Rose Scott

Rose Scott (* 8. Oktober 1847 in Glendon, in der Nähe von Singleton, New South Wales; † 20. April 1925 in Sydney) war eine australische Frauenrechtlerin.

Leben

Rose Scott wurde am 8. Oktober 1857 in Glendon bei Singleton, New South Wales geboren. Sie war das fünfte von acht Kindern von Helenus Scott, einem Viehzüchter und dem späteren Polizeirichter von Newcastle und Sarah Ann Scott. Ihre Mutter war die Schwester von George William und Henry Keylock Rusden und eine begabte Sprachwissenschaftlerin und Gelehrte. Sie unterrichtete ihre Töchter Rose und Augusta selbst, während die Söhne ein Internat besuchten. Rose Scott galt als Schönheit mit einem großen Bekanntenkreis und sie reiste regelmäßig nach Sydney, blieb jedoch unverheiratet, auch wenn sie für eine Ehe erzogen worden war.[1]

Rose Scott blieb in Glendon und kümmerte sich um ihre Mutter, der es gesundheitlich nicht gut ging. Sie erbte nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 1879 eine jährliche Rente in Höhe von 500 Pfund und kümmerte sich weiter um ihre Mutter. Als ihre Schwester Augusta, an der sie sehr hing, 1880 starb, adoptierte sie deren zweijährigen Sohn Helenus Hope Scott Wallace, genannt „Harry“, und zog mit ihm und ihrer Mutter nach Sydney.[1]

In Sydney führte sie einen regelmäßigen Salon am Freitagabend in ihrem Haus, an dem Politiker, Richter, Philanthropen, Schriftsteller und Dichter sich trafen, darunter Barbara Baynton, William Cullen, Victor Daley, Frank Fox, William Lane, Roderic Quinn, Arthur Rae und Bernhard Wise. Ihre feministischen Ansichten führte sie auf die Geschichte von Katharinas Unterdrückung in Der Widerspenstigen Zähmung zurück und auf Die Hörigkeit der Frau von John Stuart Mill. Sie besaß eine umfangreiche Bibliothek, die Werke bedeutender zeitgenössischer Schriftstellerinnen sowie britischer und amerikanischer Pionierinnen des Feminismus umfasste. Sie schrieb für den „Sydney Morning Herald“ und prangerte dort das Auswendiglernen und den Konkurrenzkampf im Bildungssystem an.[1]

Frauenwahlrecht

Als 1889 die Women’s Literary Society gegründet wurde, zähle Rose Scott zu den Gründungsmitgliedern. Aus ihr ging 1891 die Womanhood Suffrage League of New South Wales hervor. Ihre Mutter stand dem Frauenwahlrecht ablehnend gegenüber, doch Rose Scott, die Gründungssekretärin der Liga war, steckte ihre Energie in den Kampf um das Wahlrecht und nutzte dabei ihre gesellschaftlichen Kontakte. Ihre Arbeit intensivierte sie, als im Parlament der Gesetzentwurf zur Bekämpfung der Prostitution 1892 gescheitert war, dieser sah vor, das Schutzalter auf 16 Jahre anzuheben und die öffentliche Anwerbung von Prostituierten sowie das Verlassen einer unter Heiratsversprechen verführten Frau unter Strafe zu stellen. Dabei überstand sie zahlreiche interne Streitigkeiten unter den Mitgliedern der Liga, denn obwohl sie nach außen freundlich, charmant und taktvoll auftrat, hatte sie feste Überzeugungen zu politischen Vorgehensweisen und Prioritäten. Beispiele für diese Konflikte waren die Rücktritte der ersten Präsidentin Mary Windeyer 1893 und Louisa Lawsons sowie die anhaltenden Auseinandersetzungen mit Feministinnen der Arbeiterbewegung wie Annie und Belle Golding.[1]

