Roy Kellino
Roy Kellino (geboren am 22. April 1912 in Lambeth, London, Großbritannien; gestorben am 18. November 1956 in Los Angeles, Kalifornien, USA) war ein britischer Kinderdarsteller, Kameramann und Filmregisseur sowie gelegentlich auch Drehbuchautor und Filmproduzent. Während des Zweiten Weltkrieges war er auch im Bereich Visuelle Effekte tätig.
Leben und Werk
Roy Kellino war der Sohn von W. P. Kellino, der als einer der Kellinos in Music Halls auftrat und später eine führende Persönlichkeit der ersten Filmjahre in Großbritannien wurde.[1.1] Roy Kellino trat ab 1915 in Filmen seines Vaters auf,[1.2] und wurde mit 10 bereits als Star bezeichnet.[2] Ab 1926 war er als Kameraassistent tätig, ab 1935 als Kameramann.[1.2] Bei den Dreharbeiten zu Jud Süß lernte er Pamela Ostrer kennen. Sie war die Tochter von Isidore Ostrer, dem Leiter von Gaumont British, die den Film produzierten.[2] Die beiden heirateten am 26. Juli 1934.[3] Da die Ostrers nicht mit dieser Hochzeit einverstanden waren, verließ er Gaumont British und ging zu Fox-British, wo er ab 1937 auch als Regisseur tätig war.[1.2]
Als Roy Kellino 1935 als Kameramann an Troubled Waters arbeitete, lernten er und seine Frau James Mason kennen. Schnell entwickelte sich eine Freundschaft zwischen den dreien, und bald zog Mason bei den Kellinos ein.[4] Bald wurden die drei als unzertrennlich wahrgenommen. Als Höhepunkt produzierten die drei den Film I Met a Murderer,[5] bei dem James Mason und Pamela Kellino die Geschichte schrieben und die Hauptrollen übernahmen. Roy Kellino machte aus der Geschichte ein Drehbuch. Er übernahm Regie, Kamera und die Rolle als Produzent. 1940 zog Ray Kellino aus und forderte die Scheidung, wobei er James Mason als Schuldigen nannte.[4][5] Im Sommer 1940 wurde die Ehe von Roy und Pamela Kellino geschieden;[6] kurz danach heirateten Pamela Kellino und James Mason.[5] Trotzdem blieben alle drei weiterhin miteinander befreundet.[1.2]
Während des Zweiten Weltkriegs übernahm Roy Kellino zwei Aufgaben. Einerseits filmte er auf britischen Kriegsschiffen Bilder für Spielfilme wie Convoy (1940) und den von der britischen Admiralität unterstützen Film Ship With Wings. Dafür filmte er zum Beispiel den Start eines Flugzeugs von einem Flugzeugträger aus eben diesem Flugzeug oder einen Torpedo, der auf ein Boot zurast und es knapp verfehlt, von dem betreffenden Boot aus. Dazu und für viele weitere authentische Bilder war er drei Monate lang über 40.000 Meilen auf See unterwegs und bei mehreren Schlachten dabei. Unter anderem war er auf der Ark Royal.[7] Außerdem etablierte er ab 1940 bei den Ealing Studios eine Abteilung zur Entwicklung von Modellen für den Gebrauch in Filmen. Dies erlaubte dem Studio bessere Tricks, besonders für Kriegsfilme. Die Modelle wurden nach den Filmen repariert und für zukünftige Filme aufbewahrt. So waren relativ billige und einfach zu erzeugende, für die Zeit gute Spezialeffekte in den Filmen möglich. 1943 schrieb Kellino, es sei schwer, eine Produktion von Ealing aus dieser Zeit zu finden, die diese Modelle nicht nutzte.[8] Im März 1942 heiratete er Norma Simon.[9]
Ab 1950 arbeitete er wieder als Regisseur.[1.2] Er ging, mittlerweile ein zweites Mal geschieden, in die USA und lebte dort zunächst bei James und Pamela Mason, mit denen er Kontakt gehalten hatte.[10] Bald arbeitete er auch wieder mit ihnen zusammen, so führte er Regie in deren Filmen Lady Possessed und Charade. Ab dieser Zeit arbeitete er als Regisseur in Fernsehserien, hauptsächlich in Anthologien, wie in 43 Folgen von Schlitz Playhouse of Stars oder in 46 Folgen von Four Star Playhouse.[1.2] Im September 1953 heiratete er die Schauspielerin Barbara Billingsley.[11] Ab Juni 1954 war er als Produzent und Regisseur bei Four Star angestellt.[12] Seine letzte Regiearbeit war 1956 in dem Film The Silken Affair,[1.2] für den er von David Niven, einem seiner Chefs bei Four Star, zurück nach England gerufen wurde.[13]
Ray Kellino starb am 17. November 1956 mit 44 Jahren an einem Herzinfarkt.[1.2] Er wurde auf dem Forest Lawn Memorial Park in Glendale beerdigt.[14]
Filmografie (Auswahl)
Regie
- 1937: Concerning Mr. Martin
- 1937: Catch as Catch Can
- 1937: The Last Adventurers
- 1939: I Met a Murderer
- 1950: Guilt Is My Shadow
- 1952: Lady Possessed
- 1952–1955: Schlitz Playhouse of Stars (Fernsehserie, 43 Folgen)
- 1953: Charade
- 1953–1956: Four Star Playhouse (Fernsehserie, 46 Folgen)
- 1955–1956: The Star and the Story (Fernsehserie, 9 Folgen)
- 1956: Telephone Time (Fernsehserie, 6 Folgen)
- 1956: General Electric Theater (Fernsehserie, Folge 5x01)
- 1956: The Silken Affair
Kamera
- 1934: Jud Süß (Jew Süss)
- 1935: The Phantom Light
- 1935: Foreign Affaires
- 1936: Troubled Waters
- 1936: Wedding Group
- 1936: Pot Luck
- 1936: Rhythm in the Air
- 1937: Aren’t Men Beasts!
