Rohöl-Motorlokomotive von Christoph & Unmack

„Christoph“-Rohöl-Motor-Lokomotive
Hersteller: Christoph & Unmack AG (Niesky)
Baujahr(e): um 1924
Spurweite: 600 bis 785 mm
Länge: 2,7 m (Fahrgestell)
Höhe: 1,3 m (ohne Führerhaus)
Breite: 1,32 m (Fahrgestell)
Fester Radstand: 0,8 m[1]
Dienstmasse: etwa 2,6 t (ohne Führerhaus)
Höchstgeschwindigkeit: 4 oder 8 km/h
Installierte Leistung: 6 PS
Anfahrzugkraft: Anhängelast auf waagerechter, gerader Strecke:
  • 28 t bei 4 km/h
  • 14 t bei 8 km/h
Brennstoffvorrat: Rohöl oder Petroleum
Motorentyp: Christoph-Mitteldruck-Rohöl-Motor
Motorbauart: Hubkolbenmotor liegender Bauart ohne Glühkopf­zündung
Nenndrehzahl: Mittel­schnell­läufer

Die Rohöl-Motorlokomotive von Christoph & Unmack war eine schmalspurige Feldbahn-Lokomotive, die von dem Unternehmen Christoph & Unmack AG in Niesky um 1924 gebaut wurde und mit 600 bis 785 mm Spurweite für Abraumbetriebe konzipiert war.

Geschichte

Nach dem Ersten Weltkrieg waren die Preise für Benzin und Benzol infolge von Steuern und Zöllen so weit angestiegen, dass der Betrieb von Benzin- und Benzollokomotiven unrentabel wurde. Um aber trotzdem nicht auf die im Ersten Weltkrieg erfolgreich eingesetzten Motorlokomotiven verzichten zu müssen, wurde ein anderer Kraftstoff gesucht. Der Rohöl- oder Dieselmotor war inzwischen auch so weit entwickelt worden, dass er für den Antrieb von Lokomotiven in Betracht kam. Er bewährte sich so gut und war so wirtschaftlich, dass er in den folgenden Jahren die Benzin- und Benzolmotoren im Lokomotivbau vollständig verdrängte.[2]

Die auf Holzbau spezialisierte Christoph & Unmack AG in Niesky fusionierte 1922 mit der ebenfalls dort ansässigen Maschinenfabrik Johannes Ehregott Christoph und baute seitdem auch Schienenfahrzeuge, Motoren, Dampfmaschinen, Kessel und Stahlkonstruktionen. Sie stellte ihre Lokomotive und fünf Eisenbahnwagen vom 21. September bis zum 5. Oktober 1924 auf der Internationalen Eisenbahntechnischen Ausstellung Seddin aus.[3][4]

Konstruktion

Aufgrund ihrer schweren und kräftigen Bauart war die Lokomotive besonders für Betriebe geeignet, die hohe Anforderung an die Leistungsfähigkeit und Betriebssicherheit stellten. Sie wurde von einem Christoph-Mitteldruck-Rohöl-Motor liegender Bauart mit 6 PS Leistung angetrieben. Er konnte mit minderwertigem Brennstoff, also außer mit Rohöl auch mit Petroleum, gespeist werden. Infolge seiner niedrigen Drehzahl hatte der Motor gegenüber feststehenden, schnelllaufenden Motoren einen ruhigen Gang und eine längere Lebensdauer.

Die Lokomotive hatte zwei gekuppelte Achsen. Sie konnte mit 4 und 8 km/h vor- und rückwärts fahren. Motor und Triebwerk waren auf einem kräftigen Fahrgestell aufgebaut, das zur Aufnahme der Stöße auf starken Federn ruhte. Die Radsätze liefen in Lagern besonderer Bauart mit bewährter Schmierung. Die Lokomotive war mit durch Fußtritt zu betätigender Sandstreuvorrichtung, schnell wirkender Wurfbremse, Signalglocke und starker Pufferung ausgerüstet.

Motor und Triebwerk waren zum Schutz gegen Staub und Witterungseinflüsse mit einem Stahlblechmantel umgeben. Der Führerstand konnte mit einem Schutzhaus versehen werden. Sämtliche schnelllaufenden Teile des Getriebes liefen in Wälzlagern und Ölbad und waren in ein staubdichtes Gehäuse eingeschlossen, wodurch ein ruhiger, sicherer Lauf bei geringstem Ölverbrauch gewährleistet war. Alle Triebwerkteile blieben im Eingriff, und die Umschaltung auf die Fahrgeschwindigkeiten für Vor- und Rückwärtsgang erfolgte durch einen einzigen Handhebel. Die Drehzahlverstellung des Motors vom Führerstand aus ließ die Änderung der Fahrgeschwindigkeit in weiten Grenzen zu. Die am Führerstand angebrachte Schmiervorrichtung gestattete ständige Überwachung der Schmierung von Motor und Antriebsstrang.

Der Rohölverbrauch bei Volllast verursachte einen Aufwand von etwa 30 Pfennig in der Stunde. Die Lokomotive war also billiger zu betreiben als Pferde, als deren überlegener Ersatz sie angesehen wurde.[5][5.1][5.2]

Einzelnachweise

  1. Flugblatt der Christoph & Unmack AG aus Niesky für die sogenannte Rohöl-Motor-Lokomotive. Um 1924.
  2. Fr. Riedig: Die Entwicklung der Motorlokomotiven für den Baubetrieb. In: Der Bauingenieur, 21. Jahrgang 1940, Heft 25/26 (vom 5. Juli 1940; online als PDF), S. 195–201.
  3. Jens Merte: „Unbekannte“ Lokomotivhersteller.
  4. Albert Gieseler: Christoph & Unmack Aktiengesellschaft – Unternehmensgeschichte.
  5. Bebilderter Aufsatz von Friedrich Wernekke aus der Zeitschrift Der Waggon- und Lokomotiv-Bau, 7. Jahrgang 1924, Heft 26 (vom 25. Dezember 1924); in zwei inhaltlich identischen Sonderdrucken mit unterschiedlichem Layout:
    1. Christoph und Unmack auf der Ausstellung in Seddin. Mit Zeitschriften-Kopftitel, ohne Verfasserangabe, Dietmar & Söhne, Langensalza.
    2. Christoph & Unmack Aktiengesellschaft auf der Eisenbahntechnischen Ausstellung in Seddin. Ohne Zeitschriften-Kopftitel, mit Verfasserangabe, Hoffmann & Reiber, Görlitz.