Scotts Mutter starb 1896 und Rose Scott intensivierte ihre Tätigkeiten. Sie engagierte sich in der Bewegung für die vorzeitige Schließung von Geschäften und Fabriken, dabei soll das Gesetz von 1899 angeblich bei ihrem Abendessen entworfen worden sein. Im Jahr 1896 gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern des Nationalen Frauenrats von New South Wales und war etwa ab 1904 Sekretärin und Vorsitzende des Rechtsausschusses des Frauenrats. Als erste Präsidentin eines Frauenausschusses der Gefangenenhilfsorganisation inspizierte sie 1898 das Darlinghurst-Gefängnis und verfasste einen vernichtenden Bericht über die Zustände in diesem Gefängnis. Sie setzte sich für ein separates Frauengefängnis ein, welches 1908 in Long Bay eröffnet wurde und stieß zahlreiche grundlegende Reformen der Haftbedingungen und gegen diskriminierende Praktiken an. Gemeinsam mit Harry Holland gründete sie 1901 die Tailoresses' Union of New South Wales.[1]

Rose Scott teilte die Überzeugung vieler Feministinnen, dass Frauen von der Parteipolitik unabhängig bleiben müssten, und war von 1902 bis 1910 die erste Präsidentin der Women’s Political Educational League. Diese war gegründet worden, um Frauen im Umgang mit dem Wahlrecht aufzuklären. Es wurden Zweigstellen im ganzen Bundesstaat eingerichtet. Zudem setzte sie sich nach wie vor dafür ein, das Schutzalter auf 16 Jahre hochzusetzen. Schließlich wurde das 1910 mit dem Crimes Act erreicht.[1]

Als Ethel Herringe wegen der Erschießung ihres ehemaligen Arbeitgebers verurteilt worden war, setzte sie sich in den Jahren 1903/04 für deren Freilassung ein. Ihr ehemalige Arbeitgeber hatte sie verlassen, als er von ihrer Schwangerschaft erfahren hatte. Herringe war gezwungen, ihre Zwillinge im Darlinghurst-Gefängnis zur Welt zu bringen, anschließend wurden sie ihr direkt weggenommen. Sie argumentierte, dass die Schießerei ein Versuch gewesen wäre, mit der Herringe ihre Ehre wiederherzustellen versuchte, da es keine wirksame Rechtshilfe gab. Dabei wurde sie vom Antifeminist Wise angegriffen, mit dem sie bereits wegen des Frauenwahlrechts aneinander geraten war. Herringes Freilassung konnte nach einem Regierungswechsel im Jahr 1904 erreicht werden. Mit Charles Mackellar arbeitete Rose Scott eng zusammen und sie beriet ihn in taktischen Fragen zum „Infant Protection Act“ (1904). Dieses Gesetz erlaubte es einer unverheirateten Schwangeren, den mutmaßlichen Vater auf Erstattung der Schwangerschaftskosten, Unterhalt für sechs Monate nach der Geburt und Unterhalt für das Kind bis zum Jugendalter zu verklagen.[1]

Weitere Aktivitäten

Scott hatte sich bereits 1900 gegen die Beteiligung des Britischen Empires am Burenkrieg ausgesprochen und wurde eine entschiedene Gegnerin von Konkurrenz und Aggression. Sie wurde 1908 Präsidentin der Sydneyer Niederlassung der Friedensgesellschaft. Nach ihren feministischen Reformkampagnen beteiligte sie sich nun an kulturellen Aktivitäten und war Gründungsmitglied des 1906 von Mary Booth gegründeten Frauenclubs. Von 1908 bis 1911 war sie Präsidentin des Schwimmverbandes der Damen von New South Wales. Dieses Amt gab sie ab, als sie mit Fanny Durack in Konflikt geriet, die an den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm teilnahm. Scott lehnte diese aus pazifistischen Gründen ab und war zudem dagegen, dass Frauen in Anwesenheit von Männern an Wettkämpfen teilnahmen.[1]

In Leserbriefen an Zeitungen verurteilte Scott die Militanz der britischen Suffragetten, woraufhin sie entsprechende Antworten von Adela Pankhurst Walsh und anderen bekam. Sie zog sich 1922 aus dem öffentlichen Leben zurück, gab jedoch noch Zeitungsinterviews. Dabei war sie offen desillusioniert über die Fortschritte der australischen Frauen seit der Einführung des Frauenwahlrechts.[1]

Rose Scott starb am 20. April 1925 und wurde im anglikanischen Teil des Rookwood-Friedhofs beigesetzt.[1]

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j Judith Allen: Australian Dictionary of Biography. National Centre of Biography, Australian National University, Canberra, Rose Scott (1847–1925).