Rothschild-Palais (Untermainkai 15)
Das Rothschild-Palais am Untermainkai 15 am Museumsufer in Frankfurt am Main war ein repräsentatives Wohngebäude von Angehörigen der Familie Rothschild.
Geschichte
Der Bankier Joseph Isaak Speyer, der zur Unternehmerfamilie Speyer gehörte, ließ das Haus 1820 von Stadtbaumeister Johann Friedrich Christian Hess am Untermainkai im Stil des Klassizismus errichten.
Mayer Carl von Rothschild (1820–1886) erwarb 1846 das Palais als Wohnhaus.[1] Aus dieser Zeit sind noch drei repräsentative Räume erhalten.
Seine Tochter Hannah Louise von Rothschild gründete 1887 an anderer Stelle die Freiherrlich Carl von Rothschild’sche öffentliche Bibliothek zum Andenken an ihren verstorbenen Vater, wandelte sie 1893 in eine Stiftung um und verlegte diese 1895 in das Erdgeschoss des Palais. Sie war die erste öffentliche Bibliothek Frankfurts.
1906 schenkte Freifrau Mathilde von Rothschild (geb. Mathilde Halphen), die Witwe von Carl von Rothschild, das Nachbarhaus am Untermainkai 14 mit der Auflage, dass es dauerhaft zur Anstalt gehöre. Das Palais hatte der Bankier Simon Moritz von Bethmann ebenfalls von Stadtbaumeister Hess im 19. Jahrhundert erbauen lassen.
1928 wurden das Haus und das Nachbarhaus in den Besitz der Stadt Frankfurt übergeben. 1933 wurde die Einrichtung umbenannt in „Bibliothek für neuere Sprachen und Musik (Freiherrlich Carl von Rothschild'sche Bibliothek)“ Im November 1935 wurden auch der Klammerzusatz gestrichen und weitere Erinnerungen an die Stifterfamilie im Gebäude getilgt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Rothschild-Bibliothek in die Universitätsbibliothek eingegliedert. Ab 1967 diente das Palais als Dependance des Historischen Museums.[2] Die Eröffnung des Jüdischen Museums Frankfurt, dem ersten jüdischen Museum der Bundesrepublik Deutschland, erfolgte – am 50. Jahrestag des Novemberpogroms – am 9. November 1988 durch Bundeskanzler Helmut Kohl und den Frankfurter Oberbürgermeister Wolfram Brück.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Michael Lenarz: Das Rothschild-Palais. Ein jüdischer Ort im 19. und 20. Jahrhundert. In: Mirjam Wenzel, Sabine Kößling, Fritz Backhaus (Hrsg.): Jüdisches Frankfurt. Von der Aufklärung bis zur Gegenwart. C.H. Beck, München 2020, S. 48–55.
- ↑ Geschichte des Rothschildpalais Frankfurt ( vom 7. Mai 2019 im Internet Archive)
Koordinaten: 50° 6′ 26″ N, 8° 40′ 28″ O