Rostkappenvireo

Rostkappenvireo

Rostkappenvireo

Systematik
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Überfamilie: Corvoidea
Familie: Vireos (Vireonidae)
Gattung: Hylophilus
Art: Rostkappenvireo
Wissenschaftlicher Name
Hylophilus poicilotis
Temminck, 1822

Der Rostkappenvireo (Hylophilus poicilotis) ist eine Vogelart aus der Familie der Vireos (Vireonidae).[1]

Der Vogel kommt in Nordargentinien, Ostparaguay und Südostbrasilien von Mato Grosso do Sul bis Espírito Santo, und bis Rio Grande do Sul vor.

Die Art wurde lange Zeit als konspezifisch mit dem Grauaugenvireo (Hylophilus amaurocephalus) angesehen[2][3], unterscheidet sich aber durch die Augenfarbe und die Lautäußerungen.[4]

Der Lebensraum umfasst tropische oder subtropische feuchte Wälder, alten Sekundärwald bis mindestens 1000 m Höhe.[5]

Merkmale

Die Art ist 12–13 cm groß und wiegt zwischen 9 und 12 g. Charakteristische Merkmale sind die deutliche rotbraune Kopfkappe, die olivgrüne Oberseite, die graumelierten Ohrdecken und die gelblich graue Unterseite. Die Kopfkappe ist hell kastanienbraun und grau gegen die olivgrüne Oberseite abgesetzt, die Richtung Bürzel heller grün wird. Die Flugfedern sind gräulich schwarz, Hand- und Armschwingen haben an den Außenfahnen schmale grüne Ränder. Die Steuerfedern sind gräulich grün, mit helleren grünlichen Rändern an den Außenfahnen. Die Kehle ist blass grau, die Brust gelblich grau, an den Flanken und der Unterseite heller gelb werdend. Der Steiß ist matt gelblich. Die Iris ist dunkel rötlich braun, der Oberschnabel matt schwärzlich, der Unterschnabel grau bis rosafarben, die Beine sind gräulich. Die Geschlechter unterscheiden sich nicht. Jungvögel sind am Rücken deutlicher olivfarben, an der Unterseite heller.

Teilweise im gleichen Verbreitungsgebiet kommt auch der ähnliche Grauaugenvireo (Hylophilus amaurocephalus) vor, der sich aber durch die Augenfarbe und die Lautäußerungen unterscheidet.[5]

Geografische Variation

Die Art ist monotypisch.[5][6][7]

Stimme

Die Lautäußerungen werden als einfache Folge hoher Laute „sweet-sweet-sweet-sweet“ beschrieben, etwas höher endend, mitunter antwortet das Weibchen mit quäkenden Lauten. Populationen im Süden singen eher schneller und mit mehr Lauten. Der Kontaktruf in der Gruppe ist ein „chek“ oder „chi-chek“.[5]

Lebensweise

Die Art ist ein Standvogel und tritt typischerweise in kleinen Gruppen auf, auch mal mit anderen Arten zusammen in den Wipfeln oder mittleren Waldebenen. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Wirbellosen, auch Früchten, die in kurzen Flügen, klettern und an Zweigen hängend gesucht werden. Selten werden Insekten in der Luft gefangen.[5]

Etymologie und Forschungsgeschichte

Die Erstbeschreibung des Rostkappenvireos erfolgte 1822 durch Coenraad Jacob Temminck unter dem wissenschaftlichen Namen Hylophilus poicilotis. Als Verbreitungsgebiet gab er Brasilien an.[8][A 1] Mit der Art führte er die für die Wissenschaft neue Gattung Hylophilus ein.[8] Der Begriff hat seinen Ursprung in ὑλη hylē, deutsch ‚Wald‘ und φιλος, φιλεω, φιλος philos, phileō, philos, deutsch ‚liebend, lieben, Liebhaber‘.[9] Der Artname hat seinen Ursprung in altgriechisch ποικίλος poikílos, deutsch ‚bunt, gefleckt‘ und altgriechisch οὖς, ὠτός ous,ōtós, deutsch ‚Ohr‘.[10] Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay keinen Balg zur Verfügung. In der Literatur sah er im Synonym Serpophaga cinnamocephala Beroni, AW, 1901 im Departamento Alto Paraná[11] durch Arnaldo de Winkelried Bertoni und in Sapucai[12] durch Charles Chubb als Nachweise für das Land.[13] Carl Eduard Hellmayr verortete das Typusexemplar am Río Ipanema im Bundesstaat São Paulo.[14] Cinnamocephala ist ein Wortgebilde aus altgriechisch κινναμον cinnamon, deutsch ‚zimtfarben‘ und altgriechisch -κεφαλος, κεφαλη -cephalos, cephalē, deutsch ‚-köpfig, Kopf‘.[11]

Gefährdungssituation

Der Bestand gilt als nicht gefährdet (Least Concern).

