Rolf (Adelsgeschlecht)
Rolf ist der Name eines erloschenen westfälischen Briefadelsgeschlechts.
Geschichte
Das Geschlecht beginnt seine Stammreihe mit dem fürstlich-kaunitzschen Hofkammerrat Benedikt Joseph Rolf (* 1746; † 1805) auf Graswinkel bei Mastholte in der Grafschaft Rietberg.[1]
Benedikt Joseph Rolf war mit der jüngsten der drei Töchter († 1787) des kurpfälzischen Kammerherrn Philipp Ludwig von Hörde († 1788) zu Milse verheiratet. Schwiegervater Ludwig Philipp von Hörde verspielte sein Haus Milse in einer Nacht in der Spielbank von Bad Pyrmont, wurde 1771 entmündigt und wohnte danach zeitweilig bei seinem Schwiegersohn Benedikt Joseph Rolf in Rietberg. Dieser wurde Pfandherr von Haus Milse und dann auch mit dem Gut belehnt. Seinem Sohn Wenzel Anton Rolf (* 3. Oktober 1777; † 1856) wurde bereits mit der Belehnung durch das Stift Herford im Jahr 1787 die Lehnsfolge gesichert. Die herfordsche Lehnsrolle von 1803 führt als Lehnsbesitzer des Hauses Milse, das damals einen Wert von 67.000 Talern hatte, neben Wenzel Anton auch dessen Schwestern Helena, Dorothea, Adolfine, Josephine und Alexandrine Rolf an.[2]
Besagter Wenzel Anton Rolf auf Graswinkel, fürstlich-kaunitzscher und königlich-preußischer Kammerrat, wurde am 27. August 1803 mit Prädikat „Wohlgeboren“ in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Dessen Söhne Thankmar Adolf von Rolf (* 22. April 1807 in Bielefeld; † 25. August 1904 in Wiedenbrück), Rentmeister zu Rhaden, und Alarich Franz von Rolf (* 8. November 1822), Rentmeister zu Schildesche, erhielten am 8. Juni 1857 eine preußische Anerkennung des Freiherrenstands.[3] Ihre ältere Schwester Auguste von Rolf († 30. Juni 1872), wie Thankmar Adolf aus des Vaters erster Ehe mit Bernardina Ernestina Constanzia von Hanxleden (1776–1809), war Erbin von Haus Rieste in Rieste bei Bramsche. Ihr Vater hatte das durch Schulden stark belastete Erbe zunächst vertraglich abgetreten. Nach parzellenweisem Verkauf des Guts Rieste im Jahr 1811, bei dem Auguste von Eschede geb. von Hörde († 20. Februar 1837) das Herrenhaus erworben hatte, kam dieses nach deren Tod an ihre o. g. Nichte Auguste von Rolf. Nach deren Tod fiel das Haus an ihre Stiefgeschwister aus der zweiten, 1828 in Lemgo geschlossenen Ehe ihres Vaters mit Friederike Jungblut (1791–1871), Tochter des Heuerlings Johann Albert Jungblut und der Wilhelmine Schröder. Neben Alarich Franz waren dies Raban Emmerich Karl von Rolf (* 3. Mai 1821; † 11. Dezember 1891) und Ida Catharina von Rolf (* 26. Oktober 1824; † in Osnabrück). Sie verkauften Haus Rieste an den Landwirt Wilhelm Richtering aus Rieste.[4][5]
Thankmar Adolf von Rolf war mit Friederike Poppelmeier verheiratet. Sie hatten zwei Söhne, Wenzel Thankmar und Wenzel von Rolf (* 17. Februar 1857 in Rahden; † 22. Juni 1923 in Düsseldorf), Direktor der Dampfschiffahrts-Gesellschaft für den Nieder- und Mittelrhein in Düsseldorf. Letzterer war mit Margaretha Stölling (* 1855) verheiratet und hatte mit ihr einen Sohn namens Thankmar Wenzel Hans Friedrich von Rolf (* 29. Juli 1890 in Düsseldorf; † 22. November 1939 ebenda). Aus dessen Ehe mit Elisabeth Wirtz (1897–1952) ging Sohn Wenzel Otto Richard August von Rolf (* 26. Februar 1921; † vor Februar 1956) hervor.[4]
Wappen
Blasonierung: Geviert. In Feldern 1 und 4 in Gold ein blaues sechsspeichiges Rad (= ähnlich Stammwappen Hörde, nur anders tingiert); in Feldern 2 und 4 in Blau ein silbernes Spornrad. Drei gekrönte Helme mit blau-goldenen Helmdecken: I. ein linkssehender gekrönter blauer Adler mit einem silbernen Spornrad auf der Brust; II. drei von Blau über Gold geteilte, linkswehende Fähnchen an goldenen Lanzen (= ähnlich Stammhelm Hörde, anders tingiert); III. aus der Krone wachsender goldener Löwe, in den Vorderpranken ein blaues sechsspeichiges Rad.[3]
Max von Spießen dagegen stellt Wagenrad und Löwen in Rot und die Decken in Blau-Silber dar.[6]
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Wappen derer von Rolf in Siebmachers Wappenbuch
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Wappen derer von Rolf im Wappenbuch des Westfälischen Adels
Literatur
- Konrad Blažek: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 7 (Ergänzungen), 2. Abt.: Preußische Grafen und Freiherren. Ergänzungen, Nürnberg 1886, S. 43 (uni-goettingen.de) und Tfl. 29 (uni-goettingen.de).
- Hans Friedrich von Ehrenkrook: Genealogisches Handbuch des Adels, Band XII, 2001, S. 1.
- Maximilian Gritzner: Chronologische Matrikel der Brandenburgisch-Preussischen Standeserhöhungen und Gnadenacte von 1600–1873, Berlin 1874, S. 123 (Google Bücher).
- Max von Spießen: Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Wappengrafiken von Adolf Matthias Hildebrandt, Band 1, Görlitz 1901–1903, S. 107 (hhu.de); Band 2, Görlitz 1903, Tfln. 268 (hhu.de).
- Rudolf von Stillfried-Rattonitz (Bearb.): Verzeichnis der seit dem Bestehen des Kgl. Preuss. Heroldsamtes (1855) erfolgten Standeserhöhungen, Adelsbestätigungen und Namensvereinigungen, Berlin 1875, S. 7 (Google Bücher).
Weblinks
- Österreichisches Staatsarchiv, AT-OeStA/AVA Adel RAA 350.10 Rolf, Wenzel Anton, preußischer Kammerrat, Erbherr zu Großwinckl, Freiherrnstand, „Wohlgeboren”, 1803.08.27.
Einzelnachweise
- ↑ Ehrenkrook (2001), S. 1.
- ↑ Karl Adolf von der Horst: Die Rittersitze der Grafschaft Ravensberg und des Fürstentums Minden, Berlin 1894, S. 60 f. (Google Bücher).
- ↑ a b Blažek (1886), S. 43.
- ↑ a b Genealogisches Handbuch des Adels, Band 150, 2011, S. 401.
- ↑ Rudolf vom Bruch: Die Rittersitze des Fürstentums Osnabrück, Osnabrück 1965, S. 291.
- ↑ Spießen (1901–1903), S. 106.