Robert Haselkorn
Robert Haselkorn (* 7. November 1934 in Brooklyn, New York City; † 10. Februar 2025) war ein US-amerikanischer Mikrobiologe und Experte auf dem Gebiet der Genetik von Prokaryoten.[1][2] Anhand von Modellorganismen aus den Gattungen Anabaena und Nostoc gelang in seinem Labor der Nachweis, dass in speziellen Zellen – genannt Heterocysten – die Fixierung des Luftstickstoffs durch das Enzym Nitrogenase stattfindet.[3] Von 1961 bis 2009 war Haselkorn Professor an der University of Chicago.
Leben
Robert Haselkorn wuchs in Brooklyn auf und besuchte dort im Anschluss an die Grundschule die James Madison High School, eine Elite-Schule.[4] Ab 1952 studierte er an der Princeton University, wo er 1956 den Abschluss als Bachelor im Fach Chemie erwarb. Im gleichen Jahr wechselte er an die Harvard University in die Arbeitsgruppe von Paul Doty, wo er 1959 im Fach Biochemie promoviert wurde. Seit 1957 war er verheiratet mit Margot Block, die unweit der Harvard University am Wheelock College studierte. Als Postdoc der American Cancer Society ging Haselkorn nach Cambridge (England), wo am Agricultural Research Council sein wissenschaftliches Interesse an der Molekulargenetik und an der Genetik der Pflanzen, der Cyanobakterien und der Purpurbakterien geweckt wurde.
1961 kam er zurück in die USA und wurde an der University of Chicago zum Assistant Professor für Biophysik berufen. 1964 wurde er in Chicago Associate Professor und 1967 schließlich ordentlicher Professor. Zuletzt hatte er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2009 den Lehrstuhl Fanny L. Pritzker Distinguished Service Professorship inne. Er war dort sowohl im Institut für Molekulargenetik als auch im Institut für Zellbiologie tätig. Zudem gehörte er von 2003 bis 2010 und von 2012 bis 2015 dem Kuratorium des Marine Biological Laboratory der University of Chicago an, eines Instituts, in dem er bereits 1958 im Zusammenhang mit seiner Doktorarbeit Physiologie studiert hatte.
Robert „Bob“ Haselkorn starb im Alter von 90 Jahre zuhause im Kreise seiner Angehörigen. Er hinterließ seine Ehefrau und ihre beiden gemeinsamen Kinder.
Forschung
Robert Haselkorn war in der Mitte seines ersten Studienjahres an der Princeton University, als zwei Forscher aus Cambridge, James Watson und Francis Crick, den Aufbau der Desoxyribonukleinsäure (DNA) veröffentlichten. Als Haselkorn an der Harvard University für seine Doktorarbeit forschte, kam er in direkten Kontakt mit Watson, der ebenfalls 1956 an die Harvard University gewechselt war. Die Entschlüsselung der DNA wurde in dieser Zeit zur Grundlage zahlreicher neuartiger Forschungsansätze auf dem Gebiet der Molekulargenetik, die auch Haselkorns Weg bestimmten. So widmete er sich nach dem Aufenthalt in England den genetischen Abläufen bei der Stickstofffixierung und der Photosynthese der Cyanobakterien und der Purpurbakterien, die er als Modellorganismen nicht nur zum Erforschen der Stickstofffixierung, sondern auch der Photosynthese und ganz generell des Stoffwechsels etablierte. Zuvor hatte er in Cambridge über ein Pflanzenvirus, das Gelbe-Rüben-Mosaikvirus, geforscht, was den Grundstein dafür legte, dass er in den folgenden Jahrzehnten auch ein Experte auf dem Gebiet der RNA-Viren von Pflanzen wurde, deren Struktur, Replikation und Proteinbiosynthese er zu verstehen versuchte. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt war die Untersuchung von Genen, die im Verlauf der Fettsäuresynthese für das Enzym Acetyl-CoA-Carboxylase in Pflanzen, Parasiten und Säugetieren kodieren.
Mitgliedschaften und Ehrungen (Auswahl)
- Guggenheim-Stipendium (1974)
- American Association for the Advancement of Science (1984)
- American Academy of Arts and Sciences (1987)
- National Academy of Sciences (1991)
- Gregor Johann Mendel Honorary Medal for Merit in the Biological Sciences (1996)
- American Philosophical Society (2014)
- American Academy of Microbiology
- International Society for Plant Molecular Biology
- Annual Robert and Margot Haselkorn Visiting Lectureship an der University of Chicago (seit 2003)
Weblinks
- Robert Haselkorn, influential researcher and mentor in molecular genetics and cell biology, 1934–2025. Nachruf auf dem Server der Division of the Biological Sciences der University of Chicago.
Belege
- ↑ Susan S. Golden et al.: Robert Haselkorn (1934–2025): Pioneer in molecular biology and microbiology. In: PNAS. Band 122, Nr. 45, 2025, e2522224122, doi:10.1073/pnas.2522224122.
- ↑ Robert Haselkorn. Eintrag auf einer Website der World Biographical Encyclopedia.
- ↑ Honorée Fleming und Robert Haselkorn: Differentiation in Nostoc muscorum: Nitrogenase Is Synthesized in Heterocysts. In: PNAS. Band 70, Nr. 10, 1973, S. 2727–2731, doi:10.1073/pnas.70.10.2727.
- ↑ Nachruf: Robert Haselkorn. Auf dem Server des Marine Biological Laboratory der University of Chicago.