Rosalie Filleul

Anne-Rosalie Bocquet Filleul (geboren 1752 in Paris; gestorben 24. Juni 1794 ebenda) war eine französische Malerin, Pastellmalerin und Miniaturistin.

Leben

Anne-Rosalie Bocquet Filleul, zumeist Rosalie Filleul genannt, wurde 1752 in Paris geboren. Sie war die Tochter von Blaise Boquet (ca. 1721–1784), einem Kaufmann und Fächermaler und Marie-Rosalie Hallé, die ebenfalls eine künstlerische Ausbildung hatte. Ihr Onkel Louis-René Boquet (1717–1814) entwarf Kostüme für die Oper und seine Tochter Jeanne-Angélique Boquet, war ebenfalls Pastellmalerin.[1]

Zunächst wurde sie vermutlich durch ihre Eltern angeleitet, dann durch den Historienmaler Gabriel Briard (1725 oder 1729–1777) ausgebildet, gemeinsam mit Élisabeth Vigée-Lebrun (1755–1842), mit der sie ihr Leben lang befreundet blieb. In die Académie de Saint-Luc wurde sie 1774 gemeinsam mit Vigée-Lebrun aufgenommen und stellte im selben Jahr auf der Ausstellung der Akademie ein Ölporträt zusammen mit weiteren Pastellen aus. Für ihre Bilder wurde sie sehr gelobt und fand große Anerkennung vor allem für ihre Fähigkeit Ähnlichkeiten einzufangen. In den folgenden zwei Jahrzehnten pflegte sie enge Kontakte zum Hof und schuf Porträts der königlichen Familie. Dies war ihr vermutlich durch ihre Arbeit für die Menus-Plaisirs möglich.[2] Im Almanach des peintres von 1776 wurde sie als Malerin von Porträts und Früchten geführt, mit einem Atelier in der Rue Saint-Denis gegenüber der Rue de la Chanvrerie. Weiter wurde festgestellt, dass ihre Porträts eine große Genauigkeit und viel Lebendigkeit auszeichnen würden. Aus dieser Zeit stammen viele ihrer Porträts.[1]

Am 1. Oktober 1777 heiratete sie in Passy den Kammerdiener Ludwigs XVI. und Hausmeister des Schlosses La Muette Louis Filleul de Besne. Filleul de Besne war zu dem Zeitpunkt Witwer und etwa doppelt so alt wie sie. Der Ehevertrag wurde vom König in Anwesenheit der Prinzen Soubise, Rohan Guéménée und Charles-Alexandre de Hénin-Liétard d'Alsace, der Herzöge von Aumont und Villeroy sowie zahlreicher Verwandter unterzeichnet.[1] Nach ihrer Heirat arbeitete sie weiter und durch ihre gestärkten Kontakte zum Hof entstanden die königlichen Porträts wie „Les Enfants du Comte et de la Comtesse d’Artois“ (1781). Sie arbeitete auch weiter für die Menus-Plaisirs. Sie lernte Benjamin Franklin kennen, als dieser als Diplomat in Frankreich lebte. Ihr Porträt von Franklin befindet sich heute im Philadelphia Museum of Art. Franklin ist auf dem Gemälde in einer ungezwungenen Haltung dargestellt, mit offenem Hemd, wie er sich vermutlich unter Freunden gegeben hat. Das Gemälde ist typisch für ihren Stil, insbesondere ihre lebhaften Posen und die leuchtenden, pastellartigen Oberflächen. Das Porträt wurde später als Kupferstich angefertigt und im Geschäft ihres Vaters verkauft.[2]

Das Château de la Muette wurde nach 1788 nicht mehr als königliche Residenz genutzt und die Filleuls zogen auf das Hôtel de Travers, ein kleines Landgut in der Nähe. Kurz darauf starb ihr Mann. Rosalie Filleul arbeitete auch nach seinem Tod weiter als Malerin und sie erhielt eine königliche Pension. Als sich die Vorzeichen der Revolution zeigten, flohen Vigée-Lebrun und andere Freunde aus Frankreich. Filleul jedoch blieb in Paris und hoffte auf positive Veränderungen. Jedoch wurde sie 1794 mit ihrer Mutter und ihrer Freundin, der Malerin Marguerite Chalgrin (1760–1794), verhaftet, weil sie unrechtmäßig Kerzen und andere königliche Einrichtungsgegenstände besaßen, die nun der Republik gehörten. Sie wurden am 24. Juni 1794 auf der Guillotine ermordet.

Einzelnachweise

  1. a b c Neil Jeffares, Dictionary of pastellists before 1800: FILLEUL, Mme, née Anne-Rosalie Boquet, abgerufen am 8. Januar 2026
  2. a b Anne-Rosalie Bocquet Filleul. In: awarewomenartists.com. Abgerufen am 8. Januar 2026 (amerikanisches Englisch).
Commons: Rosalie Filleul – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien