Rosina Filippi
Rosina Filippi (* 1866 in Venedig; † 1930 in Harborne, Birmingham) war eine in italienische, in das Vereinigte Königreich ausgewanderte Theaterschauspielerin, Schauspiellehrerin und Dramatikerin, die dafür bekannt wurde, erstmals Jane Austens Werke für die Bühne adaptiert zu haben.[1]
Leben
Filippi war die Tochter von, Filippo Filippi, einem Musikkritiker, und Vaneri Filippi, war einer französischen Sängerin, die am Mailänder Konservatorium Gesang unterrichtete.[2] Laut einem Nachruf in der Zeitung The Times verließen sie und ihre Großmutter mütterlicherseits, Georgina Colmache, Frankreich während der Zeit der Pariser Kommune, als Filippi fünf Jahre alt war, und reisten nach London.[3]
Filippi wollte zunächst wie ihre Mutter Opernsängerin werden, doch da ihr das nötige Gesangstalent fehlte, wandte sie sich stattdessen der Schauspielerei zu.[2] Sie studierte bei Hermann Vezin und debütierte 1883 am Gaiety Theatre. Herbert Beerbohm Tree besetzte sie in ihrer ersten großen Rolle, der „französischen Magd“ in The Red Lamp. Sie wurde eine bekannte Charakterdarstellerin mit Rollen wie „Madame Vinard“ in Trilby, „Marthe“ in Faust und der Amme in Romeo und Julia.[4] George Bernard Shaw versuchte, sie in seinem Stück Cäsar und Cleopatra als Kleopatras Amme zu besetzen. Sie leitete auch eine Schauspielschule, in der sie Wert auf Sprachgestaltung legte; einer ihrer Schüler war Felix Aylmer.[5] Sie führte zusammen mit Dorothea Baird Regie bei der Oxford-Schauspielertruppe Christmas Dramatic Wanderers.
Filippi heiratete 1891 Henry Martin Dowson. Das Paar hatte sechs Kinder. Ihre Tochter Rosemary Benvonuta Dowson heiratete später den Autor und Schauspieler Russell Thorndike.[2][6]
1895 veröffentlichte J.M Dent and Company Filippis Duologues and Scenes From the Novels of Jane Austen.[7] Das Buch enthielt sieben Auszüge aus Austens Werken: zwei aus Stolz und Vorurteil, drei aus Emma, einen aus Verstand und Gefühl und einen aus Die Abtei von Northanger. Die Auszüge konzentrierten sich in erster Linie auf Austens Frauenfiguren, mit zwölf weiblichen und vier männlichen Charakteren, und spielten die romantischen Aspekte von Austens Werken zugunsten von häuslichen Szenen herunter.[3] Obwohl Duologues die aufkeimende New-Woman-Bewegung dieser Zeit aufgriff und Szenen und Figuren präsentierte, die den häuslichen Protest der Frauen betonten, soll Filippi selbst Mitglied der Anti-Frauenwahlrechtsbewegung gewesen sein.[8] Sie wurden für zwei bis drei Schauspieler adaptiert und waren für Aufführungen im Salon gedacht.[7][9] Die Ausgabe enthielt acht Illustrationen, die zeitgenössische Kostüme zeigten. Dies war das erste Mal, dass Austens Werke für die Bühne adaptiert wurden. In ihrer Einleitung schrieb Filippi: „Ich bin überzeugt, dass Jane Austen als Dramatikerin ihr Publikum ebenso faszinieren wird wie ihre Leserinnen und Leser als Romanautorin.“.[7] Das Buch wurde von den meisten Rezensenten gelobt, obwohl einige die Durchführbarkeit einer Adaption von Austens Werken für die Bühne in Frage stellten. Es wurde vielfach neu aufgelegt und in Anthologien aufgenommen und führte zu mehreren weiteren Bühnenadaptionen von Austen durch andere Dramatiker, die laut einem Rezensenten durch „wohlwolllenden Neid“ auf Filippis Werk angeregt wurden.[3]
