Roffrid de Insula

Roffrid de Insula OSBCas (auch lateinisch Rofridus de Insula; * im 12. Jahrhundert in Isola del Liri; † 30. Mai 1210 in San Germano, Abtei Montecassino) war ein italienischer Benediktinermönch des 12. und frühen 13. Jahrhunderts. Er wurde 1188 Abt von Montecassino und wenig später zum Kardinal ernannt.

Leben

Herkunft und Familie

Roffredo entstammte einer Adelsfamilie, die Besitz in Isola del Liri hielt. Sein Bruder Gregorio diente zeitweise als Geisel in Deutschland, um die Loyalität der Roffredos gegenüber Kaiser Heinrich VI. zu sichern. Gregor wurde dank Roffredos hartnäckigen Bemühungen 1202 zum Bischof von Trani gewählt, verzichtete jedoch im selben Jahr auf sein Amt, da er keine päpstliche Bestätigung seiner Wahl erhielt. Eine Schwester wurde mit Erveo, Sohn von Roberto de Apolita, vermählt, und wurde zum Castellano von Roccaguglielma ernannt.

Abt von Montecassino

Roffrid, der vorher das Amt des Kämmerers verwaltet hatte, wurde am 9. Juli 1188 nach zweijähriger Vakanz zum Abt von Monte Cassino gewählt. Kurz vor dem 1. Dezember 1188 wurde er von Papst Clemens III. zum Kardinalpriester von Santi Marcellino e Pietro erhoben.[1]

Als Abt bemühte er sich, die mangelhafte wirtschaftliche Lage des Klosters zu stabilisieren und verteidigte dessen Rechte und Besitzungen.

Politisches Wirken und Konflikte

Roffredo war politisch aktiv und geriet in Konflikte zwischen kaiserlichen und päpstlichen Kräften. Im Jahr 1191 weilte Kaiser Heinrich VI. in Monte Cassino und bestätigte frühere Privilegien der sizilianischen Könige sowie Lothars III. an das Kloster. Da Roffredo sich jedoch auf die Seite Tankreds von Lecce stellte, Heinrichs Gegner in dessen Anspruch auf den sizilianischen Thron, wurde er vom deutschen Kaiser gefangen genommen und nach Deutschland gebracht. An seiner Stelle leitete der Dekan und Stauferanhänger Adenulf das Kloster. Im März 1192 war er Zeuge eines in Hagenau ausgestellten kaiserlichen Urkunde, wo er auch den dort gefangen gehaltenen englischen König Richard Löwenherz gesehen haben muss.

1192 kehrte er nach Italien zurück, sein Bruder Gregorio blieb als Geisel in Deutschland um die Treue des Abtes zum Kaiser abzusichern. In den folgenden Jahren kämpfte Roffredo für Heinrich in Nordapulien gegen Tankreds Vasallen und unterstützte die staufischen Heerführer Berthold von Künßberg und Diepold von Schweinspeunt. Er hieß Heinrich VI. feierlich willkommen, als dieser 1194 nach Italien zurückkehrte, und nachdem der Kaiser an Weihnachten 1194 zum König von Sizilien gekrönt worden war, wurde Roffredo für seine militärische Hilfe mit drei bedeutenden Privilegien belohnt. 1196 befand sich Roffredo im Gefolge des kaiserlichen Legaten, Bischof Konrad von Hildesheim, als dieser die Mauern von Neapel und Capua dem Erdboden gleichmachte.

Nach Heinrichs Tod 1197 wandte sich Roffredo der Politik von Papst Coelestin III. und später von Innozenz III. zu. Er nahm an der Papstwahl 1198, die Innozenz III. wählte. Im Jahr 1200 musste er jedoch zusammen mit seinem Bruder Gregor vor Dipoldo von Acerra aus San Germano fliehen. Im Jahr 1201 fügte er zusammen mit Gualtieri di Brienne den Staufern (angeführt von Dipoldo und dem Kanzler Walter von Pagliara) bei Cannae eine vernichtende militärische Niederlage zu.

1202 wurde er von Papst Innozenz III. als Legat nach Sizilien gesandt, um den jungen Friedrich II. zu befreien, der in Palermo gefangen gehalten wurde. 1208 war er an der Belagerung und dem Fall von Sora beteiligt. Innozenz III. besuchte das Kloster Montecassino im Jahr 1208 und gewährte dem Abt und den Mönchen bei dieser Gelegenheit großzügige Zugeständnisse beim Wiederaufbau der durch den Krieg verursachten Schäden.

Tod und Nachfolge

Roffredo starb am 30. Mai 1210 in San Germano (im heutigen Cassino) und wurde in der Abtei Montecassino bestattet. Einige Quellen geben auch 1212 als Sterbejahr und seinen Aufstieg zum Kardinalprotopriester im Jahr 1211 an. Sein Nachfolger als Abt wurde der vormalige Dekan Pietro Comes.[2]

Bedeutung und Nachwirkung

Roffredos Amtszeit war geprägt von der politischen Verflechtung zwischen Kurie, Kaisertum und Königreich Sizilien. Er versuchte, die Stellung Montecassinos im Spannungsfeld dieser Mächte zu behaupten. Trotz seiner militärischen und diplomatischen Aktivitäten blieb das Kloster finanziell oft angeschlagen.

Literatur

  • Peter Csendes: Heinrich VI., Primus Verlag Darmstadt 1993, ISBN 3-89678-023-9.
  • Klaus Ganzer: Die Entwicklung des auswärtigen Kardinalats im hohen Mittelalter, Max Niemeyer Verlag Tübingen 1963, S. 141–144.

Einzelnachweise

  1. Ganzer, S. 141
  2. Ganzer, S. 144