Literatur

  • Enrique Lynch Arribálzaga: Apuntes criticos sobre las Aves del Paraguay descriptas por el Señor A. de Winkelried Bertoni. In: Anales del Museo Nacional de Buenos Aires (= 2. Band 4). 1902, S. 329–389 (biodiversitylibrary.org).
  • Arnaldo de Winkelried Bertoni: Aves nuevas del Paraguay. Continuación á Azara. In: Anales cientificos paraguayos. Band 1, 1901, S. 1–216 (biodiversitylibrary.org).
  • Charles Chubb: On the Birds of Paraguay - Part IV. In: The Ibis (= 9. Band 4). Nr. 16, 1910, S. 571–647 (biodiversitylibrary.org).
  • Edward Clive Dickinson: Systematic notes on Asian birds. 9. The “Nouveau recueil de planches coloriées” of Temminck & Laugier (1820-1839). In: Zoologische Verhandelingen. Nr. 335, 2001, S. 7–54 (aviansystematics.org [PDF]).
  • Carl Eduard Hellmayr, Wilfred Hudson Osgood: Catalogue of birds of the Americas and the adjacent islands in Field Museum of Natural History and including all species and subspecies known to occur in North America, Mexico, Central America, South America, the West Indies, and islands of the Caribbean Sea, the Galapagos Archipelago, and other islands which may properly be included on account of their faunal affinities. In: Field Museum Natural History Publications (= Zoological Series). Band 13, Nr. 8, 1935, S. 158–160 (biodiversitylibrary.org).
  • Alfred Laubmann: Die Vögel von Paraguay. Band 2. Strecker und Schröder, Stuttgart 1940, S. 205–206 (google.de).
  • Coenraad Jacob Temminck: Nouveau recueil de planches coloriées d'oiseaux: pour servir de suite et de complément aux planches enluminées de Buffon (Tafel 173 Abbildung 2 & Text). Band 3, Lieferung 29. Legras Imbert et Comp., Straßburg 1822 (biodiversitylibrary.org).
Commons: Rostkappenvireo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. P. H. Barthel, C. Barthel, E. Bezzel, P. Eckhoff, R. van den Elzen, Ch. Hinkelmann & F. D. Steinheimer: Die Vögel der Erde - Arten, Unterarten, Verbreitung und deutsche Namen, 3. ergänzte Auflage, 2022, PDF
  2. Carl Eduard Hellmayr (1935), S. 159–160
  3. Rodolphe Meyer de Schauensee: A Guide To The Birds Of South America, Museum of Natural History; Nachdruck, 1970; ISBN 978-0-87098-027-5
  4. M. A. Raposo, R. Parrini und M. Napoli: Taxonomy, morphometry and bioacoustics of the species group Hylophilus poicilotis / H. amaurocephalus (Aves, Vireonidae). In: Ararajuba, Band 6, Heft 2, S. 85–109, 1998.(Portugiesisch, englische Zusammenfassung)
  5. a b c d e D. Brewer: Rufous-crowned Greenlet (Hylophilus poicilotis), version 1.0. In: J. del Hoyo, A. Elliott, J. Sargatal, D. A. Christie und E. de Juana (Herausgeber): Birds of the World. 2020, Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. Hylophilus poicilotis
  6. IOC World Bird List Shrikes, vireos, shrike-babblers
  7. AviList Core Team. 2025. AviList: The Global Avian Checklist, v2025. AviList.v2025
  8. a b Coenraad Jacob Temminck (1822), Tafel 173 Abbildung 2 & Text.
  9. Hylophilus The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  10. poicilotis The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  11. a b Arnaldo de Winkelried Bertoni (1901), S. 125–126.
  12. Charles Chubb (1910), S. 613
  13. Alfred Laubmann (1939), S. 205–206
  14. Carl Eduard Hellmayr (1935), S. 158–159

Anmerkungen

  1. Zur genauen Publikationsgeschichte des Werkes siehe Edward Clive Dickinson (2001).