Robert Meadows White
Robert Meadows White (geboren am 8. Januar 1798 in Halesworth; gestorben am 31. Januar 1865 in Cheltenham) war ein englischer Philologe, Priester und Professor für Angelsächsisch (englisch Rawlinsonian Professor of Anglo-Saxon) an der Universität Oxford.
Leben
White war der älteste Sohn des Rechtsanwalts Robert Gostling White (6. Januar 1763 – 18. Oktober 1828) und dessen zweiter Ehefrau Elizabeth (geborene Meadows; † 25. September 1831). Im Alter von sieben Jahren besuchte er die Schule in Bungay, ab 1808 eine Schule in Dedham in Essex und ab 1813 eine Schule in Norwich. Hier wurde er gemeinsam mit dem späteren Botaniker John Lindley und James Brooke von Edward Valpy (1764–1832) unterrichtet.
Am 26. Juli 1815 schrieb er sich am Magdalen College in Oxford für ein Studium der Theologie ein. Am 14. Dezember 1819 machte er seinen Bachelor of Arts (B.A.). 1821 wurde er zum Diakon und 1822 zum Priester geweiht. Am 28. Februar 1822 schloss er seinen Master of Arts (M.A.) und am 21. November 1833 den Bachelor of Divinity (B.D.) ab. Er wurde am 23. November 1843 zum Doktor der Theologie (D.D.) ernannt.
Am 15. März 1831 wurde White Prorektor und am 23. April 1834 für fünf Jahre zum Rawlinson-Professor für Angelsächsisch ernannt. White galt bereits vor seiner Berufung auf diesen Lehrstuhl als Gelehrter. Seine Pläne ein angelsächsisch-englischen Wörterbuch zu erstellen, gab er jedoch auf, da Joseph Bosworth bereits an An Anglo-Saxon Dictionary arbeitete. Daher wandte er sich um 1832 der Edition des Ormulum zu, einem einzigartigen Manuskript in der Bodleian Library, das in Versform die Evangelien nacherzählt. Mit dieser Aufgabe beschäftigte er sich fast zwanzig Jahre und besuchte 1837 Dänemark. Von dort reiste White nach Moskau, wo er wegen eines ohne offizielle Genehmigung durchgeführten Besuchs im Kreml kurzzeitig inhaftiert wurde.
White wurde 1839 durch Godfrey Wentworth, dessen Sohn er als Hauslehrer unterrichtet hatte, zum Pfarrer von Woolley ernannt. Nach Wentworths Tod ging er als Privatlehrer der Enkel des Lords Charles Anderson-Pelham of Yarborough nach Brocklesby Park in Lincolnshire. 1842 wurde er zum Pfarrer von Little und Great Glemham in Suffolk ernannt und erhielt am 29. Oktober 1846 vom Magdalen College die Pfarrstelle von Slimbridge in Gloucestershire, die er bis zu seinem Tod innehatte. 1852 erschien seine Edition des Ormulum zu der im Folgejahr eine deutsche Kritik des Professors Monicke in englischer Sprache herausgegeben wurde.[1]
Familie
White war der Enkel von Robert White (23. Februar 1738/1739 – Juli 1814) aus Bury St. Edmunds, der mütterlicherseits mit dem Präsidenten des Magdalen Colleges und Bischof Heber verwandt war. Er hatte einen jüngeren Bruder John Meadows White (20. Januar 1799 – 19. März 1863), der wie sein Vater Jura studierte und in dessen Kanzlei eintrat. Später ging er nach London und wurde ein Partner von T. Barett in der Great St. Helen’s Street. Am 17. September 1825 heiratete er Anne, eine Tochter von Robert Crabtree, mit der er mehrere Kinder hatte.
Eine von Whites Schwestern führte ihm den Haushalt.[2] Er selbst starb unverheiratet und wurde in Slimbridge auf dem Friedhof nahe der südlichen Chorwand beigesetzt.[1]
Mitgliedschaften (Auswahl)
- 1823–1837: Fellow der Linnean Society of London[3]
- 1824–1847: Fellow des Magdalen Colleges und von 1832 bis 1840 dort auch Tutor.
- 1831–1840: Mitglied im Reading Room at Mr. Parker’s in the Turl (Lesesaal von John Henry Parker [1. März 1806 – 31. Januar 1884] in der Turl Street 21)
- 1839–1843: Mitglied der Camden Society[4]
Schriften (Auswahl)
White betätigte sich auch als Dichter und schrieb Lieder für Schulkinder und humorvolle Unterhaltungssücke für seine jungen Neffen und Nichten oder jugendliche Nachbarn.
- The Ormulum. Band 1. Oxford University Press, Oxford 1852 (archive.org).
- The Ormulum. Band 2. Oxford University Press, Oxford 1852 (archive.org).
Im Jahr 1878 erschien eine zweite Auflage, die von Robert Holt herausgegeben und von John Earle (1824–1903) ergänzt wurde.
Literatur
- Obituary. – Robert Meadows White, D.D. In: The Gentleman’s Magazine. Band 219. Open Court Publishing Co, Juli 1865, S. 111–113 (englisch, Textarchiv – Internet Archive).
- White, Robert Meadows. In: Joseph Foster: Alumni Oxonienses: The Members of the University of Oxford, 1715–1886. Band 4: S–Z, later Series, Parker & Co, Oxford 1888, S. 1540 (englisch, Volltext [Wikisource])
- Edward Irving Carlyle: White, Robert Meadows. In: Sidney Lee (Hrsg.): Dictionary of National Biography. Band 61: Whichcord – Williams. MacMillan & Co., Smith, Elder & Co., New York City / London 1900, S. 74–75 (englisch, Volltext [Wikisource]).
- Edward Irving Carlyle: White, Robert Meadowslocked (1798–1865). In: Henry Colin Gray Matthew, Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography, from the earliest times to the year 2000 (ODNB). Oxford University Press, Oxford 2004, ISBN 0-19-861411-X; doi:10.1093/ref:odnb/29270 (Lizenz erforderlich), Stand: 2004.
Einzelnachweise
- ↑ a b Edward Irving Carlyle: White, Robert Meadows. In: Sidney Lee (Hrsg.): Dictionary of National Biography. Band 61: Whichcord – Williams. MacMillan & Co., Smith, Elder & Co., New York City / London 1900, S. 74–75 (englisch, Volltext [Wikisource]).
- ↑ Obituary. – Robert Meadows White, D.D. In: The Gentleman’s Magazine. Band 219. Open Court Publishing Co, Juli 1865, S. 111–113, hier S. 112 (englisch, Textarchiv – Internet Archive).
- ↑ List of the Linnean Society of London. Richard and John E. Taylor, London 1805, S. 10 (englisch, Textarchiv – Internet Archive).
- ↑ Camden Society. J. B. Nichols and Son, London 1843, S. 35 (Textarchiv – Internet Archive).