Robert E. Hecht

Robert E. Hecht (Robert Emmanuel „Bob“ Hecht, Jr.; * 3. Juni 1919 in Baltimore; † 8. Februar 2012 in Paris) war ein US-amerikanischer Kunsthändler, der in den illegalen Handel mit antiken Objekten verwickelt war.

Leben

Robert Hecht war der Ururenkel des deutsch-jüdischen Kaufmanns Samuel Hecht Jr., der die Kaufhauskette Hecht Company gründete. Er studierte zunächst am Haverford College bis 1941 und diente dann im Zweiten Weltkrieg als Offizier. Nach dem Krieg studierte er ein Jahr an der Universität Zürich Klassische Archäologie, bevor er mit einem Stipendium an die American Academy in Rome in Rom ging (1947–1949).

Er starb 2012 in seiner Pariser Wohnung, wenige Wochen nachdem das italienische Strafverfahren wegen Verjährung gegen ihn eingestellt worden war.

Antikenhandel

In den 1950er Jahren begann Hecht mit dem Handel antiker Münzen aus dem Mittelmeerraum. Dafür gründete er zusammen mit Vladimir Steffanelli, einem Numismatiker, die Firma Hesperia Arts. Er zog dann mit seiner Frau nach Rom auf den Aventin-Hügel.[1] Über sechs Jahrzehnte lang verkaufte Hecht tausende antiker Kunstwerke, darunter Skulpturen, Münzen und Vasen. Er verkaufte an Privatsammler in Europa, den USA und Japan und renommierte Museen, darunter das J. Paul Getty Museum, das Boston Museum of Fine Arts und den Louvre. Zu seinen bekanntesten Verkäufen zählt der Euphronios-Krater, den das Metropolitan Museum of Art 1972 für eine Million Dollar erwarb. Er stammte aus einer illegalen Grabung in Cerveteri und wurde 2008 an Italien zurückgegeben.[2] Nach dem Verkauf des Kraters zog er nach Paris und eröffnete an der East Side in Manhattan die Galerie Atlantis Antiquities.

Die Objekte, die Hecht verkaufte, stammten hauptsächlich aus der Türkei und Italien. In der Türkei war er unter anderem mit den türkischen Schmugglern Edip Telli und Fuat Uzelmez vernetzt.[1]

Ausgewählte verkaufte Objekte

  • Bärtiger Kopf eines Mannes (3. Jahrhundert). Dieser wurde 1966 in Bubon (Türkei) geplündert.
  • Terrakotta-Kylix (6. Jh. v. Chr.). Das Gefäß wurde aus Vulci geplündert, von Hecht aus Italien geschmuggelt, 2017 vom Metropolitan Museum erworben und später beschlagnahmt.[3]

Ermittlungen

Hecht war wiederholt Gegenstand strafrechtlicher Ermittlungen wegen des Handels mit illegal exportierten Antiken. In den 1960er Jahren wurde er aus der Türkei ausgewiesen, weil er ohne Ausfuhrgenehmigung Münzen aus dem Land brachte.[2]

Bei einer Razzia der Carabinieri im Jahr 1995 wurde ein von dem Antikenhändler Pasquale Camera erstelltes Organigramm entdeckt, das einen Einblick in die vermutliche Struktur des illegalen italienischen Antikenhandels in den 1990er-Jahren gibt. Darin steht Robert Hecht an der Spitze zweier Händler- und Grabräuberketten („cordate“). Ein Lieferantenzweig geht über den Gianfranco Becchina und ein weiterer über Giacomo Medici.[4][5] Hecht fungiert dabei als Verbindung zu Sammlern und Museen in den USA. Im Zuge von Ermittlungen gegen den Antikenhändler Giacomo Medici durchsuchten Behörden im Jahr 2000 auch Gebäude, die Robert Hecht zugeordnet wurden. Bei den Durchsuchungen wurden bei Hecht und anderen Händlern Polaroid-Fotos zahlreicher antiker Objekte sichergestellt, die Gegenstände im Kontext ihrer Bergung bei vermeintlichen Raubgrabungen zeigen. 2001 wurde seine Wohnung in Paris durchsucht; im Zuge dessen wurden seine unveröffentlichten, handgeschriebenen Memoiren beschlagnahmt und dienten im späteren Strafverfahren als Beweismittel.[2]

2005 wurde Anklage gegen Hecht und Marion True vom J. Paul Getty Museum in Rom wegen illegalen Antikenhandels erhoben. Der Prozess endete 2012 gemäß italienischem Recht aufgrund der Verjährung.[6] Mehrere antike Objekte, mit denen Hecht gehandelt hatte, wurden im Rahmen der Ermittlungen später an Italien zurückgegeben.[3][7]

Nachwirkung

Am Haverford College, wo Hecht studierte, wurde eine Ausstellung über die Provenienz einer vom College über Hecht erworbenen griechischen Vasen-Sammlung gezeigt und diskutiert, wie mit solchen Objekten umgegangen werden soll.[8]

Veröffentlichungen

  • A colossal head of Polyphemos. In: Memoirs of the American Academy in Rome. Bd. 24, 1956, S. 135–145, doi:10.2307/4238641.
  • Some coins of Asia Minor in Boston. In: Numismatic Chronicle. Series 7, Bd. 4, 1964, S. 159–168, JSTOR:42662592.

Literatur

  • Peter Watson, Cecilia Todeschini: Die Medici-Verschwörung. Der Handel mit Kunstschätzen aus Plünderungen italienischer Gräber und Museen. Parthas-Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-86601-905-X.

Einzelnachweise

  1. a b Suzan Mazur: The Provenance Of Bob Hecht | Scoop News. Abgerufen am 24. Oktober 2025.
  2. a b c Robert Hecht. Abgerufen am 24. Oktober 2025 (englisch).
  3. a b D.A. Bragg Announces Return Of 107 Antiquities To The People Of Italy. In: Manhattan District Attorney's Office. 18. Februar 2025, abgerufen am 24. Oktober 2025 (englisch).
  4. Organigram. In: Trafficking Culture. Abgerufen am 24. Oktober 2025 (amerikanisches Englisch).
  5. Gianfranco Becchina. In: Trafficking Culture. Abgerufen am 24. Oktober 2025 (amerikanisches Englisch).
  6. Laurie Watson Rush, Luisa Benedettini Millington: The Carabinieri Command for the Protection of Cultural Property, Boydell Press, 2015, ISBN 978-1-78327-056-9, Seiten 131, 132
  7. Daya Alberge: "Fresco fragment from Pompeii reopens row over ‘looted’ artefacts" The Guardian vom 20. März 2022
  8. Hecht’s Footprints: Haverford College Opens Up About Source of Their Greek Vases. In: CHASING APHRODITE. 4. November 2014, abgerufen am 24. Oktober 2025 (englisch).