Roland Gööck
Roland Gööck (* 29. September 1923 in Felchta; † 2. Oktober 1991 in Regensburg) war ein deutscher Redakteur, Sachbuchautor und Lektor. Rolf Jeromin, Peter Korn und Lutz Adron waren Pseudonyme von Gööck.
Leben und Karriere
Roland Gööck wurde als jüngster Sohn des Pfarrers[1] Michael Gööck und dessen Ehefrau Elfriede Gööck, geborene von Törne, im Kreis Mühlhausen in Thüringen geboren; die Vorfahren väterlicherseits kamen aus dem Baltikum. Er hatte drei Brüder: Roderich, Otto und Dieter Gööck.[2]
Von 1947 bis 1954 arbeitete Gööck in der Redaktion einer Tageszeitung. Sein erstes Buch, der utopische Kriminalroman Corix ist dagegen, erschien 1948 unter dem Pseudonym Peter Roland.[3]
Von 1954 bis 1962 war Gööck Pressechef beim Verlag C. Bertelsmann in Gütersloh. Ende der 1950er Jahre gab er neue Ausgaben der Werke von Jules Verne (Sigbert Mohn Verlag, Vier-Falken-Verlag) und Daniel Defoe (Sigbert Mohn Verlag, Bertelsmann Lesering) heraus und bearbeitete 1958 für Bertelsmann eine Biografie von Zarah Leander nach der gleichnamigen Serie in der Bild-Zeitung von Max Pierre Schaeffer. Anfang der 1960er Jahre folgten Editionen von Karl-May-Büchern für den Bertelsmann-Verlag, Mosaik Verlag (Hamburg), Scherz Verlag (Bern) und Phoenix Verlag (Bern/München), Heidi (Bertelsmann Lesering, Phoenix Verlag), Ende der 1960er Jahre Onkel Toms Hütte (Bertelsmann, Scherz Verlag) und Wilhelm Busch’s Hausapotheke (Praesentverlag Peter).
Ab 1962 arbeitete Roland Gööck als freier Schriftsteller und Buchproduzent. Das war der Beginn seiner Sachbuchkarriere. Er schlug Bertelsmann vor, ein großes Kochbuch für den Bertelsmann Lesering zu konzipieren;[4] das Buch überholte im 1. Quartal 1963 alle Auflagenrekorde. Darauf schrieb Gööck in den 1960er, 1970er und 1980er Jahren mehr als 230 Sachbücher und Bildbände unter seinem eigenen Namen (Gesellschaftsspiele, Kochbücher) aber auch unter verschiedenen Pseudonymen, die jeweils für bestimmte Themengruppen gewählt wurden:
Roland M. Gööck (u. a. Fußball), Lutz Adron (Allgemeinwissen), Pim Pinelli (Gewürze der Welt), Peter Roland, Alexander Ettl (Rezeptbücher für Fisch, Käse, Gewürze), Alex Ettl (Architektur, Kochbücher), Roland Gek (nur für Bücher in Serbien verwendet), Roland Gēks (Große Erfindungen …), Rolf Jeromin („weltmännische“ Themen: Wein-Ratgeber, kulinarische Küche weltweit, Reisebeschreibungen), Peter Korn (Karl-May-Bücher), Franz Mausener (humoristische Themen) und Peggy Persson (Wilhelm Busch’s Hausapotheke).
Bei Bertelsmann hatte Gööck den Titel Sachbuch-Goethe, andere bezeichneten ihn als „Vielschreiber“ und „Sachbuch-Alleskönner“[5] oder als „Tausendsassa“ und „Auflagenmillionär“.[6] Im Jahre 1983 hatten seine 230 Bücher eine Gesamtauflagenzahl von 41,5 Millionen erreicht, darunter auch das als deutsches Sachbuch führende Das neue große Kochbuch (3 Mio. Auflage), Alle Wunder dieser Welt (2 Mio.) und Der Mensch in seiner Welt (12 Bände, zusammen 12 Mio.).
Neben der Vielseitigkeit der von ihm bearbeiteten Themen war auch die Schnelligkeit von Publikationen Gööcks Spezialität. Erstmals bei den Olympischen Sommerspielen 1960 in Rom sorgten Gööck und sein Team dafür, dass bereits vier Tage nach der Schlussfeier die ersten Bildbände in die Buchläden kamen. Weitere „Gööck’sche Schnellschüsse“ (Branchenjargon) erfolgten mit Bildbänden innerhalb von nur drei Tagen bei Fußball- und Leichtathletik-Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen.
„Nach dem ersten Buch begann mir die Sache Spaß zu machen. Heute schreibe ich Bücher, weil jeder Buchplan für mich ein neues großes Abenteuer ist, weil ich bei jedem eine Menge dazulerne und weil ich es für eine wichtige und gute Sache halte, einfache Dinge einfach auszudrücken.“
Roland Gööck war evangelisch, ab 1946 verheiratet mit Antonia Gööck, geborener Ettl, lebte in Hemau im Landkreis Regensburg und hatte zwei Kinder (Roland Michael und Alexandra Magdalena). Er starb in Regensburg und wurde auf dem Friedhof in Deuerling beerdigt.
Publikationen
Bei den meisten Publikationen (Stand 1983: 230 Bücher, Sachbücher und Bildbände) ist es schwer nachzuvollziehen, in welchem Ausmaß Roland Gööck Autor, Initiator, Koordinator oder Herausgeber war. Laut WorldCat[7] gibt es derzeit (2011) 613 Werke in 951 Veröffentlichungen und 21 Sprachen, darunter Deutsch, Englisch, Finnisch, Französisch, Italienisch, Kroatisch, Lettisch, Niederländisch, Norwegisch, Polnisch; Portugiesisch, Schwedisch, Serbisch, Slowakisch, Slowenisch, Spanisch und Ungarisch.
Frühe Einzeltitel
- Peter Roland (Roland Gööck): Corix ist dagegen (Utopischer Kriminalroman), Iris-Bücherei, Engelbert-Verlag, Iserlohn/Regensburg, 1948
- Als die Sperrmauer brach – Ein Bericht über die Zerstörung der Edertalsperre am 17. Mai 1943 und den Wiederaufbau im Edertal; Wilhelm Bing Verlag, Korbach, 1953
Sachbücher (Auswahl)
- Bertelsmann
- Bertelsmann. Sigbert Mohn Verlag, Gütersloh 1959 (Ausführlicher Überblick über den Konzern).
- Bücher für Millionen. Fritz Wixforth und die Geschichte des Hauses Bertelsmann. Bertelsmann Sachbuchverlag, Gütersloh 1968.
- Kochbücher und Gewürze (mindestens 53 Bücher), darunter:
- Raffinessen aus deutschen Küchen. 1960 (auch in englischer Sprache erschienen).
- Das neue große Kochbuch. Bertelsmann-Ratgeberverlag, München/Gütersloh/Wien 1963; Neuauflage 1975; erschienen auch in niederländischer, slowenischer und serbokroatischer Sprache).
- Leckerbissen aus deutschen Küchen. 1964.
- Das Buch der Gewürze. Mosaik-Verlag, München 1965; Neuauflage 1977.
- Feinschmecker auf Reisen. 1965 ff.
- Backen mit Lust und Liebe, 800 Rezepte. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1970.
- Die 100 berühmtesten Rezepte der Welt – das Farbbild-Kochbuch der internationalen Spezialitäten. Sigloch-Edition, Künzelsau 1971; Neuauflage 1983 (in mindestens 10 Sprachen übersetzt).
- Das große Fondue-Buch. 1976.
- Großes Universal-Kochbuch. 1978.
- Köstlichkeiten. 1979.
- Kochbuch für das einfache Leben. 1980.
- Französische Hausmannskost. 1981.
- Die bürgerliche rustikale Küche der Länder Europas. 1983.
- Grillbuch. 1984.
- Backen. 1984.
- Die deutsche Küche. 1984.
- Ein kulinarisches Rendevouz mit Deutschland. 1985.
- Roland Gööcks neue große Kochschule. Mosaik-Verlag, München 1986.
- Allgemeinwissen und Quizfragen (mindestens 41 Bücher), darunter:
- Quiz – Quiz – Quiz. 2222-mal in die Kiste gegriffen, in der Ihr Wissen schlummert. C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1959.
- Elektrizität – Energie ohne Grenzen. 1971.
- `als Hrsg.: Modernes Jugendlexikon in Farbe. 1974.
- als Hrsg.: Modernes Kinderlexikon in Farbe. 1979.
- als Hrsg.: Gemälde erzählen Geschichte. 1980.
- Erfindungen der Menschheit (insgesamt 12 Bände: Wind, Wasser, Sonne, Kohle, Öl; Gesundheit, Nahrung, Wohnen, Bauen; Textil, Bauen und Wohnen, Beleuchtung; Schall, Bild, Optik; Nachrichtentechnik Elektrotechnik; Schrift – Druck – Musik), Sigloch Edition, Künzelsau, 1984.
- als Hrsg. mit Markus Plessner: Der Mensch in seiner Welt. 12 Bände. Bertelsmann Verlag, 1972–1975; Neuauflage: (Reinhard Mohn OHG / Praesent-Verlag Heinz Peter, 1980.
- als Hrsg.: Menschen, die die Welt veränderten. 1977.
- Reise-Bildbände und Atlanten (mindestens 19 Bücher), darunter:
- Das große Deutschland-Reisebuch. Praesent Verlag Peter, Hamburg 1966.
- Die Hauptstädte Europas. 1970.
- Die großen Traumreisen – die schönsten Reiseziele der Welt von Rom bis Rio. Europäische Bildungsgemeinschaft, Stuttgart 1973.
