Roland Pröll
Roland Pröll (* 11. Juni 1949 in Unna; † 3. Dezember 2025[1]) war ein deutscher Pianist, Musikpädagoge und Hochschullehrer.
Ausbildung
Roland Pröll erhielt seinen ersten Klavierunterricht mit fünf Jahren und begann im Alter von elf Jahren sein Studium am Dortmunder Konservatorium, der nachmaligen Musikhochschule, in der Klasse von Dieter Wollert. Dort legte er sein Diplom mit Auszeichnung ab und wechselte dann nach Paris an das Conservatoire National Supérieur de Musique, wo er hauptsächlich bei Pierre Sancan studierte, daneben aber auch mit Yvonne Loriod, Aldo Ciccolini, Vlado Perlemuter und Raymond Trouard arbeitete. Neben und nach seinem Klavierstudium absolvierte er dort auch Studien in Komposition (bei Olivier Messiaen), Dirigieren, der Kammermusik, und Solfège. Musikwissenschaft studierte er an der Sorbonne und schloss dies mit dem Doctorat d’Université ab (äquiv. Magister). Während seines Aufenthalts in Paris war er zudem Privatschüler von Arthur Rubinstein, Géza Anda und Swjatoslaw Richter. Er erlangte zahlreiche erste Preise bei internationalen Wettbewerben, vor allem als Pianist, außerdem jedoch auch als Dirigent, Komponist und Kammermusiker.
Musik
Roland Pröll konzertierte weltweit solistisch, kammermusikalisch, wie auch mit Orchester. Er spielte u. a. in der Oper Sydney, der Berliner Philharmonie, dem Salle Gaveau in Paris und der Shanghai Concerthall. Bis in die 1990er Jahre einer der gefragtesten Konzertpianisten in Deutschland, gab er über 100 Konzerte pro Jahr. Zu seinem beeindruckenden Repertoire gehörten auch zahlreiche Werke des russischen Komponisten Alexander Nikolajewitsch Skrjabin. Nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten verlagerte sich sein Arbeitsschwerpunkt seitdem vor allem auf Japan, Korea und China sowie Spanien. Seit der zweiten Hälfte der 2000er Jahre arbeitete er auch wieder verstärkt in Deutschland, Frankreich und Amerika.
Seine über 30 Schallplatten und CD-Aufnahmen erschienen in den 1980er Jahren vor allem bei Aris/Ariola Polyphonia, die neueren bei verschiedenen Plattenlabels. Roland Pröll nahm auch für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland sowie für Funk und Fernsehen in anderen Länder auf.
Pädagogik
Roland Pröll machte sich auch als Pädagoge einen Namen. Von 1976 bis 1996 unterrichtete Roland Pröll zunächst als Dozent, später als Professor für Klavier an der Dortmunder Musikhochschule als Abteilung der Hochschule für Musik Detmold, die er von 1988 bis 1990 als Dekan leitete. Während seiner Tätigkeit dort erlangte die Dortmunder Musikhochschule internationalen Ruf. Einer seiner bekanntesten Schüler dort war der inzwischen in England lebende Pianist Florian Uhlig, ebenso der Pianist Ernst Nolting-Hauff.
Danach arbeitete er vor allem im Ausland. Besonders stark engagierte er sich in Südkorea und Japan sowie in Spanien. Von 1999 bis 2002 leitete Roland Pröll die Ibach-Akademie in Schwelm, eine Initiative des gleichnamigen Klavierbauers, die in Zusammenarbeit mit Pröll aufgebaut wurde und inzwischen – ohne die professionelle Klavier-Abteilung – in die Musikakademie Spieler übergegangen ist. Von Anfang 2006 bis Mitte 2007 betätigte sich Roland Pröll außerdem als musikalischer Leiter bei dem inzwischen aufgelösten Verein Viva la Musica e. V. in Bad Oeynhausen.
1987 gründete er den internationalen Schubert Wettbewerb in Dortmund, (die Leitung hat inzwischen Arnulf von Arnim übernommen) und war auch als Juror bei anderen Wettbewerben (u. a. Robert-Schumann-Preis, Rovere d’Oro) regelmäßig tätig.
Ein weiterer wichtiger Teil seiner Arbeit waren Meisterkurse und Gesprächskonzerte, die er regelmäßig weltweit, häufig im Auftrag von Organisationen (u. a. Goethe-Institut) hielt, wobei er sich auch für die ärmeren Regionen der Erde engagierte. Außerdem verfasste er verschiedene Musiklehrbücher.
Nach Gastprofessuren an der Atsugi Showa Musikhochschule in Tokio, Japan, und am Conservatorio Superior de Musica in Murcia, Spanien, unterrichtete er Klavier und Kammermusik am Institut für Musik der Hochschule Osnabrück, an der er 2009–2010 den Studienbereich Klassik leitete, sowie an der Technischen Universität Dortmund.
