Rote Zelle Germanistik
Rote Zelle Germanistik (Abkürzung: Rotzeg) nannten sich linke studentische Organisations an Germanischen Seminaren bzw. Abteilungen an mehreren deutschen Universitäten.
Gründung
Die erste Zelle wurde 1969 an der Freien Universität Berlin gegründet.[1] Die Mitglieder propagierten ein „Gegenstudium“ der Germanistik mit gezielter Untersuchung von Klassenkämpfen und der Literatur der Arbeiterbewegung. Die Mitglieder der Roten Zellen waren überwiegend Maoisten, die sich unter der Losung „Dem Volke dienen“ als künftiges Lehrpersonal auf eine „revolutionäre Schulpraxis“ vorbereiteten. Diese Perspektive wurde in selbstorganisierten Seminaren und Arbeitsgruppen vorbereitet.[2] In Berlin kam es zu Kontroversen über drei von der Roten Zelle Germanistik mit sympathisierenden Dozenten organisierten Seminaren des „sozialistischen Studiums“.[3] Der Berliner Senator für Wissenschaft und Kunst Werner Stein (SPD) ordnete am 29. Dezember 1970 auf dem Wege der Rechtsaufsicht die Streichung dieser drei Lehrveranstaltungen des Fachbereichs Germanistik aus dem Lehrangebot an, da die Seminarinhalte angeblich verfassungswidrig Auffassungen verbreiten würden. Das Verbot der Seminare führt zu einem studentischen Streik an der FU, der auch auf die TU und die PH übergriff. Gegen das Seminarverbot klagte die Freie Universität Berlin erfolgreich. Das Berliner Verwaltungsgericht hob Steins Eingriff in die Wissenschaftsfreiheit als rechtswidrig auf. Die Zeit berichtet am 26. März 1971: „Die mündliche Urteilsbegründung hebt hervor, dass die Staatsaufsicht über die Universitäten eine durch die Grundrechtsgarantie der Freiheit von Forschung und Lehre ‚stark eingeschränkte Rechtsaufsicht‘ ist. An staatliche Eingriffe seien hier besonders strenge Maßstäbe anzulegen.“ Die Rote Zelle Germanistik gliederte sich 1971 dem Kommunistischen Studentenverband an.[4]
Name
In der Bundesrepublik existierten in den 1970er Jahren „Rote Zellen“ an zahlreichen Universitäten. So gab es u.a. Rote Zellen Germanistik auch in Münster[5] und München[6].
Einzelnachweise
- ↑ Rotzeg, Rote Zelle Germanistik gegründet, in: Rote Presse Korrespondenz 1. 1969, H. 20, S. 1–3.
- ↑ Harold von Hofe: Im Wandel der Jahre deutsches Lesebuch für Anfänger. New York 1979, S. 200.
- ↑ Berliner Senat im Unrecht. In: Die Zeit. Abgerufen am 10. Februar 2024.
- ↑ Sabine Koloch: Die Assistenten-Flugblatt-Gruppe. Literaturkritik.de, abgerufen am 21. November 2025.
- ↑ Dem Volke dienen. Rote Zelle Germanistik Münster. 1. Jahrgang 1971, Nr. 1–4.
- ↑ Steffen Martus, Carlos Spoerhase: Geistesarbeit: eine Praxeologie der Geisteswissenschaften (= Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft 2379). 1. Auflage. Suhrkamp, Berlin 2022, ISBN 978-3-518-29979-1, S. 333.