildung zu ergänzen. Anfang 1939 reiste sie nach New York, wo sie für ein Vorsingen an der Juilliard School vorgesehen war. Sie trat in der national ausgestrahlten Radioshow Major Bowes Amateur Hour auf. Sie erhielt Unterricht bei Charles Hackett, einem ehemaligen Tenor der Metropolitan Opera. Im Jahr 1939 debütierte Ruby Yoshino im War Memorial Veterans Auditorium in San Francisco, 1940 und 1941 folgten zahlreiche Recitals in kalifornischen Städten wie beispielsweise Fresno, Berkeley und Palo Alto sowie im Greek Theatre in Berkeley. 1941 absolvierte sie eine Wohltätigkeitstournee durch acht kalifornische Städte. Im selben Jahr sang sie in der Memorial Church der Stanford University. Im Magazin Current Life erschien 1940 ein Porträt von Teiko Ishida, das Yoshinos Erfolge als erste erfolgreiche Nisei-Sängerin hervorhob. Ruby Yoshino trat teils im Kimono auf und sang gelegentlich Werke japanischer Komponisten wie Kōsaku Yamada und Kishi Yasuichi; sie konzentrierte sich jedoch überwiegend auf klassische europäische Musik. Obwohl sie die Arie „Un bel dì“ gelegentlich bei lokalen Veranstaltungen vortrug, sang sie nie die Rolle der Cio-Cio-San aus Madama Butterfly.[1]
Im Zweiten Weltkrieg
Nach dem Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 kam Ruby Yoshinos Karriere nahezu zum Erliegen. Ihre Familie wurde zunächst in das Tanforan Assembly Center und anschließend in das Topaz War Relocation Center gebracht. Ruby Yoshino entzog sich der Internierung, indem sie nach Denver zog, wo sie in einer Reinigung arbeitete. Ein Foto von ihr, das die War Relocation Authority für ein Wiederansiedlungsprogramm nutzte, entstand zu dieser Zeit. 1944 sang sie bei einem Konzert im Internierungslager Amache. Im August 1944 wurde sie für eine JACL-Publikumstour durch den Mittleren Westen und die Ostküste verpflichtet. Die Tour wurde von Thomas T. Yatabe organisiert und von der JACL sowie der WRA unterstützt. Sie trat unter anderem in Chicago, Rochester und Washington, D.C., auf. Im Walter Reed Army Hospital sang sie für verwundete Soldaten. Anfang 1945 kehrte sie nach New York zurück, um bei einer Benefizveranstaltung des Japanese American Committee of New York aufzutreten.[1]
Nachkriegszeit
Nach Kriegsende ließ sich Ruby Yoshino in New York City nieder und setzte ihre Gesangskarriere fort. 1948 war sie Mitbegründerin des One World Ensemble, eines Quartetts, das Opernarien und internationale Lieder aufführte und von Columbia Artists gemanagt wurde. Sie heiratete den Pianisten Rudolf Schaar, mit dem sie gelegentlich gemeinsam auftrat.[2] 1950 gab sie ihr formelles New Yorker Debüt in der Times Hall. Es folgten Auftritte in Chicago sowie im Brooklyn Museum of Art (1951) und in der Community Church of New York (1953). Darüber hinaus arbeitete sie als Gesangslehrerin für bekannte Schauspieler wie Anne Bancroft, Joan Crawford und Don Ameche.[1]
Japanese American Citizens League
In den frühen 1950er Jahren setzte sich Ruby Yoshino für die Einbürgerungsrechte japanischer Einwanderer ein, die 1952 durch den McCarran-Walter Act verwirklicht wurden. In den 1970er Jahren war sie Präsidentin der New Yorker Sektion der Japanese American Citizens League und von 1974 bis 1980 Vorstandsmitglied der JACL-Zeitung Pacific Citizen.
1984 stiftete sie ein Stipendium der New Yorker Sektion der JACL zur Förderung von Dramen über die japanisch-amerikanische Geschichte. Es wurde nach ihr benannt und trägt seitdem den Namen Ruby Yoshino Schaar Biennium Playwright Award. Ruby Yoshino Schaar starb am 26. August 1987 nach einjähriger Krankheit.[1]
Literatur
- Greg Robinson und Jonathan van Harmelen. The Great Unknown and the Unknown Great: Japanese American singer and civil rights activist Ruby Hideko Yoshino, in: Nichi Bei Weekly, November 5, 2020.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f Ruby Yoshino Schaar | Densho Encyclopedia. Archiviert vom am 22. Mai 2025; abgerufen am 17. November 2025 (englisch).
- ↑ BARITONE MAKES DEBUT; Embry Bonner Shows Promise in His Program at Town Hall (Published 1951). 31. Dezember 1951 (nytimes.com [abgerufen am 17. November 2025]).