Kirchenmusik
Roland Pröll wuchs in einer neuapostolischen Familie auf und blieb der Neuapostolischen Kirche sein Leben lang musikalisch verbunden, gab regelmäßig solistische Konzerte im kirchlichen Rahmen und begleitete und leitete zahlreiche Chorprojekte.
Ab Sommer 2018 war er als Kantor in der evangelischen Stadtkirchengemeinde Hagen tätig.[2][3][4]
Kreditbetrug
Er leistete zahlreiche Bürgschaften für verschiedene Geschäfte, ohne die Belege ausreichend zu prüfen. Dies führte 1995 zu einer Verurteilung wegen 11-fachen Kreditbetrugs im Umfang von insgesamt über 6 Mio. DM. Am Landgericht Dortmund wurde er zu 4½ Jahren Haft verurteilt, dann auf Grund guter Führung nach 3 Jahren entlassen. Noch während seiner Haftzeit begann er als Freigänger zunächst als Assistent des Geschäftsführers bei der Klavierfabrik Ibach in Schwelm zu arbeiten, wo er nach seiner Haftentlassung dann die o. g. Ibach-Akademie aufbaute.
Diskographie (Auszug)
- Wolfgang Amadeus Mozart: Klavierkonzerte KV 413 und KV 414 a quattro (mit Arnsberger Streichtrio)
- Wolfgang Amadeus Mozart: Kammermusik aus 3 Generationen Mozart (Vater, W.A., Sohn) (mit Manfred Hörr, Violine, Christiane Hörr, Viola und Peter Hörr, Cello)
- Ludwig van Beethoven: Klaviersonaten op. 110 und op. 111
- Franz Schubert: Die Winterreise (mit Berthold Schmidt, Tenor)
- Franz Schubert, C. Debussy, J. Brahms und G. Fauré: Cellosonaten (mit Peter Hörr, Cello)
- Johannes Brahms: Klavierkonzert Nr. 1 (d-Moll, op. 15) (mit den Jungen Symphonikern unter Werner Seiss)
- Johannes Brahms: Violinsonaten Nr. 1 (op. 78), Nr. 2 (op. 100), Nr. 3 (op. 108) und Scherzo c-Moll (oop.) (mit Ismene Then-Berg, Violine)
- Johannes Brahms: Horn-Trio Es-Dur (op. 40), Violinsonate Nr. 2 (op. 100) und Scherzo c-Moll (oop.) (mit Gerhard Reich, Violine)
- Johannes Brahms: Variationen und Fugen über ein Thema von Händel (op. 24) und Vier Balladen (op. 10)
- Robert Schumann: Fantasie C-Dur (op. 17), M. Ravel: Miroirs Spiegelbilder
- Maurice Ravel: Pavane pour une infante défunte, P.I. Tschaikowski: Scherzo aus Symphonie Nr. 1 (op. 13) in g-Moll, George Gershwin: Rhapsody in Blue (mit LJOrchester RP unter Michel Luig)
Bücher
- L’Effet Psychologique du Triton dans la Musique d’Alexandre Scriabine. Abschlussarbeit an der Sorbonne
- Phantasie und künstlerische Produktion. Ist Kreativität erlernbar?. Studienbrief der Fernuniversität in Hagen, 1997.
- Solfège. Musiktheoretisch-praktisches Übungswerk. Eigenverlag, 2006.
- Wie übt man effektiv? Eigenverlag, 2008.
- Die Antikarriere: Roman vom Fall eines Musikers. Adlerstein-Verlag, 2017, ISBN 978-3-945462-58-4.
Weblinks
- Werke von und über Roland Pröll im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Internationaler Schubert Wettbewerb (Roland Pröll ist der Gründer des Wettbewerbs)
- Institut für Musik der Fachhochschule Osnabrück
- IKS Institut für künstlerische Solmisation (archivierte Fassung vom 22. März 2023)
Einzelnachweise
- ↑ Traueranzeige Roland Pröll. In: Trauer in NRW. FUNKE Medien NRW GmbH, 27. Dezember 2025, abgerufen am 3. Januar 2026.
- ↑ Bettgeschichten: Roland Pröll, Kreditbetrüger aus Dortmund. In: NRWision. Technische Universität Dortmund, 4. September 2014, abgerufen am 12. Dezember 2025.
- ↑ Mike Fiebig: Roland Pröll – Das neue Leben eines verurteilten Betrügers. In: Westfalenpost. 10. Juni 2018, abgerufen am 12. Dezember 2025.
- ↑ Pröll ist Glücksfall für Hagen. In: Westfalenpost. 19. Juni 2018, abgerufen am 12. Dezember 2025.