Im März 1901 wurde Filippis Stück The Bennetts, das auf Stolz und Vorurteil basiert, im Royal Court Theatre in London uraufgeführt.[2] Harcourt Williams und Winifred Mayo führten gemeinsam Regie und übernahmen die Hauptrollen als „Mr. Darcy“ und „Elizabeth Bennet“. Das Stück wurde von einem ausverkauften Haus begeistert aufgenommen, wobei sowohl Mayo als auch Williams eine überzeugende Leistung zeigten.[10] Damit war Williams der erste bekannte Schauspieler, der Mr. Darcy auf einer professionellen Bühne spielte.[3]
Im April 1914 begann Filippi, die sich inzwischen als Schauspielerin zurückgezogen hatte, im Old Vic Theatre zwei Shakespeare-Stücke pro Woche aufzuführen, als Teil ihres Vorhabens, ein „Volkstheater“ zu schaffen, um die Werke des Dramatikers der breiten Masse zu erschwinglichen Kosten zugänglich zu machen.[11] Zu diesen Stücken gehörten Der Kaufmann von Venedig mit Hermione Gingold in der Hauptrolle und Romeo und Julia mit Filippis 16-jähriger Tochter Rosemary in der Hauptrolle.[12] Dies war das erste Mal, dass Shakespeare in diesem Theater aufgeführt wurde, das zu dieser Zeit eher für seine Opernaufführungen bekannt war und erst später für seine Shakespeare-Inszenierungen bekannt wurde. Filippi und die Managerin Lilian Baylis stritten sich über diese Angelegenheit; Russell Thorndike behauptete, Baylis habe einen Zettel in die Programmhefte gelegt, in dem sie die Besucher dazu aufforderte, ihr Geld stattdessen für die Opern des Vic auszugeben.[11]
Filippi starb im Alter von 64 Jahren in Harborne, Birmingham.[4]
Einzelnachweise
- ↑ Rosina Filippi (Mrs H.M. Dowson). In: NPG Ax28889. National Portrait Gallery, 1. April 1896, abgerufen am 17. September 2025.
- ↑ a b c d Steve Turner: The Band That Played On: The Extraordinary Story of the 8 Musicians Who Went Down with the Titanic. Thomas Nelson, Nashville 2012, ISBN 978-1-59555-387-4, S. 77 (google.de).
- ↑ a b c d Devoney Looser: The Making of Jane Austen. Johns Hopkins University Press, Baltimore 2017, ISBN 978-1-4214-2283-1.
- ↑ a b Obituary: Miss Rosina Filippi. In: The Times. 28. Februar 1930.
- ↑ Sir Felix Aylmer in der Datenbank Find a Grave, abgerufen am 17. September 2025.
- ↑ Kurt Ganzl: Victorian Vocalists. Taylor & Francis, London 2017, ISBN 978-1-351-59365-6.
- ↑ a b c Rosina Filippi: Duologues and scenes from the novels of Jane Austen. J.M Dent and Company, London 1895 (archive.org).
- ↑ Duologues from Jane Austen’s Novels by Rosina Filippi. In: Objekt-Nummer: CHWJA:JAHB128. Jane Austen’s House, abgerufen am 17. September 2025.
- ↑ Duologues and Scenes from the Novels of Jane Austen. In: The Critic. Band 27, 21. September 1895.
- ↑ John Simkin: Winifred Mayo. In: Women's Suffrage. Spartacus Educational, Mai 2023, abgerufen am 22. Juni 2025.
- ↑ a b Susie Gilbert: Opera for Everyone: The Story of English National Opera. Faber & Faber, London 2011, ISBN 978-0-571-26865-8.
- ↑ Terry Coleman: The Old Vic: The Story of a Great Theatre from Kean to Olivier to Spacey. Faber & Faber, London 2014, ISBN 978-0-571-31125-5.