Rschewskoje (Kaliningrad)

Siedlung
Rschewskoje/Adlig Neuendorf
Ржевское
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Stadtkreis Kaliningrad
Frühere Namen Neuhof, Neuendorf (um 1785)
Adlig Neuendorf (bis 1945)
Zeitzone UTC+2
Geographische Lage
Koordinaten 54° 41′ N, 20° 36′ O
Lage im Westteil Russlands
Lage in der Oblast Kaliningrad

Rschewskoje (russisch Ржевское, deutsch Adlig Neuendorf, früher auch Neuhof[1]) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er gehört zum Moskauer Rajon der Oblasthauptstadt Kaliningrad (Königsberg).

Geographische Lage

Das Dorf liegt im ehemaligen Ostpreußen, etwa sieben Kilometer südöstlich der Stadt Kaliningrad, am Nordufer des Mühlenteichs.

Geschichte

Der ehemals Neuendorf[2] genannte Gutsort, der im 18. Jahrhundert ein Kämmerei-Gut der Stadt Königsberg gewesen war,[1] bestand vor 1945 aus einem großen Gutshof und kleineren Höfen. Im Jahre 1874 wurde das Dorf Amtssitz des neu errichteten Amtsbezirks Neuendorf[3], der – wie dann auch das Dorf selbst – um 1900 den offiziellen Namen „Adlig Neuendorf“ erhielt. Bis zum Jahre 1939 gehörten Dorf und Amtsbezirk zum Landkreis Königsberg (Preußen) im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen. Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Adlig Neuendorf in eine Landgemeinde gleichen Namens umgewandelt.

Im Jahre 1910 waren im Gutsbezirk Adlig Neuendorf 368 Einwohner registriert[4]. Bis 1933 stieg deren Zahl auf 477[5].

Zum 1. April 1939 wurde Adlig Neuendorf mit den Nachbargemeinden Schönfließ (russisch: Komsomolskoje) und Seligenfeld (Dalneje) in die Stadtgemeinde und den Stadtkreis Königsberg (Preußen) (heute russisch: Kaliningrad) eingegliedert.

Mit dem ganzen nördlichen Ostpreußen kam auch die Stadt Königsberg mit ihren Stadtteilen zur Sowjetunion, und Adlig Neuendorf erhielt 1946 die russische Bezeichnung „Rschewskoje“. Seitdem gehört das frühere Gutsdorf als Stadtsiedlung zum Kaliningrader Stadtbezirk Moskauer Rajon.

Amtsbezirk Adlig Neuendorf 1874–1939

Von 1874 bis 1939 war Adlig Neuendorf Amtsdorf des nach ihm benannten Amtsbezirks im Landkreis Königsberg (Preußen)[6]. Anfangs gehörte nur der Gutsbezirk Neuendorf (nach 1900 „Adlig Neuendorf“) dazu. Das änderte sich am 14. Mai 1930, als die Landgemeinden Adlig Neuendorf, Schönfließ (Komsomolskoje) und Seligenfeld zum neuen Amtsbezirk Adlig Neuendorf zusammengeschlossen wurden. Als diese drei Gemeinden per 1. April 1939 nach Königsberg (Preußen) eingegliedert wurden, wurde der Amtsbezirk Adlig Neuendorf aufgelöst.

Kirche

Adlig Neuendorf mit seiner damals fast ausnahmslos evangelischen Bevölkerung war schon in früher Zeit ein eigenes Kirchdorf, wurde aber anfangs als Filialgemeinde, dann als mater combinata (gleichwertige Muttergemeinde) von Steinbeck (heute russisch: Rybnoje) aus versorgt. Das Kirchspiel Steinbeck-Neuendorf gehörte bis 1945 zum Kirchenkreis Königsberg-Land I innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Der erste evangelische Prediger im Kirchspiel Steinbeck, ein Mann ohne Theologiestudium, war schon 1525 im Amt.[7][8] Der letzte deutsche Geistliche war Pfarrer Viktor Felix Reiß.

Heute liegt Rschewskoje im Einzugsbereich der Kaliningrader Auferstehungskirchengemeinde. Sie gehört zur Propstei Kaliningrad[9] der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER).

Verkehr

Rschewskoje liegt unmittelbar am Kreuzungspunkt der russischen Fernstraße A 196 mit der Fernstraße R 516 (ehemalige Reichsautobahn Berlin–Königsberg, umgangssprachlich „Berlinka“) in der Umfahrung von Kaliningrad.

Die nächste Bahnstation ist Aiwasowski (Königsberg-Seligenfeld) an der Bahnstrecke von Kaliningrad über Tschernjachowsk (Insterburg) und Gussew (Gumbinnen) nach Litauen (ehemalige Preußische Ostbahn).

Literatur

  • Adlig Neuendorf, Rittergut, Landkreis Königsberg, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912 (anhängende historische Landkarte unzutreffend, da Verwechslung mit Wohnplatz Neuendorf nördlich von Kemnitz im Kreis Greifswald; siehe korrekte hist. Karte zu Königsberg in Preußen) (meyersgaz.org).
  • Königsberg in Preußen, Hauptstadt der Provinz Ostpreußen und des Regierungsbezirks Königsberg, an den Armen des schiffbaren Pregel und am Masurischen Schiffkanal, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Königsberg und der südöstlich davon gelegenen Ortschaft Neuendorf (meyersgaz.org).
  • Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Neidenburg 1890, S. 46–47 (books.google.de).

Einzelnachweise

  1. a b Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil I: Topographie von Ost-Preußen. Marienwerder 1785, S. 17, Ziffer 3.3) (books.google.de).
  2. Ortsinformationen Bildarchiv Ostpreußen: Adlig Neuendorf
  3. Rolf Jehke, Amtsbezirk Adlig Neuendorf
  4. M. W. Ehrenreich: Landkreis Königsberg. In: Gemeindeverzeichnis 1900. U. Schubert, archiviert vom Original am 21. Januar 2008; abgerufen am 20. Dezember 2025 (Stand 1. Dezember 1910).
  5. Michael Rademacher: Landkreis Samland. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com.
  6. Rolf Jehke, Amtsbezirk Adlig Neuendorf (wie oben)
  7. Daniel Heinrich Arnoldt: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den Lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandenen Predigern, Hartung, Königsberg 1777, S. 221–222 (books.google.de).
  8. Ludwig Fedemir Rhesa: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit 1775 an den evangelischen Kirchen in Ostpreußen angestellten Predigern, Paschke, Königsberg 1834, S. 21 (books.google.de).
  9. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad (Memento des Originals vom 29. August 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.propstei-kaliningrad.info