Robert Gordon’s College

Robert Gordon’s College, ehemals Robert Gordon’s Hospital, ist eine Privatschule in der schottischen Stadt Aberdeen. Sie bietet sämtliche Klassenstufen von der Primarstufe bis zur Sekundarstufe an. Außerdem umfasst die Einrichtung einen Kindergarten.[1] Die Schule ist nicht zu verwechseln mit der Robert Gordon University, die aus ihr hervorgegangen ist.

Das historische Schulgebäude wurde 1966 in die schottischen Denkmallisten in der höchsten Denkmalkategorie A aufgenommen.[2]

Geschichte

Der 1668 in Aberdeen geborene Robert Gordon ist ein Nachfahre des Kartographen Robert Gordon of Straloch. Als Kaufmann wirkte er zunächst in Aberdeen und verlegte seinen Standort dann für rund 30 Jahre in der Englische Haus in Danzig. 1720 kehrte er nach Aberdeen zurück. Da er ledig und ohne Nachkommen war, beschloss Gordon in den folgenden Jahren, sein Vermögen zur Einrichtung eines Internats für Jungen aus mittellosen Familien aufzuwenden. Nach seinem Tod 1731 wurde der schottische Architekt William Adam mit der Planung der Einrichtung betraut. 1739 war der Bau abgeschlossen, der Innenausbau jedoch noch nicht weit fortgeschritten. Dieser wurde erst 1742 fertiggestellt. Im Zuge des Zweiten Jakobitenaufstands nahm der royale Heerführer William Augustus, Duke of Cumberland das Gebäude unter Beschlag. In dieser Zeit war es auch unter der Bezeichnung „Fort Cumberland“ bekannt. Erst 1750 nahm die Schule unter der Bezeichnung Robert Gordon’s Hospital ihren Betrieb auf.[2][3]

Am 10. Juli 1750 nahm das Robert Gordon’s Hospital mit der Aufnahme von 14 Schülern aus verarmten Familien Aberdeener Bürger mit einem Direktor und einer Lehrkraft den Betrieb auf. Sie lebten in der als Internat betriebenen Schule und ihnen wurden Schuluniformen zur Verfügung gestellt. Nach vier bis fünf Jahren erlernten die Schüler einen Beruf und wurden beim Verlassen der Schule mit einem Betrag in Höhe von 5 £ ausgestattet. Erfolgreich im Berufsleben angekommen, wurde die Rückzahlung der durch die Schulausbildung aufgelaufenen Gebühren erwartet. Eine von Georg III. aufgesetzte königliche Charta aus dem Jahre 1772 konstituierte das Leitungsgremium der Schule als öffentliche Körperschaft mit dem Recht zum Landerwerb. Zwanzig Jahre später wurden seine Befugnisse ausgebaut. Bis zu dieser Zeit hatten sich bereits mehrere Änderungen in den von Gordon verfassten Statuten der Schule ergeben. So wurde bereits 1751 bemerkt, dass das Verbot von Frauen in den Räumlichkeiten nicht umsetzbar war, da eine Haushälterin benötigt wurde. Um 1800 lebten bereits 66 Schüler im Auld Hoose („Altes Haus“).[3]

Der wohlhabende Kaufmann Alexander Simpson of Collyhill, der 1816 verstarb, vermachte der Einrichtung testamentarisch eine höhere Summe. In den 1820er und 1830er erfolgte nicht nur eine Modernisierung der Bestandsgebäude, sondern auch ein substantieller Anbau nach einem Entwurf des Architekten John Smith. 1835 bewohnten 126 Schüler das Internat. Unter dem von 1872 bis 1901 leitenden Rektor Alexander Ogilvie wurde der Internatsbetrieb insofern gelockert, dass es auch gestattet wurde, bei seinen Familien zu leben. 1881 erfuhr die Einrichtung eine fundamentale Neuausrichtung. So wurde die Schule fortan als Robert Gordon’s College als gebührenpflichtige Privatschule geführt. Des Weiteren wurde eine Abendschule zur Fortbildung der Bürger der Stadt eingerichtet. Der Erfolg dieser technischen und naturwissenschaftlichen Veranstaltungen führte Jahrzehnte später zu der Gründung und Abspaltung der Robert Gordon University. 1911 verheerte ein Brand den Ostflügel. 1922 wurde ein schuleigener Sportplatz an der Seafield Road eingerichtet und 1925 eröffnet; ein Schwimmbad wurde 1937 eingeweiht. 1926 wurde eine Vorschule für fünf- bis siebenjährige Kinder eröffnet. Um Internatsplätze für angereiste Schüler zu bieten, wurde 1937 Sillerton House eingerichtet, das bis 1995 betrieben wurde. 1938 wurde eine Bibliothek ergänzt. Drei Jahre nach der Eröffnung eines Neubaus für Naturwissenschaften, öffnete die neue Bibliothek. Nachdem sich die Schule bisher aus Gordons Vermächtnis, öffentlichen Gelder und Schulgebühren finanziert hatte, wurde sie 1985 unabhängig. Zum Schuljahr 1989 wurden erstmals Schülerinnen zugelassen (Koedukation). 1992 wurde die heutige Robert Gordon University als eigenständige Einrichtung abgespalten. Das Blackfriars Building wurde 1994 und ein neues Gebäude für die Klassen der Primarstufe 2010 eingeweiht.[3]

Beschreibung

Das Schulgebäude nimmt eine Fläche zwischen der Straße Schoolhill und der Blackfriars Street ein. Sie befindet sich im historischen Zentrum Aberdeens in Nachbarschaft zur Aberdeen Art Gallery, dem Einkaufszentrum Bon Accord Centre und dem Park Union Terrace Gardens mit dem Denburn Viaduct.[4] Der dreigeschossige historische Schulkomplex weist einen grob H-förmigen Grundriss auf. Wie üblich in der „Granitstadt“ Aberdeen ist er aus grauen Granitquadern aufgemauert. Die südexponierte Hauptfassade des klassizistischen Baus ist sieben Achsen weit. Oberhalb des zweiflügligen Hauptportals ist in ein blindes venezianisches Fenster eine Statue des Schulgründers eingesetzt. Die Eckrisaliten sind jeweils zwei Achsen weit und schließen mit Dreiecksgiebeln. Mittig ragt ein Dachreiter von dem schiefergedeckten Dach auf. Der schlanke Dachreiter weist einen oktogonalen Grundriss auf und schließt mit einem spitzen Helm mit einer Wetterfahne.[2]

Zu beiden Seiten schließen sich symmetrisch grob L-förmige Flügel an, bei denen es sich um die zweigeschossigen Anbauten aus den 1820er Jahren handelt. Sie sind mit Säulengängen und kolossalen Pilastern ornamentiert.[2]

Einzelnachweise

  1. Überblick über das Robert Gordon’s College
  2. a b c d Listed Building – SCHOOLHILL, ROBERT GORDON’S COLLEGE INCLUDING NORTH GATES AND BOUNDARY WALLS. In: Historic Environment Scotland. (englisch).
  3. a b c Geschichte des Robert Gordon’s College
  4. Karte der Ordnance Survey
Commons: Robert Gordon’s College – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 57° 8′ 57,6″ N, 2° 6′ 9,9″ W