Rocco de Zerbi

Rocco de Zerbi (* 11. Juni 1843 in Reggio Calabria, Italien; † 20. Februar 1893 in Rom) war ein italienischer Politiker, Journalist und Schriftsteller.

Leben und Wirken

De Zerbi wuchs als Sohn einer wohlhabenden Anwalts- und Beamtenfamilie auf. Seine humanistisch geprägte Ausbildung wurde größtenteils durch kirchliche Hauslehrer ausgeführt. De Zerbi setzte seine Ausbildung in Neapel fort, wo er bereits 1858 Im Alter von fünfzehn Jahren sein erstes Buch, das „Florilegio letterario“, veröffentlichte. Es handelte sich um eine Anthologie von Texten berühmter italienischer und ausländischer Schriftsteller, ergänzt durch biografische Notizen. Im darauffolgenden Jahr nahm er an einem Literaturwettbewerb der Pontaniana-Akademie zum Thema „Pier delle Vigne und sein Jahrhundert“ teil. Obwohl er eine lobende Erwähnung erhielt, wurde die Veröffentlichung seines Werkes aufgrund der bourbonischen Zensur verhindert.[1] 1860 unterbrach De Zerbi sein Studium und trat in den freiwilligen Militärdienst im Heer von Garibaldi ein, wo er an den Risorgimento-Feldzügen von 1860 und 1866 teilnahm.[1] De Zerbi verließ den Militärdienst 1886 als Leutnant. Wegen seiner Leistungen war er zuvor mit der Silbermedaille für militärische Tapferkeit ausgezeichnet worden.

1868 gründete De Zerbi in Neapel die zentristisch ausgerichtete Tageszeitung „ Il Piccolo“, die er bis 1888 leitete. Zuvor hatte er bereits als Journalist, Korrekturleser und Kolumnist für die Zeitung La Patria in Neapel gearbeitet.[1] 1874 wurde De Zerbi bei den Parlamentswahlen für die Legislaturperiode XII für den Wahlkreis Palmi in die Abgeordnetenkammer gewählt. Bei den darauffolgenden Wahlen 1876 für die Legislaturperiode XIII wurde seine Wahl annulliert, und er war anschließend Provinzrat von Neapel. In den folgenden Legislaturperioden XIV, XV, XVI, XVII und XVIII wurde er erneut für den Wahlkreis Palmi in die Abgeordnetenkammer gewählt und blieb dort bis 1893. Er gehörte dem rechten Flügel an, stimmte aber fast immer mit der Regierungsmehrheit.[1][2]

Bekanntheit erlangte De Zerbi auch durch den Banca-Romana-Skandal, in den die beiden führenden Köpfe der damaligen italienischen Politik, Giolitti und Crispi, verwickelt waren.[3] Bekannt ist, das De Zerbi neben anderen Abgeordneten zu den Empfängern illegaler Geldzahlungen gehörte. Dabei war er hoch verschuldet.[4]

Werke

(Quelle: [4])

  • Aspirationen , Trapani, Typ. von G. Modica Romano, 1864.
  • Vistilia. Tiberische Szenen , Neapel, Marghieri Di Giuseppe, 1877.
  • Politische Schriften von R. de Zerbi , Neapel, Gennaro De Angelis und Sohn, 1876.
  • Faust. Die Liebenden des Faust. Träume des Chloral , Neapel, Presso R. Marghieri, 1879.
  • Hamlet: eine psychologische Studie, vorgetragen am Institut der Schönen Künste in Neapel und mit Ergänzungen und Korrekturen bei der Filotecnica Society in Turin , Turin, F. Casanova, 1880.
  • Banken und die Abschaffung des Zwangsumlaufs: Banknoten , Neapel, De Angelis und Sohn, 1881.
  • Die Jüdin: ein Roman , vierte Auflage, Neapel, De Angelis, 1881.
  • Verteidigt euch selbst , Neapel, Gennaro De Angelis, 1882.
  • Der Giftmischer , Neapel, Bideri, 1883.
  • Mein Roman: Bekenntnisse und Dokumente , Rom, Angelo Sommaruga und C., 1883.
  • Die Untersuchung der eritreischen Kolonie , Rom, Stabilimento tipografico dell'Opinione, 1891.
  • Das Gleichgewicht im Mittelmeer , Rom, Italienischer Verlag, 1892.
  • Träume von Chloral , Neapel, Bideri, 1892 (Verschiedene Bücher der Tafelrunde).

Einzelnachweise

  1. a b c d DE ZERBI, Rocco - Enciclopedia. Abgerufen am 18. November 2025 (italienisch).
  2. Rocco De Zerbi / Deputati / Camera dei deputati - Portale storico. Abgerufen am 18. November 2025.
  3. Scandalo Banca Romana - Morte onorevole Zerbi - Roma - Calabria - La citta' del Sole - nr. 6 Giugno 1997 - Rosarno - Governo Giolitti - Bernardino Grimaldi - Camera dei deputati- 1893. Archiviert vom Original am 7. Oktober 1997; abgerufen am 18. November 2025.
  4. a b De Zerbi, Rocco - Istituto Calabrese per la Storia dell'Antifascismo e dell'Italia Contemporanea. Abgerufen am 18. November 2025 (italienisch).