Roberto Occhiuto

Roberto Occhiuto (geboren 13. Mai 1969 in Cosenza) ist ein italienischer Politiker. Er ist seit 29. Oktober 2021 Präsident der Region Kalabrien.

Werdegang

Roberto Occhiuto ist der Sohn eines Obst- und Gemüsegroßhändlers aus Cosenza.[1] Der ehemalige Bürgermeister von Cosenza und Senator Mario Occhiuto ist sein älterer Bruder. Occhiuto studierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Universität Kalabrien.[2]

Er arbeitete zunächst als Journalist,[3] interessierte sich aber auch für Politik. Am Anfang seiner politischen Karriere war er für die Democrazia Cristiana im Stadtbezirksrat tätig.[1] 1993 wurde er in den Gemeinderat von Cosenza gewählt, dem er bis 1997 angehörte.[4]

Mit seinem Bruder gründete er das Medienunternehmen MediaTV, dem mehrere regionale Fernsehsender angehörten und das er zwischen 1993 und 2000 als Direktor leitete. Er und sein Bruder galten als Beispiel eines aktiven Berlusconismus. Seine Sender sollte er im Laufe seiner politischen Karriere auch für politische Zwecke einsetzen.[1]

Nach dem Zusammenbruch der Democrazia Cristiana im Zuge von Tangentopoli schloss sich Occhiuto zunächst der Partito Popolare unter Mino Martinazzoli und dann der Cristiani Democratici Uniti von Rocco Buttiglione an.[3] Im Jahr 2000 wechselte er zu Forza Italia und wurde von Silvio Berlusconi für die Regionalwahl in Kalabrien 2000 als Kandidat aufgestellt. Mit etwa 9000 Stimmen wurde er zum jüngsten Abgeordneten der Forza Italia im Regionalrat Kalabriens.[5]

Wegen interner Differenzen in der kalabresischen Forza Italia, insbesondere mit Brüdern Antonio und Pino Gentile, aus denen er in der Öffentlichkeit keinen Hehl macht, wurde er vor ein parteiinternes Schiedsgericht berufen. Einem Parteiausschluss kam er 2002 durch seinen Übertritt in die von Pierferdinando Casini angeführte Partei Centro Cristiano Democratico – ab Dezember 2002 Unione di Centro (UdC) – vor.[1]

Bei der Regionalwahl in Kalabrien 2005 trat Occhiuto mit über 16.000 Stimmen erfolgreich für die UdC an, musste aber im Rahmen des unterlegenen Mitte-rechts Bündnisses auf der Oppositionsbank Platz nehmen. In der anschließenden Legislaturperiode war er Vizepräsident des Regionalrats. Bei den Parlamentswahlen 2008 gelang ihm der Einzug in die Abgeordnetenkammer.[5] In der anschließenden XVI. Legislaturperiode gehörte er dem Finanz- und Haushaltsausschuss an.[6]

2010 trat er für die UdC bei der Direktwahl des Präsidenten des Provinzrates der Provinz Cosenza an. Mit 10,4 % der Stimmen erreichte er allerdings nicht die Stichwahl. Bei den Parlamentswahlen 2013 belegte er hinter dem Spitzenkandidaten Lorenzo Cesa den zweiten Platz, was nicht für den Wiedereinzug in die Abgeordnetenkammer reichte. Daraufhin wandte er sich der 2013 wieder gegründeten Forza Italia zu. Erst nachdem Lorenzo Cesa 2014 in das Europäisches Parlament einzog, wurde Occhiuto als Nachrücker berücksichtigt. Bei der Parlamentswahlen 2018 gelang ihm als Spitzenkandidat der Forza Italia für den Wahlkreis Kalabrien der erneute Wiedereinzug in die italienische Abgeordnetenkammer. 2021 wurde er zudem zum Fraktionsvorsitzenden der Forza Italia in der Camera dei Deputati.[5] Im gleichen Jahr trat er als Präsidentschaftskandidat des Mitte-rechts Bündnisses bei der Regionalwahl in Kalabrien an, die er mit 54,4 % für sich entscheiden konnte.[7]

2024 wurde Occhiuto zum stellvertretenden Parteisekretär der Forza Italia gewählt.[5] Im Juni 2025 gab er bekannt, dass eine Untersuchung der Staatsanwaltschaft Catanzaro gegen ihn wegen Korruptionsverdachts laufe. Er bezeichnete dies als politischen Angriff, von dem er sich nicht aufhalten lassen würde.[8] Wenige Wochen später erklärte er seinen Rücktritt als Regionalpräsident und kündigte an, bei den nächsten Regionalwahlen wieder als Präsident kandidieren zu wollen und die Entscheidung über seine Arbeit in die Hände der Wähler zu legen.[9] Bei den anschließenden Regionalwahlen im Oktober 2025 konnte er sich mit 57,4 % der Stimmen erneut durchsetzen.[10]

Nach seiner Wiederwahl wurde er im Dezember 2025 als Nachfolger des Parteivorsitzenden Antonio Tajani ins Spiel gebracht.[11]

Commons: Roberto Occhiuto – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. a b c d Paride Leporace: Verso le elezioni / La dinasty degli Occhiuto: Storia di due carriere da razza padrona. In: quotidianodelsud.it. 17. Juni 2021, abgerufen am 22. Dezember 2025 (italienisch).
  2. Roberto Occhiuto. (PDF) In: anagrafeconsiglieri.consrc.it. 28. Januar 2022, abgerufen am 21. Dezember 2025 (italienisch).
  3. a b Roberto Occhiuto: ritratto politico. In: calnews.it. 25. August 2025, abgerufen am 22. Dezember 2025 (italienisch).
  4. Anagrafe degli Amministratori Locali e Regionali | Occhiuto Roberto. In: amministratori.interno.gov.it. Abgerufen am 21. Dezember 2025 (italienisch).
  5. a b c d Chi è Roberto Occhiuto, due volte presidente della Regione Calabria. In: tg24.sky.it. 6. Oktober 2015, abgerufen am 23. Dezember 2025 (italienisch).
  6. Roberto Occhiuto | Incarichi parlamentari. In: storia.camera.it. Abgerufen am 23. Dezember 2025 (italienisch).
  7. Regionali 03/10/2021, Regione Calabria. In: elezionistorico.interno.gov.it. Abgerufen am 23. Dezember 2025 (italienisch).
  8. Lucio Musolino: Occhiuto indagato per corruzione contro tutti: “Mi sento stuprato”. E la procura gli risponde. In: ilfattoquotidiano.it. 19. Juni 2025, abgerufen am 23. Dezember 2025 (italienisch).
  9. È stato sciolto il consiglio regionale della Calabria, per via delle dimissioni del presidente Roberto Occhiuto. In: ilpost.it. 8. August 2025, abgerufen am 23. Dezember 2025 (italienisch).
  10. Regionali Calabria 5-6 ottobre 2025. In: elezioni.interno.gov.it. Abgerufen am 23. Dezember 2025 (italienisch).
  11. Andrea Carugati: Tajani vede Marina Berlusconi e accetta la sfida di Occhiuto: «Votano gli iscritti». In: ilmanifesto.it. 19. Dezember 2025, abgerufen am 23. Dezember 2025 (italienisch).