- Neuer großer Weltatlas. Reise- und Verkehrsverlag, Berlin/Gütersloh/Stuttgart 1975.
- Deutsche Städte vor 100 Jahren. 1978.
- Der Rhein. 1979.
- als Hrsg.: Zeig mir meine Welt. 1979.
- als Hrsg.: Abenteuer Amerika. 1981.
- Faszinierende Städte der Welt. 1983.
- Einsichten und Aussichten. 1985.
- Heimwerken und Einrichten (mindestens 9 Bücher), darunter:
- Selbermachen. Do it yourself. 1970 (auch in italienischer, spanischer, niederländischer, slowenischer und serbokroatischer Sprache erschienen); Neuauflage 1979
- Das große Heimwerkerbuch für Haus, Wohnung und Garten. Mosaik-Verlag, München 1981.
- Soßenfleck und Schraubenzieher. 1982.
- Hammer und Tapetenkleister. 1984.
- Ratgeber „Wein und Spirituosen“ (mindestens 9 Bücher), darunter:
- Hochprozentiges aus aller Welt. 1962.
- Das 1 × 1 des guten Weins. Mosaik-Verlag, 1978.
- Wein. 1983.
- Whisky. 1983.
- Geheimnisse und Mystery (mindestens 8 Bücher), darunter:
- Alle Wunder dieser Welt. 1968 (erschienen in 10 Sprachen).
- Die großen Rätsel unserer Welt an den Grenzen des menschlichen Wissens. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1969.
- Schöne geheimnisvolle Welt. 1970 (auch in spanischer und skandinawischer Sprache erschienen).
- Die neuen Wunder dieser Welt. 1976.
- als Hrsg.: Geheimnisse der Natur. 1977.
- Party und Hobby (mindestens 6 Bücher), darunter:
- Der gute Gastgeber. 1962.
- Das 1 × 1 der Zauberei. 1966.
- Das Party-Buch. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1976.
- Das große praktische Handarbeitsbuch. Mosaik Verlag, München 1977.
- Gesellschaftsspiele (mindestens 5 Bücher), darunter:
- Das große Buch der Spiele – 1000 Spiele für jung und alt. C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1964; Neuauflage 1977.
- Weltmeisterschaften und Olympische Spiele (mindestens 4 Bücher), darunter:
- VIII. Fußball-Weltmeisterschaft England 1966. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1966.
- Die Olympischen Spiele, Mexico City, Grenoble, 1968. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1969.
- Gesundheit und Humor (mindestens 3 Bücher), darunter:
- Gipsverband & Ohrensausen – Kniffe, Tricks und Tips für Gesundheit und Wohlbefinden. Heyne Verlag, München 1982.
- Sonstiges:
- Post. Dokumentation über das Post- und Fernmeldewesen. 1965.
- Jahrhundertkalender. 1976.
- Kostbarkeiten aus aller Welt. 1980.
- als Hrsg.: Rettet die Natur. 1981.
- Winterspeck und Frühjahrsmüdigkeit. 1984.
Literatur
- Wir sprachen mit: Auflagenmillionär Roland Gööck. In: Bertelsmann Illustrierte. 1965.
- M. Uhle: Roland Gööck. In: Essen und Trinken. Mai 1976.
- Brigitte Sinhuber: Autorenportrait Roland Gööck. In: Buchreport. 1977.
- Gerhard Tomkowitz: Der Hochstapler. In: Stern-Magazin. 31, 1980.
- A. Roszinsky-Terjung: Mit Ordnung und Bienenfleiß. In: BuchMarkt. Nr. 2, 1981.
- Wie arbeitet Roland Gööck, der Autor von mittlerweile 150 (!) Büchern? In: BuchMarkt. Nr. 3, 1981, S. 89.
- Hartmut Panskus: Schriftstellerei eines Packagers. In: Börsenblatt. 77, 1983.
- Roland Gööck feiert seinen 60. In: Bertelsmann Club Courir. 1983.
- Gööck, Roland. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 387.
Einzelnachweise
- ↑ Vgl. auch Wilhelm Neander: Lexikon deutschbaltischer Theologen seit 1920. Hannover-Döhren (1967), S. 47 f.
- ↑ www.robinsone.de.
- ↑ Jörg Weigand: Träume auf dickem Papier: das Leihbuch nach 1945, ein Stück Buchgeschichte. Nomos, 1995; Seite 56
- ↑ Thomas Lehning: Das Medienhaus: Geschichte und Gegenwart des Bertelsmann-Konzerns. Wilhelm Fink Verlag, München 2004; Seite 78
- ↑ W. Christian Schmitt: Vor dem Ende der Lesekultur: 20 Jahre Buch- und Literaturmarkt aus nächster Nähe; Morstadt, 1990; Seite 268
- ↑ Gööck lebt; Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3. Dezember 2004, Nr. 283, Seite 33
- ↑ WorldCat: Roland Gööck
Weblinks
- Literatur von und über Roland Gööck im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek