Roberto Barzanti
Roberto Barzanti (* 24. Januar 1939 in Monterotondo Marittimo, Provinz Grosseto) ist ein italienischer Politiker des Partito Comunista Italiano (PCI), der Democratici di Sinistra (DS) und zuletzt des Partito Democratico (PD), der unter anderem zwischen 1969 und 1974 Bürgermeister von Siena, von 1984 bis 1999 Mitglied des Europäischen Parlaments sowie zwischen 1992 und 1994 Vizepräsident des Europäischen Parlaments war.
Leben
Roberto Barzanti absolvierte ein Studium der Literaturwissenschaften und Philosophie an der Elitehochschule Scuola Normale Superiore (SNS), welches er mit einem „Laurea in lettere e filosofia“ abschloss und lehrte „Geschichte der italienischen Literatur“ im Rahmen der Italienischkurse für Ausländer an der Universität Siena, eine der ältesten Universitäten Italiens. 1956 trat er der Sozialistischen Partei PSI (Partito Socialista Italiano) bei und 1964, nach deren Gründung, der Sozialistischen Partei der Proletarischen Einheit PSIUP (Partito Socialista Italiano di Unità Proletaria). 1967 wurde er zum Mitglied des Stadtrates von Siena gewählt und war als Nachfolger von Luciano Mencaraglia[1] vom 2. Dezember 1969 bis zum 11. Januar 1974 Bürgermeister (Sindaco) von Siena, woraufhin Canzio Vannini ihn ablöste. Nach der Auflösung der PSIUP trat er 1973 der Kommunistischen Partei Italiens PCI (Partito Comunista Italiano) bei. 1975 wurde er Mitglied des Verbandskomitees des PCI in Siena, war auch als Journalist tätig und schrieb Beiträge für Tageszeitungen und Zeitschriften wie „L’Unità“ und „Problemi del socialismo“.
Bei den Regionalwahlen am 15. und 16. Juni 1975 wurde Barzanti im Wahlkreis „Siena“ mit 4.225 Stimmen für die Kommunistische Partei Italiens (PCI) zum Mitglied des Regionalrates (Consiglio regionale) der Toskana gewählt und war als Mitglied der Regionalregierung (Assessore nella giunta regionale) für Dezentralisierung, Kommunalverwaltung, Allgemeine Angelegenheiten und Personal zuständig. Nach seinem Rücktritt im September 1979 war er als Stellvertreter von Mauro Barni beziehungsweise ab dem 20. September 1983 von Vittorio Mazzoni della Stella Vize-Bürgermeister von Siena (Vice-Sindaco) und fungierte zudem als Präsident des Interkommunalen Verbandes.
Bei der Europawahl vom 14. bis 17. Juni 1984 wurde Roberto Barzanti für den PCI zum Mitglied des Europäischen Parlaments gewählt, dem er nach seinen Wiederwahlen bei der Europawahl am 18. Juni 1989 und am 12. Juni 1994 als Vertreter Italiens in der zweiten, dritten und vierten Legislaturperiode vom 24. Juli 1984 bis zum 19. Juli 1999 angehörte. Er gehörte zunächst der Fraktion der Kommunisten und Nahestehenden (KOM) an und war in der zweiten Legislaturperiode vom 21. Januar 1987 bis zum 24. Juli 1989 Vorsitzender der Delegation für die Beziehungen zu Japan und zeitgleich stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Geschäftsordnung, Wahlprüfung und Fragen der Immunität. Daneben gehörte er dem Wahlprüfungsausschuss (26. Juli 1984 bis 20. Januar 1987), dem Ausschuss für Recht und Bürgerrechte (26. Juli 1984 bis 24. Juli 1989) sowie der Delegation für die Beziehungen zu den Ländern Osteuropas (12. Februar 1985 bis 20. Januar 1987) als Mitglied an.[2]
In der dritten Legislaturperiode war Barzanti anfangs zwischen dem 25. Juli 1989 und dem 11. Januar 1993 der Fraktion der Vereinigten Europäischen Linken (VEL). Nach der Auflösung des PCI zum 31. Dezember 1990 trat er am 1. Januar 1991 der aus dieser hervorgegangenen Demokratischen Linkspartei PDS (Partito Democratico della Sinistra) bei und war zwischen dem 12. Januar 1993 und dem 20. April 1993 im Europäischen Parlament erst Mitglied der Sozialistischen Fraktion sowie danach vom 21. April 1993 bis zum 18. Juli 1994 Mitglied der Fraktion der Sozialdemokratischen Partei Europas, der Fraktionsvorständen er jeweils angehörte. Nachdem er vom 26. Juli 1989 bis zum 14. Januar 1992 Vorsitzender des Ausschusses für Jugend, Kultur, Bildung, Medien und Sport war, fungierte er zwischen dem 14. Januar 1992 und dem 18. Juli 1994 als Vizepräsident des Europäische Parlament und war damit Stellvertreter des Präsidenten des Europäischen Parlaments, Egon Klepsch.[3][4] Darüber hinaus gehörte er vom 15. Januar 1992 bis zum 31. Januar 1994 der Delegation für die Beziehungen zu Ungarn beziehungsweise zwischen dem 1. Februar und dem 18. Juli 1994 der Delegation im Gemischten Parlamentarischen Ausschuss EU-Ungarn als Mitglied an und war außerdem vom 15. Januar 1992 bis zum 18. Juli 1994 Mitglied des Ausschusses für Kultur, Jugend, Bildung und Medien. Ferner er stellvertretendes Mitglied des Ausschusses für Recht und Bürgerrechte (26. Juli bis 23. November 1989 und 15. Januar 1992 bis 18. Juli 1994), des Institutionellen Ausschusses (26. Juli 1989 bis 18. Juli 1994), der Delegation für die Beziehungen zur Tschechoslowakei (10. März 1992 bis 10. Februar 1993) beziehungsweise der Delegation für die Beziehungen zu der Tschechischen Republik und der Slowakischen Republik (11. Februar 1993 bis 18. Juli 1994).[5]
In der vierten Wahlperiode gehörte Roberto Barzanti zwischen dem 19. Juli 1994 und dem 19. Juli 1999 weiterhin der Fraktion der Sozialdemokratischen Partei Europas als Mitglied an, wobei er nach der Auflösung des Partito democratico della sinistra zum 31. Dezember 1998 Mitglied der am 1. Januar 1999 der Demokratischen Linken DS (Democratici di Sinistra) beitrat. Er fungierte zwischen dem 22. Juli 1994 und dem 15. Januar 1997 als stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Recht und Bürgerrechte und gehörte diesem Ausschuss im Anschluss vom 16. Januar 1997 bis zum 19. Juli 1999 als Mitglied an. Er war zudem zwischen dem 17. November 1994 und dem 15. Januar 1997 Mitglied der Delegation für die Beziehungen zu Russland sowie danach vom 16. Januar 1997 bis zum 19. Juli 1999 Mitglied Delegation im Gemischten Parlamentarischen Ausschuss EU-Tschechische Republik, die zu der Zeit den Beitritt zur Europäischen Union begehrte. Des Weiteren war zwischen dem 21. Juli 1994 und dem 19. Juli 1999 stellvertretendes Mitglied des Ausschusses für Kultur, Jugend, Bildung und Medien sowie vom 16. Januar 1997 bis zum 19. Juli 1999 stellvertretendes Mitglied der Delegation für die Beziehungen zu Japan.[6]
Nach seinem Ausscheiden aus dem Europäischen Parlament lehrt Barzanti an der Philosophischen Fakultät der Universität Pisa und der Philosophischen Fakultät der Universität Siena zu audiovisuellen Institutionen und Strategien in Europa mit dem Schwerpunkt Radio. Er veröffentlichte 1994 das Buch „I confini del visibile“ über die EU-Politik in Bezug auf Kino und audiovisuelle Medien und verfasste Essays, Artikel und Rezensionen, die in Zeitschriften wie „Economia della cultura“, „Il Riformista“, „L’indice dei libri del mese“, „Gli argomenti umani“, „Testimonianze“, „Gulliver“ und „Il Ponte“ erschienen. Er ist zudem Präsident der Accademia degli Intronati in Siena und war von 2012 bis 2018 Präsident der dortigen Stadtbibliothek Intronati war. Er schreibt ferner eine Kolumne für den „Corriere Fiorentino“, die toskanische Beilage des „Corriere della Sera“ sowie für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften, darunter „Alias“, eine Beilage der Tageszeitung „Il Manifesto“. Für seine Verdienste wurde ihm am 28. Juli 2010 das Großkreuz des Verdienstordens der Italienischen Republik verliehen.
Veröffentlichungen
- Siena, Photos von Pepi Merisio, 1980
- Immagini del Chianti. Storia di una terra e della sua gente, 1987
- Siena: le fontane di contrada, „Piazzetta A. Franchi“ di Mauro Berrettini, Editore Il Leccio, 1987
- La Galleria Odeon a Siena di Carlo Nepi, 1993
- I confini del visibile televisione e cinema senza frontiere nelle politiche dell’Unione europea, 1994
- Soggiorni senesi tra mito e memoria, 2007
- Ranuccio Bianchi Bandinelli (1900–1975). Lettere a Maria, 1922–1924, 2009
Weblinks
- Barzanti Roberto eletto nelle legislature II. Regionalrat der Toskana, abgerufen am 29. Oktober 2025 (italienisch).
- Roberto Barzanti. In: Prabook. Abgerufen am 29. Oktober 2025 (englisch).
Einzelnachweise
- ↑ Luciano Mencaraglia (3. Legislaturperiode). In: Senato della Repubblica. Abgerufen am 29. Oktober 2025 (italienisch).
- ↑ Roberto Barzanti (2. Legislaturperiode). In: Europäisches Parlament. Abgerufen am 29. Oktober 2025.
- ↑ Egon A. Klepsch (3. Legislaturperiode). In: Europäisches Parlament. Abgerufen am 29. Oktober 2025.
- ↑ European Parliament: Presidents of the European Parliament. In: rulers.org. Abgerufen am 29. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Roberto Barzanti (3. Legislaturperiode). In: Europäisches Parlament. Abgerufen am 29. Oktober 2025.
- ↑ Roberto Barzanti (4. Legislaturperiode). In: Europäisches Parlament. Abgerufen am 29. Oktober 2025.