- 1937: O.H.M.S.
- 1938: Kate Plus Ten
- 1939: I Met a Murderer
- 1940: The Proud Valley
- 1940: Convoy
- 1941: Ships with Wings
- 1945: Johnny Frenchman
Auszeichnungen und Nominierungen
Roy Kellino wurde 1955 für die Folge The Answer aus Four Star Playhouse für einen Emmy in der Kategorie Beste Regie nominiert, konnte den Preis aber nicht gewinnen.[15] Außerdem war er für die ersten drei Directors Guild of America Awards, die in der Kategorie Beste Regie in einer Fernsehserie vergeben wurden, nominiert. 1954 für die Folge Desert Tragedy der Serie Schlitz Playhouse of Stars, 1955 für The Answer und 1956 für The Collar, beide aus der Serie Four Star Playhouse. 1955 gewann er den Award.[16]
Weblinks
- Roy Kellino bei IMDb
Einzelnachweise
- ↑ Robert Murphy (Hrsg.): Directors in British and Irish Cinema. BFI Publishing, London 2006, ISBN 1-84457-125-4, S. 340–341 (englisch, Textarchiv – Internet Archive [abgerufen am 4. Januar 2026]).
- ↑ a b Joan Littlefield: Britain’s Costliest Cinema Completed; Korda Directs Doug. In: The Daily Colonist. 17. Juni 1934, S. 6 (englisch, Textarchiv – Internet Archive [abgerufen am 4. Januar 2026]).
- ↑ Marriages. In: The Billboard. 18. August 1934, S. 33, Sechstes Paar (englisch, Textarchiv – Internet Archive [abgerufen am 4. Januar 2026]).
- ↑ a b Sheridan Morley: James Mason – Odd Man Out. Weidenfeld & Nicolson, London 1989, ISBN 0-297-79323-3, S. 34–35 (englisch, Textarchiv – Internet Archive [abgerufen am 4. Januar 2026]).
- ↑ a b c John Osborne: Mason. In: Life. Januar 1947, S. 36 (englisch, Textarchiv – Internet Archive [abgerufen am 4. Januar 2026]).
- ↑ London. In: Variety. 26. Juni 1940, S. 61, mittlere Spalte oben (englisch, Textarchiv – Internet Archive [abgerufen am 4. Januar 2026]).
- ↑ Roy Kellino Films Britain’s War Effort. In: American Cinematographer. Februar 1942, S. 62 (englisch, Textarchiv – Internet Archive [PDF; abgerufen am 4. Januar 2026]).
- ↑ Keith M. Johnston, Carolyn Rickarts: The spectacle of realism: special effects at Ealing Studios, 1940–45. In: Screen. Band 60, Nr. 2, Juni 2019, S. 261–279, doi:10.1093/screen/hjz006.
- ↑ London. In: Variety. 18. März 1942, S. 53, Abschnitt 6 (englisch, Textarchiv – Internet Archive [abgerufen am 4. Januar 2026]).
- ↑ Diana De Rosso: James Mason: A Personal Biography. Retro Classics, Lennard Publishing, Harpenden 2012, ISBN 978-1-909040-23-6, S. 52–53 (englisch, Textarchiv – Internet Archive [abgerufen am 4. Januar 2026] die Seite direkt nach S.52 ist hier leider nicht S.53).
- ↑ Harrison Carroll: Behind the Scenes in Hollywood. In: The Brazil Daily Times. 14. September 1953, S. 15, 3. Spalte, Mitte (englisch, Abrufbar bei Newspaperarchive.com).
- ↑ Film People. In: Broadcasting, Telecasting. 14. Juni 1954, S. 32, rechte Spalte, sechster Abschnitt von unten (englisch, Textarchiv – Internet Archive [abgerufen am 4. Januar 2026]).
- ↑ Called to London. In: Beckley Rayleigh Register and Post Herald. 31. März 1956, S. 11, ganz unten rechts (englisch, Abrufbar bei Newspaperarchive.com).
- ↑ Roy Kellino in der Datenbank Find a Grave, abgerufen am 4. Januar 2026.
- ↑ Paul Michael, James Robert Parish: The Emmy Awards – A Pictorial History. Crown Publishers, New York 1970, LCCN 76-108082, S. 309 (englisch, Textarchiv – Internet Archive [abgerufen am 4. Januar 2026]).
- ↑ Winner and Nominee Search. In: dga.org. Abgerufen am 4. Januar 2026 (englisch, kein Keyword angeben, Check to see winners only nicht auswählen und unter Historic Categories Television (1953–1970) auswählen. Beim Ergebnis auf Seite 2 gehen. Dabei beachten, dass die Seite die Jahre angibt, in denen die Folgen gelaufen sind, nicht die Jahre der Preisverleihungen, die im jeweiligen Folgejahr stattfanden).