Roland Hagenbüchle
Roland Hagenbüchle (* 13. Oktober 1932 in Homburg; † 14. Januar 2008) war ein Schweizer Amerikanist und Kulturphilosoph.
Studium, Lehre und Forschung
Roland Hagenbüchle, geboren im Bezirk Frauenfeld im Kanton Thurgau als Sohn von Ferdinand Hagenbüchle, dem Obergerichtspräsidenten im Kanton Thurgau, studierte zunächst Architektur an der ETH Zürich und absolvierte ein zweijähriges Praktikum in Basel, danach Linguistik, Anglistik und Germanistik an der Universität Zürich. Nach Studienaufenthalten in Cambridge (England) und Nancy (Frankreich) erfolgte 1967 in Zürich die Promotion zum Doktor der Philosophie; danach war Hagenbüchle doctoral fellow der Universität Yale. 1975 erfolgte die Habilitation in Zürich.
Nach Gastdozenturen in Bern (1976), Göttingen (1974) und am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien der Freien Universität Berlin (1975) war er 1976 bis 1980 Wissenschaftlicher Rat und Professor an der eben erst eröffneten Universität-Gesamthochschule Wuppertal berufen. 1980 erhielt Hagenbüchle gleichzeitig zwei Rufe, einen an die Universität Marburg und den anderen an die Katholische Universität Eichstätt. Hagenbüchle war dann von 1980 bis 1996 Lehrstuhlinhaber für Amerikanistik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.
Hagenbüchle galt als renommierter Interpret der Werke der amerikanischen Dichterin Emily Dickinson. Nach der Pensionierung 1996 verlegte Hagenbüchle seinen Forschungsinteresse auf den weiteren Bereich der Kulturphilosophie, speziell auf die Interkulturalität, das problematische Verhältnis unter den verschiedenen Kulturen und der Kritik des abendländischen Denkens.
Roland Hagenbüchle war katholisch und ab 1964 mit der promovierten Englischlehrerin Helen Hagenbüchle-Imfeld[1] verheiratet.
Auszeichnungen
- 2004: Distinguished Service Award der Emily Dickinson International Society[2]
- 2008: Scholar in Amherst Award der Emily Dickinson International Society[3]
Publikationen (Auswahl)
- Sündenfall und Wahlfreiheit in Miltons „Paradise Lost“. Versuch einer Interpretation (= Schweizer Anglistische Arbeiten. Band 59 [fälschlich als Band 58 bezeichnet]). Francke, Bern 1967 (zugleich: Dissertation, Universität Zürich, 1964).
- Precision and Indeterminacy in the Poetry of Emily Dickinson. In: Emerson Society Quarterly. Bd. 20 (1974), H. 1, S. 33–56.
- als Hrsg. mit Joseph T. Swann: Poetic Knowledge: Circumference and Centre. 1980.
- als Hrsg. mit Herwig Friedl: American Transcendentalism (= Amerikastudien / American Studies. Band 28, Nr. 1). 1983.
- als Hrsg.: American Poetry between Tradition and Modernism: 1865–1914. 1984.
- Emily Dickinson. Wagnis der Selbstbegegnung. Stauffenburg, Tübingen 1988, ISBN 3-923721-14-5 (zugleich: Habilitationsschrift, Universität Zürich, 1974)
- hrsg. mit Gudrun Grabher, Cristanne Miller: The Emily Dickinson Handbook. University of Massachusetts Press, Amherst 1998.
- als Hrsg. mit Paul Geyer: Das Paradox. Eine Herausforderung des abendländischen Denkens (= Stauffenburg-Colloquium. Band 21). Stauffenburg, Tübingen 1992, ISBN 3-923721-78-1.
- Geschichte und Vorgeschichte der modernen Subjektivität (PDF; 205 kB). In: Reto Luzius Fetz, Roland Hagenbüchle, Peter Schulz (Hrsg.): Geschichte und Vorgeschichte der modernen Subjektivität. Walter de Gruyter, Berlin [u. a.] 1998, ISBN 3-11-014938-9.
- Von der Multi-Kulturalität zur Inter-Kulturalität (PDF; 470 kB). Königshausen & Neumann, Würzburg 2002, ISBN 3-8260-2264-5.
- Kultur im Wandel oder Die Provokation des Vulgären. Königshausen & Neumann, Würzburg 2005, ISBN 3-8260-3166-0.
Literatur
- Hagenbüchle, Roland. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 441.
- Hans Hunfeld (Hrsg.): Wozu Wissenschaft heute? Ringvorlesung zu Ehren von Roland Hagenbüchle. Narr, Tübingen 1997, ISBN 3-8233-5181-8.
- Marietta Messmer, Josef Raab (Hrsg.): American vistas and beyond: A Festschrift for Roland Hagenbüchle. Wissenschaftlicher Verlag Trier, Trier 2002, ISBN 3-88476-553-1.
Weblinks
- Publikationen von und über Roland Hagenbüchle im Katalog Helveticat der Schweizerischen Nationalbibliothek
- Roland Hagenbüchle ( vom 20. Juni 2014 im Webarchiv archive.today), Katholische Universität Eichstätt
- Biographie auf der Website von Roland Hagenbüchle
Einzelnachweise
- ↑ Vgl. www.zentraleserien.zh.ch.
- ↑ Bericht der Preisverleihung ( vom 6. März 2016 im Internet Archive), Website von Roland Hagenbüchle, abgerufen am 21. Juni 2014.
- ↑ 2009 Scholar in Amherst Award Competition, Website der Emily Dickinson International Society, abgerufen am 21. Juni 2014.